Nach Jahren des gefühlten Stillstands steht endlich ein Wachwechsel bei PC-Monitoren an. UWQHD heißt das Zauberwort, mittlerweile gibt es immer mehr Monitore im 21:9-Kinoformat am Markt. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Acer Predator X34 ein besonders ausgereiftes Exemplar zu testen, das sowohl für Office-Aufgaben als auch Gaming viele Vorteile gegenüber den vorherrschenden 08/15-Modellen bringen soll. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und überprüft, ob die Vorteile des Breitbild-Curved-Monitors mit 34 Zoll, einer Auflösung von 3.440 x 1.440 im 16:9-Kinoformat, 100 Hz und G-Sync wirklich ihre 1.200 Euro (UVP) wert sind.

Acer Predator X34 im Praxistest: Was taugt der Gaming-Monitor im Kinoformat?
Bildquelle: Acer

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Die erste Überraschung gibt es schon, als der Monitor eintrifft. Denn das gigantische Paket kann man, zynisch formuliert, schon als Kindersarg sehen. Ich habe selten ein Technikprodukt in einem so großen Paket erhalten, dementsprechend steigen auch meine Erwartungen, denn größer heißt ja auch gleichzeitig besser. Oder? Mal sehen.

Angenehm ist, dass der Monitor bereits fertig montiert ist. Aufgrund dessen kann ich mir das nervige Anschrauben von Standfüßen sparen, das mit dem Kauf der meisten aktuellen Monitore einhergeht. Wuchtig ist dann aber auch der Monitor selbst. So wuchtig, dass der V-förmige Monitorständer meinen eher kleinen Schreibtisch in der Tiefe durchaus zur Hälfte ausfüllt, während mein sonst verwendeter 28-Zoller zwar ein wenig wackelig, aber doch stabil und weitaus weniger raumgreifend auf einer separaten Monitorerhöhung steht. Mit dieser ist die Standfußkonstruktion des Acer-Monitors vollkommen inkompatibel. Das Gerät ist nun einmal breit, schwer und braucht dank des Curved-Designs auch einen solch soliden Standfuß, dafür steht der Monitor dann aber auch bombenfest. Vor dem Monitor ist somit nur gerade so noch Platz für meine 08/15-Microsoft-Tastatur und die Handballen, mit einem ausgewachsenen Gaming-Keyboard kommt man vielleicht schon in Platznöte. Der Monitor bietet aber auch die Möglichkeit der Anbringung per VESA-Wandhalterung – wer einen tieferen Schreibtisch oder eine entsprechende Vorrichtung hat, muss sich keine Sorgen machen.

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Ausstattung und Anschlüsse

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Der Monitor ist in der Höhe verstellbar und kann leicht geneigt werden, eine Pivot-Funktion gibt es nicht, würde aufgrund des Curved Panels aber auch keinen Sinn machen.
Auf der Rückseite finden sich ein HDMI-Port, ein Displayport sowie ein USB-3.0-Hub mit vier Anschlüssen auf der Rückseite. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen funktionierte die Bildausgabe über den HDMI-1.4-Anschluss bei mir nicht (vermutlich ein Konfigurationsproblem meines Rechners), die – sowieso vorzuziehende – Ausgabe per Displayport 1.2 hingegen ohne Probleme, ein HDMI- und ein Displayport-Kabel werden dankenswerterweise mitgeliefert, nebst einem relativ großen Netzteil. Die integrierten Boxen habe ich aufgrund eines externen Soundsystems am Rechner aber nicht verwendet.

Design

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Die Frage nach dem Design ist auch immer eine Geschmacksfrage. Acer richtet sich mit seiner Predator-Serie grundsätzlich an Gamer und stattet sie mit einem markant-kantigen, sehr aggressiven Design aus, das an der Front von einer Zierleiste mit markigem „Predator“-Schriftzug bestimmt wird, auf der Rückseite mit umgekehrt V-förmigem „Rückenapplikationen“. Das erscheint wertig, trifft meinen Geschmack aber in keiner Weise – ich würde mich freuen, wenn Hersteller von Gaming-Hardware begreifen würden, dass nicht jeder Spieler ein Rig braucht, das mit einem Alien-Raumschiff verwechselt werden kann. Die Verarbeitung ist aber vollkommen in Ordnung. Das schwarze Plastik mag ein Staubfänger sein und zwischen dem hartkantigen Metall an der Vorderseite und dem Plastik klafft ein fühlbarer Spalt, Staub zumindest ist aber ein Problem, das im Prinzip alle Monitore haben. Wer seinen Bildschirm liebt, der wischt eben auch mal drüber.

Abseits davon muss man aber auch konstatieren, dass der Monitor bereits aufgrund seiner Größe Aufsehen erregt. Praktisch jeder Besucher, der im Testzeitraum das Arbeitszimmer des Testers betrat, kommentierte die schieren Dimensionen des Gerätes mit einer Mischung aus Unglauben und Faszination. In Sachen Repräsentativität lohnt sich das Gerät auf jeden Fall – zumindest solange bis 34 Zoll nicht weiter verbreitet sind.

Einstellungen

Nach der Inbetriebnahme muss man erst einmal durch das On-Screen-Display navigieren, um etwaige Display-„Verbesserungen“ zu deaktivieren. Außerdem ist es nur so möglich, dem Display eine Bildwiederholrate höher als die voreingestellten 60 Hz zu entlocken. Und hier liegt in meinen Augen ein Hase im Pfeffer: Ich warte immer noch darauf, dass es ein Monitorhersteller schafft, ein OSD zu entwerfen, das eine nachvollziehbare Menüstruktur und Navigation besitzt. Der Acer Predator X34 agiert hier auf Branchenniveau, das ist aber nicht als Auszeichnung zu werten. Insbesondere die Tatsache, dass man hier mit unter dem Display angebrachten Tasten durch Menüs navigiert, die auf dem Bildschirm aber durchaus horizontal und vertikal repräsentiert sind, führt immer wieder zu falschen Tastendrücken und macht die initiale Einrichtung zum Ärgernis. Hat man das einmal überstanden, kann man den Monitor aber zur Gänze genießen. Ab hier wird es nämlich großartig.

Bildqualität

Ich war zunächst skeptisch, ob ich die Leiste aus weiß leuchtenden LEDs am unteren Bildrand wirklich sinnvoll finden sollte. Letztlich bieten sie aber durchaus Entspannung für die Augen, wenn der Raum ansonsten nicht beleuchtet ist, der Stichpunkt lautet hier indirektes Licht. Aber auch direkt weiß uns das Panel zu gefallen. Das mattierte IPS-Display ist schlicht hervorragend. Zwar ist das Panel, technologisch bedingt, vom IPS-Glow-Phänomen betroffen, das nimmt man aber ehrlicherweise nur dann wahr, wenn das Bild Schwarz ist und stört auch dann wenig. Ansonsten können wir ein helles Bild bestaunen, das eine hervorragende seitliche Blickwinkelstabilität aufweist und dank der für einen PC-Monitor guten Pixeldichte von 110 ppi auch schön scharf ist. Sicher nicht auf dem Niveau eines 5K-iMacs, aber immer noch angemessen und angesichts der Ausrichtung auf Gaming ökonomisch. Schließlich stellen höhere Auflösungen auch höhere Ansprüche an die Grafikkarte,

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Die Displaybiegung von 3000R ist im Vergleich zu anderen Curved-Monitoren eher gering, aber aus meiner Sicht sehr angenehm, da ich gelegentlich auch weiter vom Monitor entfernt sitze, darüber Filme und Serien schaue und mich die zu starken Blickwinkel-Verzerrungen bei einer höheren Krümmung eher stören würden. Beim X34 adaptiert das menschliche Auge die Krümmung aber auch bei einer Sitzentfernung von 3 Metern. Die Immersion bei geringerer Entfernung ist damit nicht ganz so hoch wie bei stärker gekrümmten Modellen, aber trotzdem noch gut genug, um als vorteilhaft wahrgenommen zu werden.

Kinoformat im Office-Betrieb

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Das Display ist schön, keine Frage, aber ist es auch alltagstauglich? Zum größten Teil. Wie gut man mit dem Acer Predator X34 im Office-Betrieb klarkommt, hängt von drei Faktoren ab: dem Einsatzgebiet, einer vorangegangenen Affinität zu Multi-Monitor-Systemen und dem Beherrschen von Shortcuts im Multi-Monitor-Betrieb.

Ich persönlich bin mit Multi-Monitor-Setups nie so richtig warm geworden. Ich mochte den „schwarzen Balken“ zentral in meinem Blickfeld genauso wenig wie die langen Laufwege für die Maus und musste immer suchen, auf welchem Bildschirm sich das Fenster befand, nach dem ich gerade suche. Der schwarze Balken ist bei einem einzelnen 21:9-Bildschirm natürlich nicht mehr gegeben, die langen Laufwege der Maus sind wiederum trotzdem da. Nachdem ich einige Wochen Zeit hatte, mich an den Monitor zu gewöhnen, ist zumindest ein wenig Entwarnung angesagt: Der Vorteil des größeren Monitors, genauer gesagt: dessen größerer Desktop-Fläche, ist offensichtlich und im hohen Maße alltagsrelevant. Im Prinzip kann man zwei Fenster nebeneinander anordnen, die beinahe ein klassisches 4:3-Format aufweisen. Im Testzeitraum konnte beispielsweise die Tochter des Testers eine Folge der TV-Serie „Benjamin Blümchen“ auf der linken Seite genießen, während der Tester selbst auf der rechten Seite in einem Browserfenster einen Text redigierte – auch das ist Multitasking. Abseits solcher Anekdoten konnte uns das Display auch sonst bei Alltagsaufgaben begeistern. Zumindest zum großen Teil, denn – das sei einschränkend genannt – Windows 10 ist noch nicht vollständig bereit für die Benutzung auf Ultrawide-Displays.

Zunächst ist derjenige im Vorteil, der das Fenstermanagement von Windows mit Tastatur-Shortcuts beherrscht, aber auch das funktioniert nicht perfekt. Zwar lassen sich Anwendungen mit der Windows-Taste in Kombination mit den Pfeiltasten an den rechten oder linken Rand verschieben und maximieren oder minimieren. Was fehlt, ist allerdings eine Tastatur-Kombo fürs Zentrieren des aktiven Fensters in der horizontalen Bildschirmmitte beziehungsweise das Zentrieren nur auf der Vertikalen. Letzteres geht immerhin per Doppelklick auf den oberen Fensterrand, eine Tastenkombination wäre in beiden Fällen trotzdem praktisch, denn ein schnöde auf die volle Bildschirmgröße maximiertes Fenster ist auf diesem Ungetüm von einem Monitor geradezu kontraproduktiv. Man kann den kompletten Bildschirminhalt nicht ohne Kopfbewegungen erfassen, das Lesen von Texten ist in einem nicht verkleinerten Fenster sehr mühsam. Als Beispiel sei hier ein Browserfenster genannt, das eine Webseite ohne Breitenbeschränkung zeigt. Auch dass sich beim Ändern der Größe eines Fensters im Split-Modus nicht automatisch die Größe der anderen anpasst, nervt (Ausnahmen sind die Metro-Apps und Google Chrome). Welche Ironie, dass ausgerechnet dem Betriebssystem, das Fenster schon im Namen trägt, wichtige Komfortfunktionen zum Windows-Management für Riesen-Monitore fehlen.

Anwendungen mit vielen untergeordneten Fenstern profitieren freilich in besonderem Maße von dem Mehr an Bildschirmplatz, praktisch jedes aktuelle Grafik- und Videoschnitt-Programm wären hier zu nennen. Aber auch wenn man bestimmte Anwendungen immer auf dem Bildschirm haben möchte und man die notwendigen Größenarretierungen der Fenster nur einmalig vornehmen muss – etwa bei Börsenkursen, den E-Mail-Client oder einem Videofenster als dauerhaft eingeblendete passive „Informationshubs“ – ist die erhöhte Breite absolut sinnvoll.

Auf der nächsten Seite: So gut funktioniert der Acer Predator X34 in Games und Multimedia-Anwendungen.

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