Apple AirBook: Das iPad für Piloten - United Continental Airlines bestellt 11000 elektronische "Flight Bags"

Ralf Bindel
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Es war nur eine Frage der Zeit: Das iPad zieht jetzt auch im großen Maßstab in die Fliegerei ein. Die Holding der United und Continental Airlines will mit neuen iPad die Dokumententaschen der Piloten ersetzen. Um damit Gewicht und Treibstoff zu sparen.

Dass das iPad ein guter Kandidat für die umfangreiche digitale Dokumentensammlung ist, ohne ins Gewicht zu fallen, wurde nach seinem ersten Erscheinen im Januar 2010 schnell klar. In der Folge untersuchten immer mehr Bereiche auch der Verkehrswirtschaft, wie sie das iPad einsetzen könnten.

iPad in the Air

Gerade in Fluggesellschaften weckte das nur knapp 600 Gramm wiegende Multitalent Interesse. Doch einfach mal so Piloten und Crew iPads mitzugeben, geht natürlich gar nicht. Die Zulassungsbehörde der USA, die Federal Aviation Administration (FAA), verlangt zum Beispiel in Sachen iPad im Cockpit, dass die Airline die Geräte mindestens sechs Monate testen muss, inklusive Backup in Papierform, und erst dann die Flugzeugkanzel digitalisieren darf. Außerdem müssen sowohl Pilot als auch Co-Pilot mit dem Tablet ausgestattet sein, heißt es auch in einem Bericht der Denver Post. Den iPad-Air-Einsatz erlaubt die FAA seit diesem Frühjahr.

Doch bei den Tests kam offenbar nur Positives heraus. Das iPad ersetzt jetzt als so genanntes Electronic Flight Bag (EFB), den Dokumentenkoffer der Flugzeugbesatzungen. Bis zu 18 Kilogramm schwer kann der Pilotenkoffer sein, weil er Dokumente wie das Betriebshandbuch, Checklisten, Logbücher, Navigations- und Wetterkarten enthält. Den kantigen Koffer im Handgepäck können sich die Flugzeugführer demnächst sparen.

11000 sind ein Anfang

Grundsätzlich sind die iPad natürlich nicht die ersten EFB. Auch Notebooks und Tablet-PC sind und waren als solche zugelassen. Doch die iPads sind offenbar noch praktischer und vor allem leichter. Die United Continental Holdings will an die Piloten ihrer beiden Geselllschaften United Airlines und Continental Airlines insgesamt 11000 iPad ausgeben.


Etwa 12000 Blatt Papier sollen die Geräte ersetzen, heißt es in einer Pressemitteilung. Rund 16 Millionen Blatt Papier pro Jahr müssten insgesamt deswegen nicht bedruckt werden. Die Gewichtsreduzierung im Flugbetrieb spart 1,2 Millionen Liter Flugbenzin pro Jahr in der Flotte, das entspricht 3200 Tonnen Kohlendioxid-Emssionen. Bis Ende diesen Jahres sollen alle Piloten mit dem neuen Apple-EFB ausgestattet sein. Die Auslieferung hat bereits Anfang August begonnen.

Im papierlosen Cockpit der United Airlines sorgt demnächst eine App für die Dokumentation: Jeppesen Mobile FliteDeck* ist im iTunes App Store kostenlos erhältlich, zur Aktivierung ist aber ein kostenpflichtiges Abo des Jeppesen-Dienstes notwendig. Die App reduziert nicht nur Papieraufkommen und Gewicht, sondern kann ständig Informationen aktuell bereit stellen, die automatisch auf die iPads der Piloten “gestreamt” werden.

Mit durchschnittlich 5765 Flügen pro Tag und insgesamt 80000 Angestellten ist die United Holding die erste große Fluggesellschaft, die iPads als EFB einsetzt, aber sicher nicht die letzte. Auch Delta und Alaska Airlines bereiten laut c’t den Einsatz vor. Delta, mit jährlich 111 Millionen Passagieren die größte Fluggesellschaft der Welt, will nach den Apple iPads auch noch das Motorola Xoom Tablet testen.

Andere werden nachziehen

iPad sind als EFB der Klasse 1 zugelassen und dürfen sogar Verbindung mit anderen Flugsystemen aufnehmen. Das nutzt Privatflugzeug-Ausrüster Aspen Avionics mit seinem Connected Panel, wo sich das iPad drahtlos in die Bordelektronik einfügt. Das iPad sorgt dann für die Kursüberwachung oder stellt die entsprechenden Funkfrequenzen ein. Verfügbar ist das System für ein- und zweimotorige Maschinen und Hubschrauber.

Auch Hersteller setzen inzwischen auf das iPad: Der Schweizer Flugzeughersteller Pilatus Aircraft stattet jede seiner PC-12 Transportmaschinen mit einem iPad mit installierten Aviatik-Apps aus. Rund 80 Prozent der Maschinen gehen in die USA.

Ob und wann auch in Europa iPads die Pilotenkoffer ersetzen, ist nicht bekannt. Noch hat sich die Europäische Agentur für Flugsicherheit oder das deutsche Luftfahrt-Bundesamt nicht dazu geäußert. Dabei könnten damit die Treibhausgasemissionen reduziert werden. Allerdings ist der Flugverkehr laut dem UN-Intergovernmental Panel on Climate Change nur für zwei bis drei Prozent der globalen CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe verantwortlich (Bericht 2007). Und natürlich interessiert uns auch, welche Apps die Piloten sonst so in der Kanzel nutzen.

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