Angriff auf Intel: So will Apple zum Chip-Giganten werden

Holger Eilhard

Seit einigen Jahren setzt Apple auf Eigenproduktionen, beispielsweise bei den Prozessoren im iPhone oder iPad. Dies ist jedoch erst der Anfang und könnte alteingesessene Unternehmen wie Intel in die Bredouille bringen.

Angriff auf Intel: So will Apple zum Chip-Giganten werden

Apples Prozessoren: Das iPhone war nur der erste Schritt

Der Vorteil von Apples hauseigenen Entwicklungen liegt auf der Hand: Kommen Hard- und Software aus demselben Unternehmen, können diese unter anderem deutlich effizienter und gleichzeitig performanter miteinander zusammenarbeiten. Dies bedeutet für den iPhone-Besitzer, dass zum Beispiel der Akku länger hält oder das Gerät schneller ist als die vergleichbaren Smartphones der Konkurrenz.

Seit einigen Jahren ist es daher Apples Ziel, immer mehr Chips in Eigenregie zu entwickeln. Ein erster großer Schritt war Apples A4-Chip, der vor einigen Jahren zuerst im iPhone 4 zu finden war und damit einen Samsung-Chip ablöste. Seitdem kommen die Chip-Designs jedoch nicht mehr nur im iPhone oder iPad, sondern in verschiedensten Formen auch in der Apple Watch, den AirPods und dem MacBook Pro zum Einsatz.

Im Rahmen des iPhone-Events vor einigen Wochen kündigte das Unternehmen darüber hinaus eine Lösung für Künstliche Intelligenz an, die im iPhone X zu finden sein wird und dort mitunter die Gesichtserkennung unterstützt. Ein weiterer Hinweis auf Apples Anstrengungen ist die Investition in die Speicherchipabteilung des japanischen Herstellers Toshiba. Hier sollen 17,7 Milliarden US-Dollar in Kooperation mit Bain Capital geflossen sein.

Nikkei hat eine Übersicht erstellt, in der zu sehen ist, welche Bauteile im iPhone 7 bereits von Apple gefertigt werden und welche Lieferanten in Zukunft möglicherweise über ihre Verträge bangen müssen:

Weltweit rangierte der iPhone-Hersteller aus Kalifornien, gemessen an den Einkünften, bereits im Jahr 2016 auf dem weltweit vierten Platz der Chip-Designer; dicht gefolgt von Nvidia. Auf den ersten drei Plätzen sind Qualcomm, Broadcom und MediaTek zu finden.

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Auf der Suche nach weiteren Übernahmen

Laut Nikkei ist Apple weiterhin auf der Suche nach Unternehmen, um die eigenen Fähigkeiten im Halbleiterbereich zu erweitern. Seit Jahren gibt es etwa Gerüchte, dass Apple möglicherweise MacBooks mit eigenen Prozessoren ausstatten will, um unabhängiger von Intel zu sein. Jüngere Gerüchte besagen, dass Apple die eigenen Notebooks jedoch zunächst nur um eigene Chips erweitern will, etwa um Aufgaben zu erledigen, die im Hintergrund erfolgen. Eine erste Vorschau darauf ist bereits im MacBook Pro mit Touch Bar zu finden. Die kleine OLED-Leiste und der Touch-ID-Sensor werden durch Apples eigenen T1-Prozessor gesteuert. Dieser erinnert seinerseits stark an die Apple Watch.

Im iPhone X arbeiten mehr von Apple designte Chips als je zuvor:

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iPhone X im Hands-On

Ein weiterer Bereich, in dem Apple laut den Analysten tätig werden könnte, ist das Design eigener Mobilfunkchips. So hatte das Unternehmen bereits vor einigen Monaten einen hochrangigen Qualcomm-Ingenieur für sich gewinnen können. Bis zur Präsentation eigener Lösungen in diesem Bereich könne es aber noch Jahre dauern. Auf Apples Website warten aktuell rund 200 offene Jobs im Bereich des Chip-Designs auf neue Mitarbeiter.

Apple vs. Qualcomm: Nur einer der vielen Rechtsstreitigkeiten

Apples Fortschritte haben jedoch ihren Preis. So befindet sich der iPhone-Hersteller seit Januar im Rechtsstreit mit Qualcomm, dem Lieferanten der LTE-Modems in iPhone und iPad. Apple hatte seine Partner unter anderem dazu angewiesen keine Tantiemen an Qualcomm zu zahlen. Gleichzeitig wendete man sich an Intel, um Teile der Produktion der notwendigen Chips zu übernehmen.

Während einige Lieferanten unter dem Druck leiden werden, sind Firmen wie TSMC, welche die eigentliche Herstellung der Chips übernehmen, im deutlichen Aufwind. Apple ist der größte Kunde des Herstellers aus Taiwan. Der Anteil der Einnahmen dank Apple könnte in diesem Jahr bei mehr als 20 Prozent liegen.

Hierin könnte möglicherweise auch die Zukunft von Intels Partnerschaft mit dem Unternehmen aus Cupertino liegen, etwa wenn der Chipgigant die Türen seiner Fabriken für die Fertigung von Apples Prozessoren öffnet.

Quelle: Nikkei

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