Apple gegen Samsung: Designerin früher Mac-Icons verwechselte iPhone und Samsung-Smartphone

Florian Matthey
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Im Fall Apple gegen Samsung sagte am Dienstag die frühere Mac-Icon-Designerin Susan Kare als von Apple benannte Zeugin aus. Wenig überraschend vertrat sie die Auffassung, dass Samsung Apples Icon-Design kopiert habe – sie selbst habe ein Samsung-Smartphone schon einmal mit einem iPhone verwechselt.

Apple gegen Samsung: Designerin früher Mac-Icons verwechselte iPhone und Samsung-Smartphone

Die Mutter des lachenden Macs

Susan Kares Arbeit ist Mac-Benutzern aus früheren Tagen noch bekannt: Von ihr stammen Icons wie der “lachende Mac”, der beim Hochfahren auf dem Bildschirm erscheint oder die “Bombe”, die das System bei Systemabstürzen anzeigte. Sie folgte Steve Jobs später zu dessen Unternehmen NeXT, bevor sie unter anderem bei Microsoft arbeitete.

Im Fall Apple gegen Samsung sollte sie sich vor dem Gericht in Kalifornien nun zu dem Apple-Design-Patent ’305 äußern, das die Icons und das Layout des Home-Screens zur Zeit des ersten iPhones schützte. Apple hatte das Patent im Juni 2007 angemeldet, das US-Patent- und -Markenamt sprach es dem Unternehmen rund zwei Jahre später zu.

Apple behauptet, dass Samsung nicht nur das Hardware-, sondern auch das Design der Benutzeroberfläche des iPhone kopiert habe. Um dieses Argument zu untermauern, zeigte das Unternehmen dem Gericht eine Gegenüberstellung einiger Icons des iOS und der Samsung-Android-Smartphones. Bei einigen lässt sich eine Ähnlichkeit tatsächlich nicht von der Hand weisen.

Kare verwechselte Samsung-Smartphone mit iPhone

Kare, die erklärte, sie sei in Sachen Grafik sicherlich recht pingelig, berichtete, dass die Ähnlichkeit sie selbst schon einmal verwirrt habe. Als sie sich auf den Prozess vorbereiten sollte, lagen einige Smartphones auf dem Tisch. Auf den ersten Blick konnte sie das Samsung-Gerät nicht von dem iPhone unterscheiden und habe das falsche in die Hand genommen.

Nachdem sie sich elf verschiedene Samsung-Smartphones genauer angesehen hatte, kam sie zu dem Schluss, dass der optische Eindruck aller Geräte dem Screenshot des iPhone-3G-Homescreens so ähnlich sehe, dass eine Verwechslung möglich sei. Apple selbst hatte dem Gericht zuvor eine Umfrage präsentiert, der zufolge Kunden tatsächlich Samsungs Galaxy Tablets in Filialen des Elektronik-Händlers Best Buy zurückgebracht haben sollen, weil sie eigentlich ein iPad kaufen wollten.

Kare musste sich natürlich auch den Fragen des Samsung-Anwalts stellen, wobei dieser der Designerin im Gerichtssaal ein Samsung-Smartphone präsentierte. Dies schaltete er an, zeigte ihr den Boot-Vorgang, wie sich ein Video abspielen lässt und dass zwei Arbeitsschritte nötig sind, um den Home-Screen so wie den eines iPhone aussehen zu lassen. Kare erklärte, dass sie nur das Aussehen und die Benutzererfahrung der Systeme, nicht die Funktionalität verglichen habe. Im Anschluss diskutierte Samsungs Anwalt mit Kare noch über einzelne Design-Details bis hin zur Hintergrundfarbe einzelner Icons.

Ärger um mutmaßlich manipulierten Apple-Screenshot

Zuvor hatte ein Beweismittel wieder einmal für Ärger gesorgt: Apple hatte dem Gericht ein Bild des Samsung-Smartphones Epic 4G Touch präsentiert, das die Ähnlichkeit des Icon-Layouts des Gerätes mit dem des iPhone verdeutlichen sollte. Samsung erhob gegen dieses Beweismittel Einspruch – Apple habe das Bild manipuliert, im Werkzustand sehe die Benutzeroberfläche nicht so aus.

Nach einigem Hin und Her entschied die Richterin Lucy Koh, dass Samsung sie nicht von einer Manipulation habe überzeugen können. In Zukunft sollten sich beide Parteien vorab über die Einbringung von Bildern als Beweismittel einigen: “Ich werde nicht zulassen, dass das noch einmal passiert”, so Koh, deren Geduld laut The Verge die Anwälte beider Parteien schon mehrmals überstrapaziert haben.

Steve Jobs soll Samsung Lizenz angeboten haben: “Kopiert das nicht”

Bezüglich eines Design-Patents soll Apples im letzten Jahr verstorbener CEO Samsung sogar eins ein Patent angeboten haben: Network World hat in Gerichtsdokumenten Aussagen des Apple-Vizepräsidents für iOS, Scott Forstall, gefunden haben, mit denen er über den Vorgang berichtete.

Jobs habe Samsungs Verantwortlichen eins den “Gummiband-Effekt” in der Benutzeroberfläche des iOS präsentiert – wer beim Scrolling ein Ende erreicht, kann zunächst weiter scrollen, das Bild springt dann aber wie von einem Gummiband gezogen wieder zurück. Der Apple-CEO habe Samsung angeboten, das Patent zu lizenzieren, Samsung habe aber abgelehnt – und einen ähnlichen Effekt später ohne Lizenz in die eigene Benutzeroberfläche integriert.

Weitere Themen: Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , OS X Yosemite, iOS 7, Samsung

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