Apple, Foxconn und Millionen sorgloser Konsumenten

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Apples Engagement bei seinem Zulieferer Foxconn sorgte in den vergangenen Wochen einmal mehr für Schlagzeilen. Die Arbeitsbedingungen seien unmenschlich, die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft, hieß es jüngst in der New York Times. Apple beteuert, seine Subunternehmer streng zu kontrollieren. Uns, die Konsumenten könnte es derweil kaum weniger kümmern.

Apple, Foxconn und Millionen sorgloser Konsumenten

Microsofts Spielekonsole Xbox verkaufte sich über die Feiertagssaison mehr als 8 Millionen Mal. Samsung konnte innerhalb eines Quartals 36,5 Millionen Smartphones unter die Kunden bringen. Besser ging es nur Apple, dort verkaufte man zwischen Oktober und Dezember 37 Millionen iPhones.

Das entspricht in den 14 Wochen, die das 1. Quartal des Finanzjahres 2012 umfasste, mehr als 4 Geräten, die pro Sekunde über die Ladentische wanderten.

Apple ist ein Meister der Logistik. Jedes Einzelteil des iPhone 4S wird zum bestmöglichen Preis herangeschafft und schließlich zusammengefügt in den Produktionshallen der taiwanesischen Hon Hai Precision Industry Co. – besser bekannt unter dem Namen Foxconn.

Dabei entstehen laut einer Schätzung durch iSuppli reine Materialkosten in Höhe von 188 US-Dollar, zuzüglich 8 US-Dollar für die Herstellung sowie nicht näher bekannten Beträgen für Forschung und Entwicklung, Software, Lieferung, Lizenzgebühren und mehr.

Der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhone liegt derzeit bei 660 US-Dollar. Das ist nicht gerade wenig und trotzdem strömen die Menschen in die Geschäfte und reißen den Verkäufern die Geräte nur so aus den vor Reibungshitze bereits schwieligen Händen.

Bei diesen abnormen Auftragsvolumina scheint das Kräfteverhältnis auf den ersten Blick klar: Apple ist Zahlmeister und hat das Sagen – sitzt also auch am längeren Hebel, was die Durchsetzung beliebiger Richtlinien zu Arbeitsbedingungen und Sicherheit angeht.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Aufträge gehen nicht ohne Grund nach Shenzhen. Die enormen Kapazitäten, bedingt durch ganze Städte aus Fabrikationshallen, unglaublich viele Arbeiter und Maschinen, machen Foxconn zum Partner der Wahl für alle „Big Player“ in der IT-Branche.

Flexibilität, die Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden auf Design-Änderungen zu reagieren, ist ein weiterer Aspekt, der den Hersteller aus Taiwan nahezu alternativlos werden lässt. Kein anderes Unternehmen kann ausreichende Volumina, kein anderes Land fleißigere, arbeitswilligere Menschen bieten.

Es ist also einerseits kein Wunder, dass nicht nur Apple bei Foxconn produzieren oder montieren lässt. Nein, auch Microsoft, Samsung, Amazon und viele andere Unternehmen mit ansehnlichen Verkaufszahlen beziehen ihre Geräte dort. Andererseits erscheint die teils sehr zurückhaltende Art und Weise, mit der man in diesen Konzernen auf die Meldungen über Suizid, Schadstoffbelastungen, Kinderarbeit und mehr reagiert, dadurch in einem anderen Licht.

Nach Artikeln, wie solchen der New Yorker Kollegen, sollte man vermuten, dass die Verkaufszahlen in den Keller sinken, bis Apple darauf hingewirkt hat, dass sich die Situation der Arbeiten bei Foxconn merklich und nachweislich verbessert. Doch wie so viele vor ihm, verpufft auch dieser Bericht im Bewusstsein der Konsumenten nach Sekunden zu einem kaum mehr spürbaren Stechen im Gewissen, das nur kurze Zeit später vollends versiegt.

Eins ist klar: Solange wir, die Käufer der Produkte all dieser Hersteller, nach immer neuen, immer günstigeren und immer hochwertigeren Smartphones und Tablets gieren, entsteht keinerlei Druck auf Apple, die Lage zu ändern. Vielmehr perpetuieren wir die Situation durch unser Kaufverhalten noch, wir sorgen also dafür, dass sie genau so bleibt.

Immer mehr Menschen achten heute auf die Herkunft ihrer Nahrungsmittel, kaufen bewusst nach biologischen Grundsätzen Angebautes und kein Fleisch aus Massentierhaltung, wenn überhaupt. Sie lesen die Herkunftsangaben auf Kleidungsstücken und meiden Angaben wie „China“, „Bangladesh“ oder „Indonesien“ – selbst wenn all das mit Mehrkosten verbunden ist, denn das ist nicht nur “schick”, sondern auch löblich.

Doch kaum einer legt beim Kauf eines Smartphone die gleichen Maßstäbe an. Wir lassen uns von der freundlichen, hellen Atmosphäre einlullen, die in Apple Stores und den Mobilfunkgeschäften herrscht, die diese nachzuahmen versuchen. „Made in China“ – so steht es auf den meisten Geräten der Gattung „Unterhaltungselektronik“. Immer wieder erstaunt es, wie viel Technik auf kleinsten Raum passt, wie schnell die Smartphones in millionenfacher Ausführung von den Fließbändern in unsere Hosentaschen fliegen.

Es sollte bei den Meldungen zu den nach unseren Standards unmenschlichen Bedingungen, unter denen Foxconn seine Mitarbeiter beschäftigt, nicht nur darum gehen, den schwarzen Peter bei Apple, Amazon oder Hewlett-Packard zu suchen – auch wenn die Auftraggeber sicherlich ein Teil der Verantwortung trifft.

Schließlich ist es auch ihre Gewinnmarge, über die sich eine Veränderung zugunsten der Arbeiter steuern ließe. Noch wichtiger ist aber ein Umdenken in den Köpfen eines jeden von uns.

Wir sind es, die den großen Herstellern völlig unkritisch alles aus den Händen reißen, was sie uns hinhalten. Wir sind es, die sich bei Berichten dieser Art nur all zu gern von Hinweisen auf Prüfverfahren und Sanktionsmechanismen beschwichtigen lassen.

Wir sind es, die unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass es uns in letzter Konsequenz einen feuchten Kehricht kümmert, was genau vor dem Moment passiert, in dem wir unser neues Gerät aus seiner hübschen Hülle ziehen.

Vieles könnte sich ändern und die Lebensumstände vieler Menschen könnten mit einigen grundlegenden Veränderungen erheblich verbessert werden. Man könnte fast sagen, wir haben es in der Hand.

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