Apple sollte Tesla kaufen, Cook rauswerfen und Elon Musk zum Chef machen

Stefan Bubeck
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Eine Autorin des Magazins Futurism schlägt vor, Apple solle den Autohersteller Tesla kaufen und dann Apple-Chef Tim Cook durch den Tesla-Boss Elon Musk ersetzen. Ich finde das gut.

Apple sollte Tesla kaufen, Cook rauswerfen und Elon Musk zum Chef machen

Die freie Autorin Karla Lant hat auf der Nachrichtenwebseite Futurism den Artikel „Why Apple Should Buy Tesla and Make Elon Musk CEO“ veröffentlicht, der derzeit Wellen schlägt. Darum geht es: Tesla sei innovativ, habe aber kein Geld – Apple hingegen habe Geld, sei aber nicht innovativ – Apple brauche einen neuen Boss und Tesla-Chef Elon Musk sei der richtige Mann für diesen Job.

Karla Lant: „Eine interessante Idee und zum Vorteil für beide Seiten“

Für diese Feststellungen zitiert Lant zahlreiche Medienberichte, für die Sicht auf Apple – etwa Observer („Apples Zeitalter ist vorbei“), CNBC („Apple fehlt es an Innovation und kopiert“) und Forbes („Apples Kernproblem ist fehlende Innovationskraft“). Für die Sicht auf Tesla ebenso CNBC („Tesla verliert Geld. Warum sind sie dann mehr wert als Ford?“) oder Forbes („Warum Investoren Elon Musk lieben, obwohl Tesla Geld verliert“).

Apple mache zwar die Kunden „glücklich“, aber das sei nicht genug. Der frühere Innovator werde bereits von seinen einst abgehängten Widersachern überholt, so sei Microsofts Surface bei den Konsumenten schon beliebter als Apples iPad. Der Auto- und Akkuhersteller Tesla sei „unglaublich innovativ“ und transformiere unsere Gesellschaft in zahlreichen Sektoren, stets mit dem Anspruch, zukunftsorientierte und umweltfreundliche Technologie sowie gutes Design zu liefern. Hinter dem Elektroauto-Pionier Tesla, dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und dem Cyborg-Unternehmen Neuralink steht immer dieselbe Person: Paypal-Mitgründer und Milliardär Elon Musk.

Karla Lants Fazit: Apple werde sich in einer prekären Situation wiederfinden, wenn der Konzern nicht neue Weg gehe. Noch profitiere Apple von Samsungs Schwächen (Akku-Desaster), aber das werde nicht mehr lange anhalten. Apple müsse aus der Computer/Tablet/Smartphone-Welt ausbrechen und deshalb den vorsichtigen Strategen Tim Cook durch den „unstoppbaren Innovator“ Elon Musk ersetzen. Natürlich sei es extrem unwahrscheinlich, dass Cook aus freien Stücken zurücktrete – aber Apples Vorstand könnte eine solche Entscheidung treffen und Cook rauswerfen.

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Meinung: Elon Musk ist ein anerkannter Marketing-Gott und Impulsgeber – er würde Apple gut tun

Karla Lants Artikel ist kontrovers und hat in der GIGA-Redaktion eine kleine Diskussion ausgelöst: Ist dieser Vorschlag komplett bekloppt – oder hat die Autorin eine plausible Idee in die Welt gesetzt, die Apple in die nächste glorreiche Ära beamen könnte? Ich glaube an Letzteres.

Zunächst habe ich Lants Vision belächelt, denn es ist doch äußerst unwahrscheinlich, dass dies so eintreten könnte. Andererseits habe ich dann darüber nachgedacht und festgestellt, dass es hier nicht darum geht, die Zukunft präzise vorauszusagen. Es ist eher eine „Was-wäre-wenn“-Geschichte, verbunden mit einer Forderung, diese in der Realität anzustreben.

Ich schätze Tim Cook als sehr guten CEO ein, der Apples Position effizient und klug verteidigt und ausbaut. Eine beeindruckende Leistung, angesichts der erdrückenden Konkurrenz von allen Seiten. Aber: Cook ist ein Verwalter, ein rationaler, ruhiger Entscheider. Teslas Chef Elon Musk ist hingegen ein „Enfant terrible“, einer, der das größte Raumschiff aller Zeiten baut, wahnwitzige Wetten mit der australischen Regierung auf Twitter eingeht und Menschen zu Cyborgs machen will – selbstverständlich alles gleichzeitig.

Wegweiser statt Wächter

Elon Musk ist wortgewandt, omnipräsent, humorvoll und nicht zu bremsen. Dieser Berufsjugendliche und Technikfreak schafft es scheinbar mühelos im Wochenrhythmus in die weltweite Berichterstattung, regt branchenübergreifende Diskussionen über Technologie, Umweltschutz und die Zukunft der Menschheit an – er ist ein Marketing-Genie und Visionär. Wenn sich die namhaften Autohersteller auf einer Messe treffen, dann wird in den Hallen über Tesla gesprochen – ohne, dass Elon Musk überhaupt vor Ort ist.

Tesla als Teil von Apple und Elon Musk als neue Galionsfigur des Super-Konzerns – das ist eine faszinierende Idee. Dazu muss man nur akzeptieren, dass die Rolle eines amerikanischen CEOs nicht deckungsgleich ist mit dem hierzulande bekannteren „Vorstandsvorsitzenden.“ Ein CEO wie Musk würde nicht den vernünftigen Wächter über das Unternehmen darstellen – er wäre ein Präsident, ein Guru, ein Wegweiser. Einer, der sich nicht mit dem Tagesgeschäft befasst – das macht die Führungsmannschaft unter ihm –, sondern mit der Zukunft. Ja, man könnte sich nicht ausmalen, was dann als nächstes passiert und ob Apple alles verlieren wird oder am Ende doch alles gewinnt. Aber ohne dieses Risiko wird es nicht den großen Fortschritt geben, zu dem der Konzern in der Lage wäre.

Die Zukunft, das unentdeckte Land

Es geht nicht nur um das Wohl von Apple, sondern um viel mehr. Als wertvollstes Unternehmen der Welt, das zudem über exorbitante Geldreserven verfügt, hat Apple eine besondere gesellschaftliche Aufgabe: Diese Taskforce aus 110.000 hervorragenden Mitarbeitern muss mutig vorangehen, an Orte, wo noch nie zuvor jemand gewesen ist. Diese Truppe kann das damit verbundene Risiko tragen – denn: wer, wenn nicht Apple? Einer muss es tun.

Elon Musk schaut schon seit jeher in die Ferne ins unentdeckte Land. Er zeigt anderen Menschen den Weg dorthin und motiviert sie, mit ihm zu gehen. Er kann gar nicht anders – es ist seine Berufung.

Hier geht es zur Gegenmeinung „Elon Musk soll Apple-Chef werden? Dass ich nicht lache!“ von Kollege Kaan Gürayer.

Weitere Themen: Tim Cook, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , OS X Yosemite, Tesla

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