Apple: Abschied von Skeuomorphismus auch wegen Retina Displays?

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Seit dem Weggang von Scott Forstall bei Apple ist Jonathan Ive auch für den Bereich Software-Design zuständig. Das könnte bedeuten, dass Apple sich von der Design-Richtung Skeuomorphismus verabschieden könnte. Ein Blogger glaubt, dass ein solcher Schritt aufgrund von Retina Displays ohnehin zwangsläufig bevorstand.

Apple: Abschied von Skeuomorphismus auch wegen Retina Displays?

Skeuomorphismus ist die Bezeichnung für eine Design-Richtung, die moderne Produkte so aussehen lässt wie ältere Ausführungen – obwohl die neuen Produkte aus einem anderen Material bestehen oder über andere Funktionen verfügen. In Sachen Software bedeutet das beispielsweise, dass ein Terminkalender – wie Apples Kalender-App – so aussieht wie ein Kalender aus Papier und Leder, obwohl dadurch keine Vorteile in Sachen Bedienbarkeit entstehen.

Apple-intern soll diese Design-Richtung umstritten gewesen sein: Während der frühere Apple Senior Vice President Scott Forstall ebenso wie der verstorbene Apple-CEO Steve Jobs ein großer Skeuomorphismus-Befürworter gewesen sein soll, soll Apples Chef-Designer Jonathan Ive davon wenig halten. Ive setzt beim Design der Apple-Hardware auf Simplizität und Design “aus einem Guss”, was in der Vergangenheit einen Kontrast zum Software-Design darstellte. Seit Forstalls Rauswurf ist Ive jedoch auch für den Bereich Software-Design zuständig.

Der Blogger John Gruber glaubt, dass Apple sich aber auch unabhängig von den Management-Veränderungen von dieser Design-Richtung verabschiedet hätte. Skeuomorphismus sei ein Phänomen der Displays mit niedriger Pixeldichte gewesen; im Retina-Display-Zeitalter ergebe ein solches Design keinen so großen Sinn mehr.

Auf den ersten iPhones hätten Elemente, die an physische Produkte erinnern, noch gut ausgesehen; sie hätten darüber hinweggetäuscht, dass die Auflösung vergleichsweise niedrig ist. Seit dem Wechsel zu Retina Displays wären elegante, einfache Designs wie das des Spiels jedoch deutlich angenehmer.

Eine Parallele bestehe zu der Geschichte der Zeichensätze: Früher seien solche beliebt gewesen, die vor allem für “pixelige” Displays designt worden seien – beispielsweise Lucida Grande oder Verdana. Seit Betriebssysteme wie Mac OS X jedoch über Anti-Aliasing für Vektorgrafiken und vektor-basierte Zeichensätze verfügen, sei dies jedoch nicht mehr nötig – die Glättung der Kanten habe dazu geführt, dass auch diese nicht mehr “pixelig” aussehen. Dementsprechende seien jetzt digital solche Zeichensätze beliebt, die auch gedruckt gut aussehen, also nicht speziell für Computer-Displays geschaffen wurden. Mit den Retina Displays werde sich diese Entwicklung jetzt auch in Sachen Benutzeroberflächen-Design wiederholen, so Gruber.

Tatsächlich ist Skeuomorphismus auf dem Apple-Gerät, das zuerst ein Retina-Display bekam – das iPhone – nicht mehr so präsent wie noch auf anderen Geräten, für die das Retina-Display erst später folgte, also wie auf dem Mac oder dem iPad. Es lässt sich aber darüber streiten, ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht.

Apple

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Weitere Themen: Scott Forstall, Jonathan Ive, iPhone 3GS, iPad Air, Fingerabdruckscanner, iPad maxi, iPod Touch 4, Apple TV 2, iPhone 3G(S), Apple


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