Apple, Nokia und RIM öffnen indischem Geheimdienst Hintertüren

Ralf Bindel

Apple, Nokia und Research in Motion (RIM) sind mit ihren Smartphones auf dem indischen Markt. Bedingung dafür: eine so genannte Hintertür für den Geheimdienst. Das belegt ein Dokument einer Hackergruppe. Die Backdoor-Politik ist für viele Staaten interessant, ihre Märkte für die Unternehmen.

Apple, Nokia und RIM öffnen indischem Geheimdienst Hintertüren

Die “Lords of Dharmaja“ haben ein Dokument veröffentlicht, das einige IT-Unternehmen in Erklärungsnöte bringen könnte – wenn es sich als echt erweist. Doch schon die Vorstellung ist nicht so weit hergeholt: Um Zugriff auf den indischen Markt zu bekommen bzw. ein Bleiberecht zu erhalten, sollen Apple, Nokia und RIM dem indischen Geheimdienst CBI in ihren mobilen Betriebssystem für die Nutzer jeweils unsichtbare Zugangsmöglichkeiten ermöglicht haben, so genannte Backdoors, Hintertüren.

Mit diesen Hintertüren können Geheimdienste oder Unternehmen unbemerkt vom Nutzer Zugang zum Computer oder eben Smartphone erlangen. In proprietären Betriebssystemen sind sie möglich, weil deren Quelltext nicht öffentlich (Open Source) ist und deswegen nicht von unabhängiger Seite auf Hintertüren untersucht werden kann. Seit Jahrzehnten gibt es (Verschwörungs-)theorien, dass Microsoft in seinen Betriebssysteme Hintertüren hat. Hintertüren können auch von Trojanern installiert werden oder diese nutzen. Beispiele dafür sind der sogenannte Schultrojaner und der Staatstrojaner für Windows, den der Chaos Computer Club im Oktober veröffentlichte. Im Dezember kam die “Stille SMS“ ins Gerede, die Mobiltelefone unbemerkt an die Überwacher verschicken, weil die Zollfahnder der Republik noch nie zuvor so viele Ortungsimpulse verschickt hatten.

Nun droht also Apple, Nokia und RIM Ungemach, Ärger und öffentliche Aufregung. Wirklich? Weil sie auf die Bedingungen einer staatlichen Behörde eingegangen sind, die ihnen den Marktzugang nur ermöglichen wollte, wenn sie ihr Hintertüren für die Überwachung der Nutzer ließ? Wir vermuten mal, dass das in allen prosperierenden Ländern der Fall ist. Märkte wie China und Indien will und darf sich kein Smartphone-Hersteller entgehen lassen, selbst wenn die Regime die Bedingungen diktieren. Da wird schon mal die Suchtechnologie gefiltert, wenn die Herrschenden es so wollen, siehe Google in China.

Warum sollte es also nicht so sein, dass die großen Drei mit den eigenen Betriebssystemen abseits vom offenen (oder doch wieder proprietären) Google-Android sich auf derartige Bedingungen einlassen? Eine Hintertür ist doch nicht schlecht, wenn dadurch Terrorismus, Kinderpornographie und Gewalt verhindert, Verbrechen aufgeklärt werden. Schließlich wollen die Unternehmen auch nur den Bedarf befriedigen. Und die vermögender werdenden Schichten in China, Indien und sonstigen Schwellenländern haben schließlich Ansprüche. Da ist doch wohl eine Hintertür kein Problem, machen wir nicht gern (was ist, wenn's publik wird?), aber wenn's denn sein muss, bitte.

Außerdem kommt eh nichts bei der Überwachung heraus, von wegen mehr Sicherheit für alle. Ein internes Papier der EU bezweifelt sogar selbst die Nützlichkeit der Vorratsdatenspeicherung, zudem sei die Anwendung nicht auf Terrorismus und Kriminalität beschränkt. Von wegen “schwere Straftaten“. Tatsache ist: Sobald die Technik vorhanden ist, setzen Staaten sie zur Überwachung ihrer Bürger ein – und zur Spionage. Unternehmen, die ihrerseits dazu aufgefordert werden, ihre Geräte für Behörden zu öffnen, könnten sich weigern, dies zu tun und es sogar öffentlich machen. Machen sie aber nicht, denn sie wollen ja auf den Markt, Geld verdienen.

Die Frage ist nur, wie sich ihre Kunden verhalten. Kommt heraus, dass das veröffentlichte Dokument echt ist, was natürlich niemand zugeben wird, wenn es sich vermeiden lässt, könnten Apple, Nokia und RIM einen bleibenden Image-Schaden davontragen. Wer will schon ein Smartphone, das irgendeiner Stasi dauernd berichtet? Sammeln die Unternehmen selbst Daten – ok, dadurch gibt es zielgerichtete Werbung, habe ich vielleicht auch was von. Aber Stasi? Geht gar nicht. Könnte also durchaus sein, dass sich die vermeintliche Markteroberung mit Hintertür ins Gegenteil verkehrt, weil die Kunden von iOS, Blackberry und Windows Phone zu Open-Source-Smartphones wechseln.

Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass die indische Regierung RIM den Ausschluss vom Markt androhte, weil der Hersteller den Behörden keinen Einblick in die Nachrichten geben wollte. Schließlich einigte man sich, “… aber wie das genau aussah, wissen nur die Behörden, RIM und vielleicht noch die indischen Telekomanbieter”, erzählt IT-Experte Christopher Sogholan im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Falls Apple tatsächlich eine solche Backdoor-Vereinbarung getroffen hätte, wäre das eine unglaubliche Nachricht, sagt er. Hätte Apple als US-Konzern ausländischen Geheimdiensten eine Hintertür geöffnet, mit dem auch US-Behörden ausspionieren könnten, kämen sicher Fragen aus Washington. Und vielleicht auch aus Berlin, denn auch deutsche Politiker nutzen iPhones. Aber vielleicht erweist sich das Dokument auch als bösartige Fälschung, wie von einem Sprecher des indischen Militärs vermutet.

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