Apple, es reicht noch lange nicht!

Sebastian Trepesch
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“Apple, es reicht! – Abrechnung eines Ex-Fans”. So hat Hajo Schumacher seinen Artikel auf Spiegel Online vom Wochenende überschrieben. In dem Kommentar zeigt der Autor, dass er Apple in so manchen Punkten komplett missverstanden hat. Eine Antwort von Sebastian: Natürlich ist nicht alles vorbehaltlos “gut”, was Apple treibt. Aber Ihre “Abrechnung”, Herr Schumacher, ist – pardon – großer Blödsinn. Ich gehe jetzt nicht einzeln auf Ihre Argumente ein (nein, das iPad ist nicht zum Telefonieren konzipiert worden; Keynote suchen Sie nicht im Laden, hier ist der Downloadlink: ). Aber den grundlegenden Gedanken muss ich Ihnen doch erklären.

Sie schreiben unter der Überschrift “Apple, es reicht!“, dass immer mehr Bundestagsabgeordnete stolz auf ihr iPad sind, “ihr Fingerfett über den Touchscreen” verteilen. “Wenn alle Porsche fahren, wird der Golf wieder interessant.” Natürlich – wir blicken staunend auf jeden Trabbi, oh, lange nicht gesehen, und er fährt auch noch, Wahnsinn. Staunt man über ein Auto, heißt das noch lange nicht, dass man damit bis nach Oslo fahren möchte.

Selbst wenn fast jeder einen Porsche hat, kann der (theoretisch) immer noch schneller fahren als ein Trabbi, oder der von Ihnen genannte Golf.

Der Vergleich ist aber aus einem weiteren Punkt völlig daneben. Das iPhone ist kein Porsche, und will kein Porsche sein. Wissen Sie, was Apple herstellen will? Schön verpackte Technik, die gut funktioniert und leicht zu bedienen ist. Keine unkomfortablen Hochleistungsrennpferde. Das iPhone ist leistungfähig wie ein 7er BMW, praktisch wie ein Renault Espace und stylisch wie ein VW Beetle – um in Ihrer Autowelt zu bleiben.

Leicht zu bedienen – das bedeutet im Umkehrschluss: Das kann ja meine Oma! Das kann mein Bundestagsabgeordneter! Ja, auch für diese Menschen sind die Produkte da, nicht nur für die (/für uns) Hornbrillenträger mit Naturledertasche! Jetzt haben genau diese Menschen erkannt, dass die Apple-Produkte ihnen nützlich sind. Sie trauen sich heran, an die Technik, die nicht ihrer selbst Willen bestehen will, sondern Mittel zum Zweck ist (und wenn der Zweck nur “Unterhaltung” ist). Die Technik rückt in den Hintergrund. Die Technik lässt sich nicht einmal aufschrauben, um irgendwelche Chips und Akkus auszuwechseln. Nein, sie ist fertig, so wie sie ist.

Herr Schumacher, Sie fanden diese Technik also jahrelang “lässig, gegenkulturell und ästhetisch”. Ist sie nun hässlich, nur, weil mehr Menschen auf den Geschmack gekommen sind? Weil mehr Menschen nicht nur Ihnen die schönen Produkte überlassen wollen?

Es klingt so, als ob Sie sich nur deswegen ein oder mehrere Apple-Produkte gekauft haben, um “dabei zu sein”. Dieses Image hat Ihr iPhone jetzt nicht mehr, und sie sind nicht mehr “dabei”.

Da tun Sie mir echt leid, jetzt haben Sie viel Geld für Ihr iPhone ausgegeben. Ganz umsonst.

Wer Bionade trinkt, nur weils cool ist, obwohl sie ihm gar nicht schmeckt, ist ein armes Würstchen. Wem sie schmeckt, der trinkt sie weiterhin. Obwohl andere sie auch trinken. Und er freut sich, dass jemand mit anstößt.

Noch ein Vergleich, der völlig in die Hose ging.

Ich habe mir PowerMac und MacBook und iPhone und iPad gekauft, weil die Geräte toll funktionieren, leicht(er als andere Produkte) bedienbar sind, sich gut anfühlen und nebenbei noch gut aussehen. Wissen Sie was? Das ist immer noch der Fall, obwohl so viele Leute jetzt ein iPhone haben.

Im Gegenteil, mir kommt das sogar zu Gute, dass Apples Plattform iOS so verbreitet ist! Denn deshalb stellen immer mehr Software-Entwickler Anwendungen für iPhone und iPad vor. Natürlich gibt es viel Müll, aber auch wirklich gute Programme (Sie sollten öfters benm.at und macnews.de lesen).

Apple-Produkte sind natürlich nicht perfekt. Nicht die Hardware, nicht das Betriebssystem, nicht die Anwendungen, nicht das Design und schon gar nicht die iOS-Politik. Darauf will ich nicht weiter eingehen. Sie haben eine einseitige Abrechnung geschrieben, deshalb bekommen Sie von mir eine einseitige Antwort. Klar ist: In einigen Dingen ist Apple anderen Herstellern weit voraus – immer noch.

Sie nutzen jetzt also wieder Ihre “Nokia-Stulle”, schreiben Sie in dem Artikel. Respekt, das ist wenigstens konsequent. Android wäre nur ein Apple-Abklatsch.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß damit.

Oder besser gesagt: Herzliches Beileid.

P.S.: Noch ein Tipp: Lassen Sie sich von Stefan nicht ausnehmen!

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