Samsung Galaxy Tab 10.1: Test des Android-Tablets, das ein iPad-Klon sein soll

Daniel Kuhn
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Die Ausgangslage für diesen Testbericht ist alles andere als optimal, der Testgegenstand zum Politikum geworden: Kurz, nachdem wir das Samsung Galaxy Tab 10.1 erhalten hatten, wurde die einstweilige Verfügung gegen den Verkauf des Samsung Galaxy Tab 10.1 von Apple erwirkt und inzwischen wurde diese vom Landgericht Düsseldorf nochmals bestätigt. Unter diesen Bedingungen präsentieren wir euch daher einen Testbericht zu einem Gerät, dass es entweder nur schwer oder über Umwege zu kaufen gibt.

Samsung Galaxy Tab 10.1: Test des Android-Tablets, das ein iPad-Klon sein soll

Bei vielen anderen Honeycomb-Tablets wäre ein Verkaufsverbot nicht so richtig schlimm, da die meisten doch eher austauschbar und nicht so wirklich überzeugend sind – das Samsung Galaxy Tab 10.1 gehört allerdings ausgerechnet zu den wenigen Ausnahmen. Genauer gesagt (und damit verrate ich das Testergebnis bereits) ist das Galaxy Tab 10.1 das derzeit beste Android-Tablet am Markt – wodurch das Verhalten von Apple umso ärgerlicher wird. Aber was genau ist denn am Galaxy Tab 10.1 so toll? Darüber gibt dieser Testbericht Aufschluss.

Ein dickes Dankeschön für das Testgerät geht an : Köszönöm!

Verarbeitung & Haptik

samsung galaxy tab kante

Das Galaxy Tab 10.1 ist nur 8,6 Millimeter dünn und lediglich 565 Gramm schwer. Dadurch ist es mit Abstand das derzeit dünnste und leichteste Honeycomb-Tablet (auch wenn mit dem Toshiba AT200 bereits ein neuer Anwärter auf diesen Thron mit den Hufen scharrt). Der Preis, den man dafür zahlen muss, ist ein Gehäuse, das komplett aus Plastik besteht. Dadurch teilt das Galaxy Tab 10.1 das gleiche Schicksal wie schon das Samsung Galaxy S II: Es fühlt sich weniger hochwertig an, als es ist. Leider ist das Plastik, das die Rückseite bedeckt, sehr dünn, wodurch man diese leicht eindrücken kann – so können auf dem Display durchaus leichte Druckstellen erscheinen, die aber zum Glück umgehend wieder verschwinden. Auch etwas ärgerlich ist, dass die Rückseite ziemlich anfällig für Kratzer ist – eine Schutzhülle schafft natürlich Abhilfe, macht das Tablet aber leider auch wieder dicker. So schön leicht und dünn das Galaxy Tab 10.1 auch ist, fühlt es sich doch für meinen Geschmack etwas zu zerbrechlich an (auch wenn die Verarbeitungsprobleme der Google I/O-Edition offenbar passé sind). Hier hätte Samsung vielleicht ein wenig stabilere Materialien verwenden sollen.

Display

Das 10,1 Zoll große TFT-Display mit IPS-Technik und einer Auflösung von 1280 x 800 Pixel ist wirklich beeindruckend gut. Die Farben leuchten förmlich, das Display ist angenehm hell – um es kurz zu machen: Neben dem Asus Eee Pad Transformer/Slider und dem iPad hat das Galaxy Tab 10.1 das beste Tablet-Display bisher.

Sound

Die Boxen erzeugen einen erstaunlich guten Klang und wissen uns, insbesondere im Vergleich zu anderen Honeycomb-Tablets, zu begeistern. Der Stereo-Sound ist glasklar — trotz des dünnen Gerätegehäuses.

Software

samsung galaxy tab homescreen

samsung galaxy tab 10.1: software

Bei der Software-Version gibt es neben dem grazilen Äußeren die größten Unterschiede zu den Konkurrenz-Geräten – über die normale Android 3.1 „Honeycomb“-Oberfläche hat Samsung nämlich eine für Tablets angepasste TouchWiz-Oberfläche gelegt. Dabei muss man freilich feststellen, dass die Anpassungen eher gering sind und das Honeycomb-eigene Erscheinungsbild dadurch nicht grundlegend verändert wird: So steht in der unteren Notification-Leiste neben den typischen Buttons „Home“, „Zurück“ und „Multitasking“ noch eine Screenshot Funktion bereit und ein kleiner Pfeil öffnet auf Wunsch eine Leiste mit App-Verknüpfungen – allerdings haben wir keine Möglichkeit gefunden, diese frei zu belegen. In der rechten Ecke der Notification-Leiste findet man ebenfalls erweiterte Schnelleinstellungen, wie man sie von Samsungs Galaxy-Geräten auch kennt. Und: Das Einstellungsmenü besitzt einen weißen Hintergrund.

samsung galaxy tab 10.1: einstellungen

Des Weiteren gibt es ein paar Samsung-typische Widgets, Hubs und vorinstallierte Apps, die aber leicht zu ignorieren sind, wenn man sie nicht nutzen möchte. Wann Samsung ein Update auf Android 3.2 rausbringt, ist nicht bekannt – aber dass es kommen wird, gilt als gesichert. Insgesamt gefällt uns gut, dass Samsung sein Tablet mit einer Oberfläche ausstattet, die aus dem 08/15-Einheitsbrei der Honeycomb-Tablets herausragt: Als Benutzer ist ein Wechsel des Wallpapers zwar nur drei Taps entfernt, aber die Tatsache, dass man beim ersten Start des Tabs nicht sofort von einer eher “düsteren“ Honeycomb-Dunkelblau begrüßt wird, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil des Galaxy Tab.

Speicher

Das Galaxy Tab 10.1 ist, wie alle Tegra 2-Tablets, mit 1 GB RAM ausgestattet. Unser Testgerät besitzt zudem 16 GB internen Speicher, es sind aber auch 32 GB- und 64 GB-Varianten erhältlich. Leider besitzt das Galaxy Tab 10.1 keinen SD-Karten-Steckplatz, so dass dieser Speicher nicht erweitert werden kann.

Konnektivität

samsung galaxy tab 10.1 dock connector
samsung galaxy tab 10.1: klinkenbuchse und sim-slot
samsung galaxy tab 10.1 power + lautstärke

Wenn es um Anschlussmöglichkeiten geht, ist das Galaxy Tab 10.1 ohnehin sehr minimalistisch ausgerüstet: Abgesehen von der 3,5 Millimeter-Klinkenbuchse und dem Steckplatz für die SIM-Karte gibt es nur noch den proprietären Anschluss – lediglich über diesen können per optional erhältlichem Adapter auch USB-Geräte, SD-Karten sowie ein HDMI-Adapter genutzt werden.

Mobilität

Das Galaxy Tab 10.1 ist dank seines schlanken Erscheinungsbildes und des geringen Gewichts eine gutes Tablet für Unterwegs. Man kann es leicht in einer Tasche mit sich herumtragen, ohne dass es zur Last wird. Einziger Wehrmutstropfen: Zieht man das Gerät im Park aus der Tasche, wird man trotzt des guten Displays Schwierigkeiten haben, an der reflektierenden Sonne vorbeizugucken. Das ist freilich ein Problem jedes aktuellen Tablet-PCs.

Kamera

samsung galaxy tab 10.1 kamera
samsung galaxy tab 10.1 frontkamera

Die Rückkamera ist mit 3 MP Auflösung recht bescheiden bemessen, macht dafür aber verhältnismäßig gute Bilder. Die Kamera nimmt zudem Videos in einer Auflösung bis 720p auf. Da es sich aber unserer Meinung nach sowieso nicht anbietet, ein Tablet häufig als Kamera zu nutzen, geht das schon in Ordnung. Die Frontkamera bietet für Videochat, zum Beispiel über Google Talk, immerhin 2 MP, was wiederum etwas mehr als üblich ist.

Beispielbilder

samsung galaxy tab 10.1 beispielfoto
samsung galaxy tab 10.1 beispielfoto
samsung galaxy tab 10.1 beispielfoto

Beispielvideo

Performance

Dank Tegra 2-Dual Core-Prozessor und Android 3.1 bietet das Galaxy Tab 10.1 hinsichtlich der Performance keinen Anlass für Kritik. Die Benutzeroberfläche kann zwar ab und zu etwas ruckeln, das liegt aber eher an Honeycomb als an der Hardware. Die getesteten Spiele und Apps laufen ausnahmslos flüssig.

Die Werte im Benchmark CF-Bench liefern durchschnittliche Tegra 2-Kost: 9401 / 2202 / 5081 sind unsere mittleren Messwerte aus drei Durchläufen ohne Ausreißer.

Alltagsauglichkeit

Der Akku mit knapp 7.000 mAh konnte in unserem Test durchaus positiv überraschen. Zum einen hält er bei durchschnittlicher Nutzung mehrere Tage und zum anderen ist er innerhalb weniger Stunden aufgeladen. Da kann man sich nicht beschweren.

Modifizierbarkeit

Samsung hat wie üblich darauf verzichtet, den Bootloader des Galaxy Tab 10.1 in irgendeiner Form abzuschließen – das Tablet lässt sich also leicht modifizieren. Im Forum der XDA-Developers finden sich auch bereits eine Vielzahl Custom ROMs und Kernels, die nach Herzenslust geflasht werden können.

Fazit

Samsung hat mit dem Galaxy Tab 10.1 ein beachtliches Tablet auf den Markt gebracht. Um die hohe Meßlatte zu überspringen, muss die Konkurrenz sich ganz schön anstrengen – einziger potenzieller Kandidat könnte das Toshiba AT200 (beziehungsweise Excite) werden. Zwar findet sich im Galaxy Tab 10.1 auch nur die gleiche Tegra 2-Standard-Hardware wie in vielen Konkurrenz-Tablets, allerdings hat Samsung diese derart gut verpackt, dass es einfach Spaß macht, das Gerät in die Hand zu nehmen. Die unverbindliche Preisempfehlung von 600 Euro für die 16 GB Version mit 3G ist zwar gepfeffert, aber auch nicht ganz ungerechtfertigt. Insofern ist es wirklich und doppelt schade, dass das Galaxy Tab dank der durch Apple erwirkten einstweiligen Verfügung aus den Verkaufsregalen verbannt wird – dieses Tablet hätte ein echter Bestseller werden können. Aber wer weiß — vielleicht wird es das ja noch.

Bewertung

Display 5/5
Verarbeitung und Haptik 3,5/5
Software 5/5
Performance 5/5
Mobilität 5/5
Konnektivität 2/5
Alltagstauglichkeit 4/5
Gesamt 4,3/5

Pro

  • Display
  • leichtes und dünnes Gehäuse
  • Akkulaufzeit

Kontra

  • Plastikgehäuse
  • wenig Anschlussmöglichkeiten

Samsung Galaxy Tab 10.1 kaufen

Aus bekannten Gründen ist es in Deutschland momentan nicht so einfach, noch ein Exemplar des Samsung Galaxy Tab 10.1 zu ergattern. Ansonsten lohnt noch der Blick ins naheliegende Ausland, zum Beispiel . Wir schätzen aber, dass auch deutsche Händler wie das Gerät bald wieder im Angebot haben.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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