Von Apple-Kopisten, Innovation und Aufgeschlossenheit [Kommentar]

Frank Ritter
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Unsere Schwesterseite macnews.de nahm sich heute die Freiheit, einen despektierlichen Artikel über einen angeblichen Plagiatsgeist der Apple-Konkurrenten zu veröffentlichen. Wir als Android-Fans sind anderer Meinung und fragen, in aller Freundschaft: Denkt ihr nicht ein bisschen zu kurz, liebe Apple-Anhänger? Eine kritische Replik.

Von Apple-Kopisten, Innovation und Aufgeschlossenheit [Kommentar]

Irgendetwas stimmt nicht mit dem Selbstbild der Apple-Fans. Diesen Eindruck erhält man zumindest, wenn man den macnews-Kommentar “2011 – das Jahr der Apple-Kopisten” von David Andel und einen gewissen Teil der Kommentare unter dem Artikel liest.

Dass von dem Konzern aus Cupertino ein gehöriges Maß an technischer Innovation ausging, stellt niemand mit geistiger Gesundheit in Abrede. Ohne das iPhone wären Smartphones nicht da, wo sie heute sind. Das iPad hat einen völlig neuen Markt erschaffen, der iPod hat Walk- und Discman begraben. Es gab jedoch vor dem iPad bereits Tablet-PCs, vor dem iPod MP3-Player, vor dem iPhone Smartphones und so weiter. Apple hat diesen Gerätekonzepten ein gutes Design, ausgefuchste Software und ein grandioses Marketing verpasst, sprich: Einen Haufen bestenfalls zweckmäßige Geräte neu gedacht und immerhin so entscheidend verbessert, dass daraus Millionenseller wurden.

Aber auch davor war schon etwas und auch danach wird etwas sein. Ich schreibe hier keine verblüffenden Neuigkeiten nieder, aber es wird gerne vergessen, dass die Innovationen Apples auch nur Evolutionsstufen der Technik im vorherrschenden digitalen Zeitalter waren. Zu sagen, dass ausschließlich Apple kopiert wird, ist zu kurz gedacht, denn auch Apple selbst hat sich inspirieren lassen. Um den Satz “Niemand will eine Kopie, sondern alle wollen das Original” aufzugreifen: Ich möchte kein Schellack-Grammophon mehr und auch keine Braun’sche Röhre, auch wenn diese aus einer gewissen Perspektive das “Original” sein mögen.

Warum zieht ein gewisser Teil (wir wollen hier nicht pauschalisieren) so darüber her, dass manche von Apple erfolgreich etablierten Konzepte “kopiert” werden? Apple-Anhänger sollten stolz darauf sein sollten, wenn die Konzepte “ihres” Systems Verbreitung finden und zum Standard werden. Bei einigen Apple-Anhängern kann man eine übersteigerte Identifikation mit “ihrer” Marke beobachten. Das erklärt, warum diese Teilmenge wie ein getroffener Hund aufheult, wenn andere Hersteller, konkurrierende Systeme oder direkte Konkurrenten Apple gefährlich werden oder es auch nur werden könnten könnten – ob nun innovatorisch oder kommerziell.

Sätze wie

“Apples Konkurrenz ist zu einer Parade schlechter Nachahmer und Verlierer verkommen.”

und

“Die Reaktion der Konkurrenz darauf ist ein bedingt ähnliches Produkt, eine schlechte Kopie, deren einzig hervorstechendes Merkmal die Absicht zu sein scheint, aufs Trittbrett eines schon erfolgreich fahrenden Zuges aufzuspringen.”

aus dem macnews-Kommentar von David Andel sind leider jener bornierten Teilmenge der Apple-Anhängerschaft nach dem Mund geschrieben, die die Welt der Unterhaltungselektronik und elektronischen Arbeitsmittel mit Scheuklappen betrachten. Die Tatsache, dass hier abstruserweise mit der Anzahl von Google-Suchtreffern argumentiert wird, macht den Text nicht besser.

Wir wissen faktisch nicht, ob das Motorola XOOM “besser” sein wird als das iPad 2. Macht aber auch nichts, denn wir wissen, dass auch von Android und dem in vielerlei Hinsicht konträren Ansatzes des Google-OS eine enorme Innovationskraft ausgeht. Das einige Apple-Fans das in ihrer Borniertheit nicht zu sehen imstande sind ist schade, denn jenseits von Apples “It just works”-Mantras, kann auch ein Apple-Fan erkennen, dass die Konkurrenz schöne Töchter innovative Technologien hervorbringt. Ob es nun Live Wallpaper, Homescreen-Widgets, WLAN-Tethering (gibt’s ja jetzt auch in iOS), eine verblüffende On-Screen-Tastatur wie Swype oder die Vorteile eines offenen Betriebssystems sind. Dafür bedarf es nur ein wenig Aufgeschlossenheit.

Zum Thema: Warum Android? 5 Gründe für das mobile OS von Google

Bild: d’n’c (cc)

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