Chronicle - Interview mit Alex Russell

Martin Beck
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Seit dem 19. April läuft „Chronicle“ in den deutschen Kinos – eine spannende Kombination aus „found footage“-Film und Science Fiction. In dem drei Freunde auf einmal mit Superkräften ausgestattet werden. Die nach anfänglichen Späßen schnell dramatische Konsequenzen haben.

„Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“...und ein Interview mit einem der drei Hauptdarsteller, Alex Russell. Der sich als grundsympathischer Bursche herausstellte und spannende Antworten auf meine natürlich ebenso spannenden Fragen parat hatte.

Nur Bahnhof verstanden? Keine Bange, hier ist die Übersetzung der ganzen Chose:

GIGA: Glückwunsch zu „Chronicle“, der Film hat mir sehr gut gefallen. Wie schwer war es, einen realen Film über Superkräfte zu machen?

Alex Russell: Das war eine ziemliche Herausforderung. Ich werde das oft gefragt: Ein „found footage“-Film ist sowieso schon eine schwierige Sache für einen Schauspieler. Es gibt da Szenen, die dauern zwei, drei Minuten und erfordern große Konzentration. Man muss die Entwicklung des Charakters beachten, den Kontext innerhalb der Geschichte und die Abpassung der Momente, die eine Szene ausmachen und echt wirken lassen. All das innnerhalb von zwei Minuten und ohne die Möglichkeit, sich hinter Cuts zu verstecken.

In gewisser Weise ist das wie Theater, man muss durchhalten – was für mich schon mal eine Herausforderung ist. Und dann ist da ja noch das Wirework und die Arbeit mit Dingen, die zunächst gar nicht da sind – das erfordert einiges an Vorstellungskraft. Besonders aber das Wirework, ja, und dann die Kombination mit dem „found footage“-Genre, das war wirklich schwierig.

Wurden die Flugszenen mit Drähten und „green screen“ gedreht oder wie lief das ab?

Das war eine Kombination aus verschiedenen Sachen. Ziemlich viel wurde vor Ort mit Drähten gedreht, was unglaublich viel Spaß gemacht hat. Man hängt ja schließlich nicht jeden Tag 8, 10 Stockwerke über dem Boden. Und dann gab es auch einige Szenen, wie z.B. als wir Fußball in den Wolken spielen, die mit „green screen“ gedreht wurden. Da hingen wir auch gar nicht an Drähten, sondern waren in einer Art großem Hamsterrad, wo ich mich an Griffen festhielt und ansonsten in einem stählernen Korsett steckte. Eine ganz gemütliche Sache, über der ich dann meine Kleidung trug und vor einem „green screen“ postiert wurde. Ich konnte mich so in alle Richtungen bewegen, was ab und zu ohne Probleme ging, aber etliche Male auch furchtbar unbequem war.

Die Effekte wurden auf vielen verschiedenen Wegen erzeugt. Das war ganz schön beeindruckend!

War es dir erlaubt, mit den Drähten nach Drehschluss noch herumzuspielen?

Das wollte keiner mehr machen, denn einige Sachen waren echt unbequem. An den Drähten zu hängen, war aber echt spaßig. Doch nach Drehende war tatsächlich Ende.

Wie kamst du an die Hauptrolle in dem Film?

Ich habe letztes Jahr im Februar das Drehbuch gelesen und bereits nach 25 Seiten meine Agentin angerufen: „Das ist unglaublich. Ich habe erst 25 Seiten gelesen, aber du musst mich da bitte reinbringen.“ Dann habe ich aufgelegt, den Rest gelesen und sie erneut per Telefon angefleht.

Der nächste Schritt war stundenlanges Vorsprechen, was ich aber natürlich sehr gerne getan habe. Ich sprach viele, viele Male vor und hatte auch Workshops für einzelne Szenen – das war tatsächlich ein großer Spaß. Als es in die letzten Runden ging, hatte Dane DeHaan bereits die Andrew-Rolle, und ich musste dann mit ihm arbeiten. Wir sollten unsere Chemie testen, einen Draht zueinander finden. Das waren wieder Workshops einzelner Szenen, bis ich dann schließlich den entscheidenden & erlösenden Anruf erhielt.

Glaubst du, dass „Chronicle“ dein Durchbruch in Amerika ist?

Ja, auf jeden Fall. Ich werde jetzt etwas ernster genommen und bekomme unglaubliche Chancen, die zuvor nicht möglich waren. Mir werden tolle Projekte angeboten, alles geht etwas schneller. Der Film hat mir wirklich sehr geholfen.

Gut für dich, toll!

Ja, ich bin dafür sehr dankbar.

Vieles was du in der ersten Hälfte zeigst, wirkte auf mich improvisiert. Stimmt das?

Du wärst überrascht, wenn du wüsstest, wie eng wir am Drehbuch blieben. Es wurde uns tatsächlich freigestellt zu improvisieren, was wir zu Beginn einer Szene auch oft gemacht haben – also jeweils ca. 30 Sekunden, bevor die Dialoge einsetzten – die dann von einer spontanen, lockeren Stimmung begleitet wurden. An einigen Stellen im Film ist der Dialog improvisiert, doch gut 80, 90 Prozent stammt direkt aus dem Drehbuch.

Max Landis, der Drehbuchautor, schreibt wunderbar natürliche Dialoge; das Herz einer Szene, das, was vermittelt werden soll, steckt bereits in dem Text und kann problemlos vermittelt werden. Wieso also etwas ändern, das nicht kaputt ist? Man hatte nicht das Gefühl, etwas anders sagen zu müssen, die Worte gingen einem leicht über die Lippen. Es war eine Stimmung als würde man improvisieren.

Wie viele Takes gab es für diese drei-Minuten-Szenen?

Das war unterschiedlich. Am Ende des Drehs brauchten wir weniger Takes, doch als wir noch probierten, gab es auch Szenen mit knapp 40 Takes. Am Ende waren wir bei vier, sechs Takes angekommen, doch zu Beginn standen wir alle vor der Herausforderung, so etwas, so eine Kombination aus verschiedenen Stilen und Genres, noch nie gemacht zu haben.

Bei einer zwei-Minuten-Szene z.B. mussten sehr viele Elemente anwesend sein, alles musste stimmen und nahtlos funktionieren. Das ist alles eine Einstellung, bei der man sich nicht hinter Schnitten verstecken kann. Das dauert viele Takes bis man es hat, besonders zu Beginn, doch genauso muss man hier nicht viel Um- und Aufbauen. Es ist ja schließlich nur eine Einstellung, was wiederum auch Zeit spart. Irgendwie gleicht sich das dann wieder aus.

Ich fand es ein bisschen irritierend, dass du…

Wie jetzt – ich bin irritierend?

Nein nein, gar nicht! Ich meinte, dass du deine Superkräfte vorzugsweise für Schabernack einsetzt. Wäre es nicht besser, z.B. eine Bank auszurauben oder eine Krankheit zu heilen?

Ich mag es, dass du „Bank ausrauben“ und „Krankheit heilen“ in einem Satz untergebracht hast. Sehr spannend! Du hast Recht, obwohl ich mir nicht sicher bin, wie man mit Telekinese eine Krankheit heilen kann. Aber okay, du meinst, man soll damit Gutes tun – oder eben nicht, was den Film meiner Meinung nach so erfrischend macht. Die Jungs machen das, was man tatsächlich tun würde. Natürlich wäre es schön, wenn sie der Welt helfen könnten, aber zunächst kommt doch etwas anderes. Man muss erst einmal den Umgang mit den Kräften lernen, was am besten spielerisch funktioniert.

Wie sie sich verhalten, trifft nicht nur auf 18jährige zu, sondern auch auf 28jährige oder 38jährige. Es muss ja nicht sein, dass irgendwer die Streiche abbekommt, sondern es kann ja auch die Familie oder Freunde treffen. Zuerst steht bei so etwas immer der Spaß.

Vielleicht wäre das ja eine gute Idee für das Sequel – also das mit dem Bankraub.

Ja, absolut. „Bonnie & Clyde“ mit Telekinese!

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