E-Books-Streit: Anwälte sehen in iBookstore-Verkaufsmodell eine Präventivmaßnahme gegen Amazon-Tablet

Florian Matthey
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Nachdem Anfang des Jahres bereits britische Behörden mutmaßlich wettbewerbswidrige Preisabsprachen zwischen E-Book-Stores und Verlegern überprüften, müssen sich Amazon, Apple und andere Anbieter digitaler Bücher in den USA schon vor Gericht verantworten. Über Apples Interesse an den Preisabsprachen lässt sich viel spekulieren – ein Anwalt glaubt, dass sich der iPad-Hersteller schon letztes Jahr präventiv gegen ein Amazon-Tablet wehren wollte.

Stein des Anstoßes: Das Agenturmodell

Der Vorwurf der Kläger, die sich in den USA für eine Sammelklage zusammengeschlossen haben, lautet: Die E-Book-Store-Betreiber und die Verlage ermöglichen durch den Einsatz des so genannten “Agenturmodells” wettbewerbswidrige Absprachen, die die Preise für E-Books künstlich in die Höhe treiben. “Agenturmodell” bedeutet, dass die Verlage selbst ihre Preise festlegen und die E-Book-Stores als Händler lediglich einen bestimmten Prozentsatz dieses Preises verlangen, beziehungsweise zusätzlich zum festgelegten Preis einen Aufschlag verlangen. So verfährt unter anderem auch Apple mit dem iBookstore – wie auch mit anderen Inhalten im iTunes Store oder App Store: 30 Prozent des Umsatzes steht dem Mac-, iPhone- und iPad-Hersteller zu.

Bevor Apple im Rahmen des iPad-Starts mit dem iBookstore selbst zum E-Book-Anbieter wurde, legte Amazon die Preise für E-Books noch selbst fest. Darüber ärgerten sich die Verleger – worauf Apples im Oktober diesen Jahres verstorbener CEO Steve Jobs seinerzeit, so der nun erschienene Artikel bei Paid Content, auch einen Journalisten hinwies: Es sei, so Jobs, denkbar, dass Verleger Amazon ihre Bücher in Zukunft vorenthalten könnte, weil sie “unglücklich” seien. Möglicherweise war Apple also der Auslöser für Amazons Entscheidung, ebenfalls auf das Agenturmodell umzusteigen.

Spekulationen um Apples Motivation

Der Journalist Ken Auletta schrieb in einem Artikel für die Zeitschrift New Yorker, auf den Paid Content ebenfalls Bezug nimmt, dass Apple durch das Entgegenkommen gegenüber den Verlegern selbst Fuß in dem bisher von Amazon dominierten Markt der E-Book-Verkäufe fassen wollte. Die Anwälte der Kläger des nun in die heiße Phase gehenden Rechtsstreits sehen aber noch eine weitere Motivation, die letztendlich viel entscheidender gewesen sein könnte.

Die Juristen glauben, dass es Apple durch ein “Abwerben” der Verleger mit Hilfe des Agenturmodells dem Konkurrenten Amazon erschweren wollte, selbst auf den Markt eines Mobil-Geräte-Herstellers einzusteigen. Nach dieser Lesart habe Apple also die Möglichkeit eines Amazon-Tablets vorhergesehen, wobei Amazon Apple dadurch gefährlich werden könnte, das Gerät durch die mit dessen Hilfe erzielten E-Book-Verkaufsgewinne zu subventionieren. Eben das passiert in diesem Weihnachtsgeschäft tatsächlich mit Amazons 199-Dollar-Tablet Kindle Fire.

Apple macht seine Gewinne in erster Linie durch den Verkauf von Hardware, wobei die dafür erhältliche Software das jeweilige Gerät attraktiver machen soll. Amazon verfolgt die umgekehrte Strategie. Deshalb klingt die These der Anwälte durchaus nachvollziehbarer als die, dass Apple im großen Stil zum E-Book-Verkäufer werden wollte. Allerdings ist unklar, ob Apple tatsächlich zum iPad-Start so weit in die Zukunft blickte.

Im Rechtsstreit dürfte Apple derweil ein gutes Argument dafür haben, warum sich das Unternehmen für das Agenturmodell entschied – was mit den Interessen der Verlage nicht unmittelbar etwas zu tun hat: Auf genau dieses Modell setzt das Unternehmen eben auch bei allen anderen digitalen Inhalten, die es verkauft.

Weitere Themen: Tablet, Amazon Fire HD 8, Amazon Fire HD 10, Amazon Fire Kids Edition, Amazon Fire 7, Kindle Paperwhite, Amazon Fire TV Stick, Kindle, Amazon Kindle Fire HD6 und HD7, Amazon

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