Der Unterschied zwischen Apple und Amazon

Flavio Trillo
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Beide fangen mit dem Buchstaben A an. Beide stammen aus den USA. Beide verkaufen Inhalte und Geräte. Darauf beschränken sich die Gemeinsamkeiten der beiden Konzerne Apple und Amazon, denn die Geschäftsmodelle könnten unterschiedlicher nicht sein. Warum das so ist, werde sich im nächsten Quartal zeigen.

Quartalszahlen: Enttäuschte Analysten

Als Apple am 18. Oktober seine Quartalsergebnisse präsentierte, blieben die Zahlen zum Teil hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Manche reagierten hierauf mit Enttäuschung, andere wollten erkannt haben, dass den Beobachtern möglicherweise ein Fehler unterlaufen sei.

Jedenfalls geht es für Apple trotz möglicherweise geringfügig höheren Prognosen nach wie vor bergauf. Die Vorhersage für das kommende Quartal lautet wie immer: Rekordverdächtige iPhone- und iPad-Verkäufe.

Auch Amazon rief die Analysten kürzlich zusammen, um seine Zahlen für das vergangene Quartal zu verkünden. Am 25. Oktober gab das Unternehmen zu, für das kommende Quartal werde man mit Verlusten zu rechnen haben. Trotz ebenfalls rekordverdächtiger Verkaufszahlen, in diesem Fall für den Kindle. Auch das vergangene Jahresviertel wurde mit geringeren Margen abgeschlossen, als man sich an der Wall Street erhofft hatte.

Amazons Kindle: Vorerst nicht profitabel

Dies sei vor allem durch Investitionen bedingt. Amazon gibt viel Geld für Expansion aus und dieses Geld fließt in zwei verschiedene Richtungen. Einerseits baut man neue Vertriebszentren für die vielen Produkte, die der Konzern vertreibt. Andererseits scheint der neue Kindle Fire eine Menge Geld zu verschlingen – noch.

Denn auf Nachfrage gaben die anwesenden Amazon-Manager wiederholt an, dass man sich auf den “langfristigen Wert” dieser Geräte konzentriere. Dazu gehört der potentielle Umsatz, den die Anwender durch Einkäufe in Amazons Online-Store generieren werden. Aber auch die Werbeeinnahmen durch den Verkauf “gesponserter” und dadurch preisreduzierter Modelle werde hier berücksichtigt.

Der große Unterschied: Inhalte für Geräte oder Geräte für Inhalte?

An den Ergebnissen des kommenden Quartals könne man nun den wichtigsten Unterschied des Amazon-Geschäftsmodells zu dem aus Cupertino ausmachen, vermutet MG Siegler in seinem Blog. Beide Unternehmen haben große Mengen verkaufter Produkte angekündigt, doch nur Apple wird in der Lage sein, diese auch in erheblich steigende Gewinne umzusetzen. Amazon verliere nach wie vor Geld mit dem Kindle und müsse darauf setzen, das Gerät als Katalysator für noch mehr Einnahmen aus seinem Online-Geschäft nutzen zu können.

Dagegen verfahre Apple genau anders herum, meint Peter Kafka von AllThingsDigital. “Tim Cook verkauft Medien damit er iPads und iPhones verkaufen kann und Bezos verkauft Kindles damit er Bücher, Videos und Musik verkaufen kann”. Amazon muss den geringen Verkaufspreis seines Kindle mit steigenden Verkäufen seiner Inhalte finanzieren, während Apple sich auf vergleichsweise hohen Margen und stabilen Verkaufszahlen sowohl für Inhalte, als auch für die dazugehörige Hardware ausruhen kann.

Was kostet ein Kindle?

Diese Umstände sorgen für tatsächlich steigende Gewinne in Cupertino, während man sich in Seattle erst einmal warm anziehen muss, bis die teuren Kindles wieder Geld in die Kassen spülen. Der Online-Riese prognostizierte für das 4. Quartal 2011 eine Entwicklung von entweder 250 Millionen US-Dollar mehr oder 200 Millionen US-Dollar weniger Einnahmen.

Ob sich diese Strategie im Kampf gegen Apple auf gleich zwei Fronten, nämlich bei den Inhalten und den Geräten, bezahlt macht, werden wir innerhalb der kommenden Monate erfahren. Spätestens dann, wenn Amazon das nächste Mal die Analysten zusammentrommelt, um seine Quartalsergebnisse auszurufen, auch wenn mit einer Angabe der Anzahl tatsächlich verkaufter Kindles dort nicht gerechnet werden dürfe. Diese pflegt das Unternehmen nämlich nicht zu nennen.

“Das ist so, als wenn jemand damit angibt, der Beste in irgendetwas zu sein und auf die Frage, warum das so sei, nur mit “Darum” antwortet”, meint Siegler. Amazon will offenbar verhindern, dass man Rückschlüsse auf die Profitabilität des Kindle ziehen kann – vermutlich aus gutem Grund.

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