Vergleich Apple und Amazon: Mission impossible?

Flavio Trillo
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Sobald sich auch nur der Dunst eines Vergleichs zwischen Apple und Amazon am Horizont abzeichnet, klingt das alte Äpfel-Birnen-Lied an. Man könne die beiden Konzerne nicht nebeneinander halten, da sie in unterschiedlichen Märkten tätig sind, heißt es. Doch was, wenn die Birne immer gedrungener wird und beginnt, verdächtig nach Apfel zu schmecken?

Vergleich Apple und Amazon: Mission impossible?

Die jüngst von Amazon präsentierten Zahlen zum vierten Quartal 2011, das Apples erstem Quartal seines Finanzjahres 2012 entspricht, sind bemerkenswert. Während Cupertino jedoch durch schieren Reichtum und enorme Einnahmen beeindruckt, schockt Seattle durch Mikro-Margen. Von 17,43 Milliarden US-Dollar Einnahmen, die höchsten in der Geschichte des Unternehmens, blieben dem Online-Riesen nur 177 Millionen Profit.

(Die Quartalsangaben beziehen sich auf das jeweilige Kalenderjahr, nicht auf Apples Finanzjahr)

Nun mag dieses scheinbar krasse Missverhältnis in den verschiedenen Geschäftsfeldern begründet sein. Apple verkauft Hardware, Amazon verkauft vor allem Inhalte und ist ansonsten „nur“ Zwischenhändler für andere Hersteller. Doch „verschwimmen die Trennlinien zwischen den beiden Konzernen immer stärker“, bemerkt MG Siegler von TechCrunch zurecht.

Amazon verkauft inzwischen drei verschiedene Kindle-Modelle (in Deutschland zwei) zuzüglich des neuen Tablets namens Kindle Fire (hier noch nicht erhältlich). Apples Geschäft mit Inhalten wie Apps, Büchern, Musik und Filmen boomt scheinbar unaufhaltsam.

Es ist also inzwischen und mit Blick auf die Entwicklung der jeweiligen Geschäftszweige nicht mehr völlig abwegig, von den Konzernen in einem Atemzug zu sprechen.

Wie bereits an anderer Stelle angemerkt wurde, verfolgen die beiden Konkurrenten, denn das sind sie inzwischen zweifellos, nahezu gegensätzliche Geschäftsmodelle. Amazon verkauft Hardware, um mehr Inhalte los zu werden. Apple hält einen Haufen Inhalte bereit, damit die Konsumenten möglichst viele Geräte kaufen. Für Amazon bedeute das sogar, dass der Hersteller bei jedem Verkauf seiner eBook-Reader ein wenig Verlust macht.

Das geht soweit, dass die eigene Prognose für das laufende Jahresviertel sinngemäß lautet: „Wir verlieren (sic!) eventuell 200 Millionen US-Dollar“.

Wer sein Geld derzeit in IT anzulegen sucht, wird auf die Frage, welche Strategie besser funktioniert, nur eine einzige milliardenschwere Antwort finden können. Auf lange Sicht, so Amazons Hoffnungen und Gebete, werde man mit dieser Taktik der knappen Margen die Oberhand gewinnen. Daran darf man allerdings im Falle einer direkten Konfrontation mit dem Hauptgegner Apple durchaus berechtigte Zweifel anmelden.

Vor vielen Jahren traf Steve Jobs als zurückgekehrter Apple-CEO die Entscheidung, sich von allen Produkten zu trennen, die keinen Profit abwarfen. So wurde das Sortiment ebenso zusammengestrichen, wie die Belegschaft. Daraufhin baute er ein Unternehmen auf, das innerhalb weniger Monate vom „Beinahe-Konkurs“ zu immerhin 45 Millionen US-Dollar Gewinn kam.

Es scheint, als benötigt Amazon dringend eins von zwei Dingen: Entweder, die beschworenen Langzeit-Vorteile werden möglichst zügig fruchtbar gemacht oder es kommt ein Messias, der den Laden mal gehörig aufräumt. Für die vielen tausend Angestellten kann man nur hoffen, dass der zweite Fall nicht eintritt. Für die Aktionäre kann man nur hoffen, dass irgend etwas passiert.

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