Apple-Check der ARD im Check: Unterhaltung mit Schummelei

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Das Erste nahm Apple unter die Lupe: Gestern um 20.15 Uhr lief der Apple-Check (Download-Links im Artikel). Wurde der iPhone-Hersteller gut oder schlecht benotet? Wir fassen die Erkenntnisse zusammen und hinterfragen sie: Der Apple-Check im Check.

Wer mag, kann sich den Apple-Check in der Mediathek von Das Erste oder direkt hier im Artikel ansehen:

Ein Download ist über diese Links möglich (MP4-Datei, auch passend für iPhone und iPad):

Der Marken-Check untersucht Apple anhand von vier Fragen:

Apple infiziert?!

Die Sendung beginnt mit einem mageren Kapitel: “Apple infiziert”, Testurteil “stark”. Was will uns das sagen? Ist das gut, oder schlecht? Das Thema dient weniger zur Information als zur Vorstellung von Klischees und Besonderheiten der Apple-Szene: Fans campen begeistert vor dem Apple Store, haben Glücksgefühle bei der Nutzung der Produkte. Um zu polarisieren und die Szene ins Lächerliche zu ziehen, zitiert die Sendung einen Mediengestalter (ein seltenes Exemplar seiner Gattung, das keinen Mac nutzt). “Apple hat für mich was von Diktatur. Da ist für mich überhaupt nichts mehr Individuelles. Ich muss mich nicht einreihen in die Schlange der iPhone-Zombies.”

Eine neurowissenschaftliche Untersuchung will dann noch seriösen Ernst schaffen. Wirken Apple- und Samsung-Produkte unterschiedlich auf das menschliche Gehirn? Samsung-Produkte haben eher mit dem Kopf zu tun, Apple-Produkte eher mit einem Bauchgefühl. Na dann.

Apple ist einfach?!

Nachdem im ersten Kapitel ein Rentner gezeigt wird, der begeistert seinen iPod touch nutzt, zieht die Sendung für das Kapitel “Apple ist einfach?” natürlich einen Rentner vor die Kamera, der mit der Tablet-Steuerung Probleme hat. Apple ist also nicht so einfach, dass jeder die Produkte versteht.

Und wie sieht es im Vergleich zur Konkurrenz aus? Samsung ist laut Experte ein Flickenteppich. Windows ist stylisch, aber nicht selbsterklärend und die Farbgestaltung nicht optimal. Das iPad ist einfacher, als andere Produkte auf dem Markt – für alle Altersgruppen. Problem nur: Der Internetbrowser heißt “Safari”.

 

Apple ist seinen Preis wert?!

Um Empörung bei den Zuschauern zu schüren, greifen die Autoren der Sendung in diesem Kapitel kräftig in die Trickkiste. Deutlicher gesagt, die Zuschauer werden getäuscht: Die Materialkosten des iPhone betragen 152 Euro, der Verkaufspreis ist 679 Euro, “wenngleich inklusive Mehrwertsteuer.” Die Gewinnspanne sei für den Kunden kaum nachvollziehbar.

Sicher, Apple hat eine gute Gewinnspanne. Sie beträgt aber nur ein Bruchteil dessen, was hier suggeriert wird. Denn nicht nur die Mehrwertsteuer muss berücksichtigt werden, sondern auch die Kosten für Entwicklung, Fabrikation, Software, Marketing, Händlermarge und und und. Die erwähnt Das Erste nicht.

Ein Vergleich mit hochwertigen Konkurrenzprodukten wird nicht durchgeführt. Schade. Das Testurteil “Den Preis kaum wert” ist damit für die Tonne.

Apple ist fair?!

“Apple-Handys werden so teuer verkauft, aber wir sind von der Arbeit so erschöpft”, sagt eine Mitarbeiterin von Apple-Zulieferer QSMC. “Ich finde, die Leute sollen davon erfahren.” Für den letzten Check besucht die ARD die asiatischen Fabrikanten und befragte Mitarbeiter. Besonders Foxconn geriet in der Vergangenheit mehrfach in die Schlagzeilen wegen Selbstmorden und Aufständen. Die Sendung zeigt: Die Arbeiter wohnen in heruntergekommenen Gemeinschaftsunterkünften, die Schichten betragen bis zu 12 Stunden, der Lohn ist gering. Ein namentlich nicht genannter Apple-Zulieferer behauptet, er wolle den Mitarbeitern mehr zahlen, könne aber nicht: “Wir verdienen nur 5 oder 3 Prozent. Apple macht 30 Prozent. Das ist nicht fair.” Apple will die Vorwürfe nicht kommentieren.

Bei anderen Elektronikkonzernen mag es nicht besser, vielleicht sogar noch viel schlimmer ablaufen. Wollen wir das nicht als Entschuldigung gelten lassen. Es wäre schön, wenn sich Apple wie schon in anderen Bereichen als Vorreiter in einer fairen Produktion etabliert. Mit der Herstellung eines Mac in den USA ab diesem Jahr könnte der Grundstein gelegt sein.

 

Apple-Check im Ersten: Fazit

Wer hin und wieder GIGA liest, für den werden die Erkenntnisse des Apple-Checks keine Neuigkeit sein. Wir können das Format als akzeptable Unterhaltungssendung durchgehen lassen, aber nicht als umfassend aufklärende Informationssendung. Mit dem letzten Kapitel retten die Macher noch am ehesten den “öffentlich-rechtlichen Auftrag” der Sendung.

Übrigens: Die Einschaltquoten des gestrigen Marken-Checks waren niedrig wie nie zu vor in dieser Reihe.

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