Apple lässt Samsung Tablets von der Messe entfernen

Ralf Bindel
117

Eine Szene wie von einer Taiwan-Zubehörmesse: Ein zunächst präsentiertes Produkt verschwindet vor den Kopie-Wächtern wieder vom IFA-Messestand. Doch diesmal trifft die Demütigung einen Großen: Samsung entfernt sein neues Galaxy Tab 7.7 bevor die Polizei hinzukommt – aus Angst vor der Apple-Verfügung.

Es hätte für Samsung so schön sein können: Das neue Galaxy Tab 7.7 ist schlank, leicht und schmal und reicht vielen für den schnellen Blick ins Web oder in diverse Android-Apps. Doch der Messe-Triumph über die Neuvorstellung währte nicht lange.

Schon am zweiten Messetag sahen sich die Südkoreaner gezwungen, den frischen Tablet-Newcomer von ihrem Messestand zu entfernen. Am besucherstarken Samstag trauten die Zuschauer ihren Augen nicht: Das Tablet wurde abgeräumt.

Die peinliche Szene, die man häufiger auf einer der zahlreichen Zubehörmessen in China zu sehen bekommt, trifft diesmal einen der größten IT-Konzerne der Welt. Denn Samsung liegt mit Apple im Streit über das Tablet an sich. Apple wirft dem Konkurrenten vor, das Galaxy Tab kopiert zu haben. In all seinen Formen, Farben und Funktionen: Vom iPad.

Und nach Apple-Ansicht trifft das nicht nur auf das Galaxy Tab 10.1 zu, für das Apple bereits einen Verkaufsstopp vor Gericht erreicht hatte, sondern auch für das kleinere Galaxy Tab 7.7. Auch wenn sich das schlanke Tab 7.7 im Format vom iPad deutlich unterscheidet, geht es Apple offenbar um das Große Ganze, um den Tablet-Computer an sich, um die generelle Kopie durch Samsung.

Gleich am ersten Messetag, am Freitag letzter Woche, hatte sich Apple beim Düsseldorfer Landgericht durchgesetzt. Die Forderung: Das Gerät dürfe in Deutschland nicht verkauft oder vermarktet werden. Das bestätigte ein Sprecher von Samsung der Nachrichtenagentur Bloomberg in Seoul. Apple hatte die einstweilige Verfügung, die das Gericht gegen das Galaxy Tab 10.1 bestätigt hatte, um das Galaxy Tab 7.7 erweitert.

Galaxy Tab ist generelle Kopie, sagt Apple

Daraufhin musste Samsung am Samstag mitten im Messetrubel sowohl Tablets als auch Werbebanner zum Tablet am Messestand entfernen oder verhüllen. Peinlich, aber unvermeidlich. Dabei ist es Apple sogar gelungen, die bestehende einstweilige Verfügung nicht einfach auf das kleinere Tablet auszudehnen, sondern eine zweite Verfügung explizit gegen das Galaxy Tab 7.7 zu erreichen.

Wegen des Patentrechtsstreits mit Apple, war Samsung auf der IFA erst gar nicht mit dem Galaxy Tab 10.1 angetreten. Bei Verstoß gegen das bestehende Verkaufs- und Werbeverbot sieht das Düsseldorfer Landgericht ein Ordnungsgeld von 250000 Euro pro Fall, also pro Tablet vor. Dass die Verfügung auch auf die kleinere Tablets mit 8,9 und 7,7 Zoll Display-Diagonale zutreffen könnte, damit schien Samsung nicht gerechnet zu haben.

Nach Bekanntwerden der neuen Verfügung hat Samsung alle Tablets von der IFA entfernt, Beschriftungen abgekratzt und um den Wortlaut “Galaxy Tab 7.7″ verkürzt. Wo noch bis Samstagmittag zahlreiche Galaxy Tab 7.7 lagen, zeigen jetzt die Newton-ähnlichen Riesen-Smartphones Galaxy Note die Technologie-Kompetenz des Konzerns.

Wie der Tablet-Streit weiter geht, werden wir nach der nächsten Verhandlung in Düsseldorf am 9. September erfahren. Für wen das ganze Procedere am Ende peinlicher ist, ist ebenfalls noch nicht klar. Für Apple, die als Beweis für die Tablet-Kopie durch Samsung in den Unterlagen auch schon mal Fotos verändert haben, oder für Samsung, sollten die Gerichte feststellen, dass die Galaxy Tab tatsächlich dreist kopiert sind.

Weitere Meldungen zu IFA-News und -Trends auf der Giga-Sonderseite zur IFA mit vielen Videos zu Produktneuheiten wie Galaxy Tab 7.7 und Galaxy Note.

Weitere Themen: Samsung

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz
}); });