Amazons Android-Tablet kommt: iPad-Killer oder Googles Albtraum?

Flavio Trillo
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Informierte Quellen wollen den Verkaufsstart des vielfach angedeuteten Android-Tablets von Amazon für den Herbst dieses Jahres vorhersehen. Ein Tablet mit eigenem App Store, eigenem E-Book-Shop und Online-Musikverkauf – das klingt verdächtig nach direkter iPad-Konkurrenz. Manche sehen jedoch Mountain View und nicht Cupertino im Visier des Shopping-Riesen. 

Jeder Tablet-Rechner, der sich auf den Markt traut, wird spätestens seit seiner Präsentation im April 2010 mit dem iPad* verglichen. Eine hohe Messlatte, die bislang niemand so richtig zu erreichen scheint. Vor allem die guten Verbindungen zu den Zulieferern erlauben es Apple, die Preise für ein recht gut ausgestattetes Gerät niedrig zu halten.

Amazon will nun dem Wall Street Journal zufolge gleichziehen und hat angeblich bereits bis zu 2 Millionen Touchscreens geordert. Das gelingt, wenn man MG Siegler von TechCrunch glauben darf, jedoch nur, wenn es nicht mehr als 299 US-Dollar kostet. Den Preis könnte Amazon durch die Auslagerung der kompletten Herstellung seines Tablets inklusive Design erreichen. Vorerst zumindest, wie die Quellen melden. Im Laufe des nächsten Jahres sei eine eigene Version geplant. Ein Platzhalter also, der den Kunden das Gerät möglicherweise schmackhaft machen soll. Außerdem werde es nicht über zwei oder eine, sondern über gar keine Kamera verfügen.

Doch der Preis ließe sich noch weiter drücken, wenn man bedenkt, womit Amazon sein täglich Brot verdient: Inhalte. “Content”, wie man in Seattle sagt, mit dessen Hilfe sich teure Hardware querfinanzieren lässt. Aktuell nutzt das Unternehmen hierzu nur den E-Book-Reader Kindle. Eine starke Integration des Amazon-Kontos der Anwender ins Mark des Geräts könnte dabei helfen: Direkte Anbindungen an Amazons Stores für Musik, Bücher und Apps.

Insofern, meint Siegler, seien “Apple und Amazon in vielerlei Hinsicht Gegensätze. Apple versucht mit digitalen Inhalten Geräte zu verkaufen”. Amazon gehe genau den entgegengesetzten Weg und nutze Geräte wie Kindle und demnächst auch Tablets um Inhalte an Mann und Frau zu bringen.

Doch wie sieht es mit der Konkurrenz zum iPad aus, das machen Beobachtern zufolge bis zum Erscheinen des Amazon Tablets sogar bereits in dritter Auflage erschienen sein könnte? Retina-Display, schnellere Grafik und höher auflösende Kameras – dem gegenüber ein kameraloses, vergleichsweise “grobpixeliges” Android-Tablet. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass dieses Gerät dem Apple-Star gefährlicher werden sollte als jedes andere Android-Tablet. Gefährlicher nämlich, als gar nicht.

Statt dessen sieht Siegler Google als möglichen Leidtragenden des Amazon-Tablets. Millionen von Kunden weltweit hätten sofort Zugang zu allen Vertriebskanälen, die für das Gerät relevant sind. Apps, Musik und E-Books aus einer Hand, über die Google keinerlei Kontrolle hat. Damit würde es zum besten Android-Tablet der Welt, ohne für das iPad je ernsthafte Konkurrenz zu sein.

Höchstens Googles eigenes “Nexus-Tablet“, das gerüchteweise mit der Fertigstellung der Android Version namens “Ice Cream Sandwich” erscheinen soll, könnte dem Einhalt gebieten. “Die Benutzerfreundlichkeit, die Amazon bieten kann, wird aber vermutlich alles ausstechen, was Google auf den Markt werfen kann”.

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