Apple-Aktionäre ändern Verwaltungsrat-Wahlsystem - keine Offenlegung der Jobs-Nachfolgepläne

Florian Matthey

Das gestrige Treffen von Apples Investoren brachte eine Neuerung des Wahlsystems für Mitglieder des Apple Verwaltungsrates. In Zukunft müssen neue Mitglieder die Mehrheit der Stimmen der Apple-Aktionäre hinter sich haben. Bisher reichte die relative Mehrheit. Ein Antrag, mehr Informationen über Apples Nachfolgepläne für den CEO Steve Jobs zu erfahren, erhielt derweil keine Mehrheit.

Die Verantwortlichen bei Apple möchten diese Pläne nicht offen legen und hatte sich deshalb gegen den Antrag ausgesprochen. Der Antrag erhielt unter anderem Unterstützung von der Laborers’ International Union of North America, eine Gewerkschaft mit Apple-Anteilen. Die Vertreterin Jennifer O’Dell verteidigte den Antrag mit den Worten, dass Aktionäre ein Recht hätten zu erfahren, ob das Unternehmen einen Plan für eine mögliche Jobs-Nachfolge habe. Die Mehrheit der Abstimmenden schätzte Apples Interesse an der Geheimhaltung potentieller Pläne offenbar höher ein.

Grund für den Antrag ist die Tatsache, dass Steve Jobs zum dritten Mal in sieben Jahren eine gesundheitsbedingte Auszeit nehmen muss. Im Jahr 2004 ließ er sich einen Tumor an der Bauchspeicheldrüse entfernen, 2009 erhielt Jobs eine neue Leber. Im Januar kündigte er erneut eine Krankheitspause an. Jobs nahm nicht an dem Aktionärs-Treffen teil, das Tagesgeschäft des CEO führt in diesen Tagen wie auch schon in Jobs Abwesenheit in den Jahren 2004 und 2009 Apples Chief Operating Officer Tim Cook. Jobs ist allerdings weiterhin in strategischen Entscheidungen involviert.

Der andere, erfolgreiche Antrag traf bei den Apple-Managern ebenfalls auf wenig Gegenliebe: Sie befürchten, dass es bei einer vorgeschriebenen absoluten Mehrheit für Verwaltungsratsmitglieder einige Kandidaten nur deswegen nicht in das Gremium schaffen könnten, weil nicht genug Aktionäre eine Stimme abgeben. Anne Simpson vom Investor Calpers hält dagegen, dass die Unterstützer des Antrags einfach eine Wahl und keine “Krönung” haben wollen: Bisher habe sich oft Steve Jobs für Kandidaten ausgesprochen, die es dann ohne Gegenkandidaten in den Rat schafften, ohne die Mehrheit der Aktionäre hinter sich zu wissen. Ein weiterer Unterstützer des Antrags war das California Public Employee’s Retirement System, Amerikas größter Renten-Fond.

Apples Finanzchef Peter Oppenheimer bekräftigte im Rahmen des Treffens, dass Apple seine Barreserven in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar für “strategische Möglichkeiten” zurückhalte – ohne weiter darauf einzugehen, was für Möglichkeiten sich böten. Das für eine Milliarde Dollar in North Carolina errichtete Daten-Center werde Apple derweil für den iTunes Store MobileMe Datensicherung und “andere Features” einsetzen.

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