Amazon will Preisvergleiche blockieren

Stefan Bubeck
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Das Amazon zugesprochene US-Patent „9665881 B1“ hat es in sich: Es beschreibt eine Technologie, die in Einzelhandelsgeschäften das Ausführen eines Preisvergleichs auf dem Smartphone verhindert, indem es die aufgerufenen Seiten blockiert. Was hat Amazon da vor?

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Amazon Go

„Beratungsklau“ ist ein Problem im Einzelhandel: Die Kunden schauen sich um, fassen die Artikel (z.B. Laptops) an und kaufen nichts. Zumindest nicht an Ort und Stelle, denn per Smartphone wird im Laden eine Preisvergleichsseite aufgerufen und einfach online (günstiger) bestellt – moderne Technik macht’s möglich. Amazon will nun die Preisvergleicher mit ihren eigenen Waffen schlagen und die Kontrolle über deren Handys erlangen.

Amazon will den Zugriff auf Preisvergleichsseiten blockieren

So könnte es in der Praxis funktionieren: Du kommst in ein (fiktives) Amazon-Ladengeschäft und schaust dich um. Natürlich nutzt du das vom Laden angebotene kostenlose WLAN auf deinem Smartphone. Du siehst ein interessantes Produkt, etwa einen Fitness-Tracker. Dieser kommt dir aber etwas teuer vor, also rufst du auf deinem Handy eine Preisvergleichsseite auf. Dann die Überraschung: Die Seite kann leider nicht geöffnet werden, der Zugriff wird blockiert. Während du dich noch wunderst, eilt bereits ein Verkaufsmitarbeiter herbei und fängt ungefragt ein Beratungsgespräch zum Fitnesstracker an, um deine Skepsis in ein handfestes Kaufinteresse umzuwandeln.

Das Amazon-Patent „9665881 B1“ skizziert technische Mechanismen, die genau das möglich machen: Das Ladengeschäft überwacht die Smartphone-Zugriffe und verhindert Vergleiche „nach außen“, es werden sogar akute Gegenmaßnahmen (Entsendung eines Service-Mitarbeiters) ergriffen. Auch ein Umleiten der Preisvergleichs-Anfrage auf vorher definierte alternative Zielseiten ist denkbar.

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Amazon Läden ohne Preisvergleich: Bald auch in Deutschland?

Noch gibt es hierzulande kein Amazon-Ladengeschäft, es geht also beim Preisvergleichs-Patent offenbar um eine Weichenstellung für die Zukunft. Eine sichere Umsetzung von „Amazon-Läden“ würden wir hiervon aktuell nicht ableiten, schon gar nicht eine zeitliche Prognose dazu. Dass sich der Handelsriese allerdings Schritt für Schritt auch abseits des reinen Online-Handels strategisch aufstellt, das ist schon jetzt sicher. So hat Amazon in seiner Heimatstadt Seattle bereits einen Test-Supermarkt ohne Kassen eröffnet und experimentiert mit eigenen Buchläden.

Zudem hat der Konzern aktuell vor, die weltgrößte Bio-Supermarkt-Kette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar zu kaufen. Branchenexperten werten dieses Vorhaben als Wendepunkt im Einzelhandel, den Amazons Chef Jeff Bezos offenbar neu gestalten wolle. Sollte das Herantasten an das Konzept „stationäres Ladengeschäft“ erfolgreich sein, dann kann man mit einer weltweiten Umsetzung rechnen. Der deutsche Einzelhandel sollte sich schon mal eine Antwort auf dieses Szenario überlegen, falls es schlagartig eintritt – Amazon ist nicht gerade als zögerlich agierendes Unternehmen bekannt, sondern eher für das Gegenteil.

Quellen: Patent US 9665881 B1, Handelsblatt

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