Apple in Zahlen: Loyalität und bizarre Statistiken

Flavio Trillo
6

Weltweite Umfragen unter Smartphone-Nutzern haben ergeben, dass fast alle iPhone-User auch als nächstes wieder ein Modell von Apple kaufen würden. Auch ein Großteil der Android-Anwender möchte dem System treu bleiben. Derweil beziehen andere Analysten Cupertino schon gar nicht mehr in ihre Statistiken ein, was die Ergebnisse stark verfälschen kann.

Plattform-Treu: 63 Prozent wechseln nicht das System

Die nürnberger “Gesellschaft für Konsumforschung” (GfK) hat Reuters zufolge herausgefunden, dass Apple auf 80 Prozent treue Smartphone-Kunden blicken kann. Der Anreiz, bei der einmal gewählten Plattform zu bleiben, wird von den Herstellern durch Cloud-Dienste und nahtlose Integration von Inhalten und Diensten geschaffen. Dies stelle für 70 Prozent der Befragten den Hauptgrund für ihre Entscheidung dar, sich keinem neuen Betriebssystem zuzuwenden.

Immerhin 60 Prozent der Android-Nutzer gaben an, auch weiterhin Smartphones mit Googles mobilem Betriebssystem kaufen zu wollen. Nur 48 Prozent bleiben ihrem BlackBerry in Zukunft treu. Den Analysten zufolge komme es vor allem auf die “harmonischste Benutzererfahrung” an um Markenloyalität zu festigen. Ganz klar – dort, wo meine Daten ohnehin liegen, bleibe ich besonders gern, wenn ich auch möglichst leicht auf sie zugreifen kann.

Demnach sei es auch unwahrscheinlich, dass ganz plötzlich ein Großteil der Kunden die “Seite” wechselt. Durchschnittlich gaben 63 Prozent an, bei ihrer aktuellen Smartphone-Plattform zu bleiben. Befragt wurden etwa 4.500 Personen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Brasilien, China, den USA und Japan. Wer also möglichst schnell möglichst viele Kunden für sich gewinnen kann, hat gute Chancen, sich diese Basis zu erhalten.

Apple-bereinigt: Analyse ohne iPad

Eine ungewöhnliche Statistik veröffentliche kürzlich die NPD-Gruppe (diese, nicht diese!). Die fünf Hersteller mit den meisten Tablet-Verkäufen in den USA wurden untersucht – aber ohne Apple. Das iPad wurde nicht berücksichtigt, um den hartumkämpften Platz zwei darzustellen, so die Autoren der Studie.

Dieser Ausschluss des größten “Players” am Markt, zusammen mit einigen merkwürdigen Äußerungen riefen John Gruber auf den Plan. Er zeigt, wie bizarr die Darstellung der Tablet-Verkäufe ohne das iPad ist und warum durch die Beschreibung der NPD-Gruppe ein völlig falscher Eindruck entsteht.

Wendungen wie “eine große Gruppe von Konsumenten”, bezogen auf 76 Prozent der Nicht-iPad-Käufer, die nach Angaben der Analysten das Apple-Tablet noch nicht einmal in Erwägung gezogen haben, erscheinen in ganz anderem Licht, bezieht man Cupertino in die Gleichung ein. Gruber schätzt, dass 40 Prozent der in den Quartalen 2 bis 4 dieses Jahres weltweit verkauften iPads in den USA über die Ladentische gingen. Das entspricht etwa 10 Millionen Geräten.

Fügt man diesen Wert in die NPD-Rangliste ein, wandelt sich der Eindruck. Plötzlich wirkt Platz zwei (Hewlett-Packard) wenig glorreich, liegt er doch etwa um das Fünfzigfache hinter Apple. Auch die Schlussfolgerung, viele Käufer sähen sich nach iPad-Alternativen um, sei nur in sich schlüssig, wenn man das übermächtige iPad außer Acht lässt.

“92 Prozent aller US-Tablet-Käufer haben ein iPad erwogen und 89 Prozent haben eines gekauft – also haben 97 Prozent all jener, die auch nur in Erwägung gezogen haben, ein iPad zu kaufen, dies auch getan.” Wären da nicht die 8 Prozent, die sich nicht für ein iPad erwärmen konnten, hätte keiner der anderen Hersteller auch nur 100.000 Geräte in den USA verkaufen können, so Gruber.

Die in der Studie genannten PC-Hersteller seien also alles andere als “dominant im Tablet-Bereich”. Vielmehr sei das einzige, was man aus den Zahlen lernen könne, dass Statistiken stark verzerrt werden, wenn dasjenige Produkt, das die meisten Menschen kaufen, nicht berücksichtigt wird.

Einerseits kann es durchaus lehrreich sein, sich den Markt ohne Apple einmal genauer anzusehen. Dadurch werden die Werte entzerrt und Unterschiede zwischen Konkurrenten deutlicher. Nur darf man dabei nicht vergessen, in welchen Dimensionen man sich bewegt und “Prozent der Auswahl” nicht mit “Prozent aller Konsumenten” verwechseln. Sonst wird aus “einer Handvoll” leicht “eine große Gruppe”.

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });