Spyware-Verdacht: Amazon nimmt Smartphones aus dem Sortiment

Rafael Thiel
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Die Zeiten, in denen Datensicherheit als abstrakter Fachterminus verpönt wurde, der im alltäglichen Kontext kaum greifbar ist, sind vorbei. Infolge diverser Sicherheitslücken, Hacks und sogar staatlicher Cyberattacken genießt das Thema mediale Aufmerksamkeit – gegen die nicht mal Großkonzerne gefeilt sind. Nachdem IT-Sicherheitsexperten einige Smartphones öffentlich brandmarkten, musste Amazon jene Modelle umgehend aus dem Sortiment nehmen.

Spyware-Verdacht: Amazon nimmt Smartphones aus dem Sortiment

Im Rahmen der Hackerkonferenz Black Hat 2017 stellte das Sicherheitsunternehmen Kryptowire einen Bericht vor, nach dem einige Billig-Smartphones sensible Nutzerdaten an Server in China schicken. Dazu zählt auch das R1 HD des US-amerikanischen Herstellers Blu, das Amazon an Prime-Kunden in den USA mit exklusiven Rabatten verkauft. Nur 50 US-Dollar kostet das Einsteigergerät für Amazon-Stammkunden. Das reichte für den ersten Platz in den dortigen Bestsellerlisten für vertragsfreie Mobilgeräte. Nach der Bloßstellung durch Kryptowire hat Amazon das R1 HD und alle anderen Modelle des Herstellers aus dem Sortiment genommen.

Chinesischer Software-Partner sammelt fleißig Daten

Der Vorwurf lautet konkret nämlich, dass Blu – und andere Firmen – die Firmware von einem Drittanbieter beziehen. Die Software wiederum sendet nachweislich sensible Daten, wie Textnachrichten und Anruflisten an chinesische Server. Zwar soll die Sammelwut nachgelassen haben, jedoch kann sich das natürlich jederzeit wieder ändern.

Bei besagtem Drittanbieter handelt es sich um Adups, einem chinesischen Unternehmen, das schon 2016 mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machte. So berichteten unter anderem die Kollegen von Heise mahnend über die Software von Adups, die schon damals auf Geräten von Blu aber auch ZTE vorinstalliert war. Damals war noch von einem Fehler die Rede und Blu kündigte an, das Datenleck per Update zu entfernen – nun denn, hat ja gut funktioniert.

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Laut Hersteller nur ältere Modelle betroffen

Per Pressemitteilung wehrt sich Blu und gibt an, dass lediglich ältere Modelle noch mit Adups-Software laufen. Seit November, als die ersten Berichte über die fragwürdigen Praktiken der chinesischen Firma die Runde machten, setze der Hersteller bei lancierten und aktualisierten Geräten ausschließlich auf Google-Software. Zudem betont Blu, den chinesischen Partner erneut darum gebeten zu haben, die Datenweiterleitung abzuschalten.

Das mag zwar zutreffen, einen Amazon-Bestseller mit einer veralteten und potentiell unsicheren Software zu vertreiben, ist aber dennoch fahrlässig. In Deutschland sind Blu-Smartphones mit Android übrigens nicht erhältlich.

Quelle: Kryptowire (Präsentation), Blu (Pressemitteilung) via t3n

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