Filme 2012: Der große GIGA Kino-Jahresrückblick

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radio giga - das kinojahr 2012
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Objektiv, sachlich und mit einer Scheibe Zitrone im Tee – so haben wir uns nicht über das Filmjahr 2012 unterhalten. Stattdessen haben wir einfach wild drauf los gequatscht, unsere Lieblingsfilme gekürt, die größten Enttäuschungen verdaut, unsere Geheimtipps zusammengetragen und einen ersten Blick ins Kinojahr 2013 gewagt. Bei all dem rechnen wir natürlich fest mit eurer Meinung. Obendrauf gibt´ s noch die wichtigsten Trends des Jahres zum Diskutieren. Film ab!

 

Filme 2012: Unser großer Kino-Jahresrückblick im Spezial-Podcast

Kapitelmarken
1:00 Die Lieblingsfilme
31:10 Die Enttäuschungen
49:10 Guilty Pleasures
1:04:00 Geheimtipps
1:10:30 Lieblingsszenen
1:20:40 Most Wanted 2013

 
Den Podcast könnt ihr euch natürlich auch als MP3 herunterladen.

Filme 2012: Die Kinotrends des Jahres

 

Der Trailer zum Trailer der Ankündigung des Teasers (Mit Countdown)

Vorfreude ist was Schönes. Ein guter Trailer kann sie in unermessliche Höhen sprießen lassen. Ein guter Trailer kann zum Pausengespräch werden und unsere Fantasie anregen. Ich mag gute Trailer. Doch was schon 2011 immer häufiger ins Lächerliche abdriftete, wurde im Kinojahr 2012 endgültig zur Farce.

Egal wie egal ein Film auch sein mag – ohne eine mehrstufige Trailer-Kampagne inklusive viralem Marketing und großspurig angekündigten Countdowns scheint heutzutage gar nichts mehr zu gehen. Die Folge sind Ermüdungserscheinungen beim dauerhaft überhypten Publikum. Wenn dann auch noch der halbe Film im Trailer verraten wird, gerät eine an sich sinnvolle und schöne Tradition zum Ärgernis. Hier ist weniger verdammt nochmal mehr!

 

Found Footage ist tot! Lange lebe Found Footage!

Das Kinojahr 2012 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in welchem sich der mit der Wackelkamera gedrehte Horrorfilm seiner selbst entledigte. Während man mit Filmen wie „Paranormal Activity 4“, „Chernobyl Diaries“, „Silent House“ noch die letzten Kröten aus dem ursprünglichen Gedanken quetschte, versuchten “The Bay“, “V/H/S“ oder “REC 3: Genesis“ das sinkende Schiff durch eine mal mehr und mal weniger verspielte Weiterentwicklung zu retten. Gebracht hat es wenig, denn keine der zitierten Filme konnte letztlich überzeugen.

Wirklich interessant wird der Found Footage-Trend derzeit nur noch, wenn man sich so weit wie möglich vom Horror entfernt. Mit dem hervorragenden „Chronicle“ wurde zum Beispiel das Superhelden-Thema erfolgreich adaptiert. Doch auch “Project X“, “The Dinosaur Project“ und “King Kelly” sind eine Erwähnung wert. In der Rückschau scheint das gesamte Horror-Genre des Found Footage ein echtes Legitimationsproblem zu haben, denn mit dem ersten großen Lebenszeichen “The Blair Witch Project” hatte es 1999 dann auch schon seinen qualitativen Höhenpunkt erreicht. So gut wurde Found Footage nie wieder.

 

Noch mehr Comic-Verfilmungen

So langsam reicht´s dann auch. Selbst als erklärter Comic-Fan begann mich die Masse an super-heroischen Verfilmungen in diesem Jahr erstmals richtig zu nerven. Nichts gegen die filmische Adaption von Comics an sich – es warten noch so viele und so tolle Geschichten in den Panels darauf, auf der Leinwand das Laufen zu lernen. Das Problem ist vielmehr die Form. Hollywood hat aus der Comic-Verfilmung ein starres Genre gemacht, gegen dessen Gesetze kaum noch jemand zu verstoßen wagt.

Vor allem Disneys Marvel Studios geben die Marschroute vor. Erkennbare Handschriften der Regisseure, unterschiedliche Interpretation der Vorlagen oder gar eine Auseinandersetzung mit dem Comic an sich suchte man dieses Jahr vergebens. Natürlich gibt der kolossale Erfolg von “The Avengers“ (1.511.757.910 Dollar) oder “The Amazing Spider-Man“ (752.216.557$) den Studio-Bossen Recht. Zudem waren mit “The Dark Knight Rises“ und “Men in Black 3“ noch zwei weitere Comic-Verfilmungen unter den zehn erfolgreichsten Filmen des Jahres. Ein Ende der Superhelden-Herrschaft ist also nicht in Sicht.

Mehr starke Frauen

Von „Snow White and the Huntsman“ über die “Tribute von Panem“ und „Haywire“ bis zu „Merida“ und „The Cabin in the Woods“ – starke Frauenrollen jenseits der üblichen Klischees gab es dieses Jahr in beinahe jedem Genre zu sehen. Natürlich sind die grenzdebile Sexnudel, das kreischende Mordopfer oder die schmachtende Heldenverehrerin deshalb noch lange nicht auf der Liste der bedrohten Figurarten zu finden.

Doch Hollywood scheint die Zeichen der Zeit langsam zu erkennen. Was mit der Generation „Buffy“ begann und sich dann in TV-Serien wie „Battlestar Galactica“, „Mad Men“ oder „Game of Thrones“ weiterentwickelte, scheint sich nun mehr und mehr auch im Blockbuster durchzusetzen. Für die Studio-Bosse bedeutet das vor allem eines: mehr Arbeit. Immerhin produziert sich eine Romantic Comedy nach dem Schema F sehr viel einfacher und billiger.

Die russische Szene

Der Filmmarkt in Russland boomt. Kinos und Distribution wurden modernisiert, das Publikum wächst und die Drehkosten sind gering. Russland ist unter den Top 10 der weltweit größten Absatzmärkte für Kinofilme gelandet und das hat Konsequenzen. Immer häufiger werden wir im Kino mit russischen Schauplätzen konfrontiert, immer häufiger begegnen uns russische Schauspieler in Nebenrollen.

Mission Impossible: Ghost Protocol“, “The Darkest Hour”, „A Good Day to Die Hard“, “Resident Evil: Retribution” oder die “Die Vierte Macht“ sind einige Beispiele für Filme, die dieser Entwicklung Rechnung tragen. Dass Hollywood sich zunehmend internationalisiert und seine Filme zunehmend für ein globales Publikum dreht, ist natürlich zu begrüßen. Dass die russischen Exkursionen aber derartig plump und gewollt in die Drehbücher geschrieben werden, hingegen nicht.

Die dritte Cash-Dimension

Es soll sie ja geben, die 3D-Fans. Menschen, die ins Kino gehen, weil 3D draufsteht und das einfach mal besser ist als kein 3D. Als Journalist wird man fast ausschließlich zum 3D-Genuss genötigt und so bekommt man einen guten Eindruck, welche Filme besonders gut mit der neuen alten Technologie umgehen. Leider ließen sich diese auch 2012 mal wieder an einer Hand abzählen.

Oder besser gesagt: an einem Finger. Außer Ang Lees „Life of Pi“ wollte uns in der Redaktion nämlich keiner einfallen. Damit drängt sich die Frage auf, warum die Studios trotz mangelnden Mehrwerts alles in 3D auf den Markt werfen. Die Antwort darauf gab 2012 allein der Preis auf dem Ticket.


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