Apple verweigert sich Greenpeace-Umfrage

Sebastian Trepesch
57

“Green IT” ist im deutschen Mittelstand ein Thema, das weiterhin in der Popularität steigt. Doch die Augen der Öffentlichkeit richten sich meist auf die Branchengrößen, und die nahm Greenpeace unter die Lupe. 18 Unternehmen schickten ihr “grünstes” – will meinen: umweltfreundlichstes – Produkt auf Anfrage an die Umweltschutzorganisation. Drei Firmen verweigerten sich. Mit dabei: Apple Dabei hatte der Konzern aus Cupertino doch gar nicht viel zu befürchten. Oder doch?

Greenpeace gratuliert der Elektronikindustrie für die Fortschritte in Sachen Umweltschutz. Viele technische Hürden wurden bereits genommen. Allerdings weist die Organisation auch darauf hin, dass die Suche um umweltverträgliche Lösungen noch lange nicht beendet ist.

So lautet das kurze Fazit der Umfrage, die im Juni 2010 gestartet ist: Greenpeace lädt 21 führende Unternehmen der Unterhaltungsindustrie ein, an der dritten Untersuchung “Green Electronics Surveypdf 3,5 Megabyte) teilzunehmen. Dafür werden sie aufgefordert, ihre umweltfreundlichsten Produkte aus sechs Kategorien zuzuschicken, die Anfang 2011 auf dem Markt sind. 53 Produkte von 18 Firmen erhält Greenpeace.

Apple schickt kein Päckchen. “Sie lehnten es ab, teilzunehmen”, erklärt Tom Dowdall von Greenpeace gegenüber macnews.de, aber einen Grund hierfür weiß er auch nicht. Verwunderlich, da sich Apple doch die Umwelt auf die Fahnen geschrieben hat. Nicht verwunderlich, da das Unternehmen schon vorher die Unterstützung verweigerte.

Der Computer-Konzern dürfte auf Greenpeace nicht sonderlich gut zu sprechen sein: Im “Guide to Greener Electronics” arbeitete sich Apple von den hinteren Plätzen hoch – im vergangenen Herbst fiel der Hersteller von Platz 5 zurück auf 9.

Bei der Erhebung zum umweltfreundlichsten Produkt fackelte Greenpeace nicht lange: Von den fehlenden Unternehmen wählt die Umweltschutzorganisation selbst ein Produkt aus, das vom Hersteller möglichst umweltfreundlich beworben wird. In die Bestenliste kommen diese Geräte allerdings nicht.
Für Apple geht das Macbook Pro MC374 an den Start.

Die Kriterien, in denen sich die Produkte beweisen müssen:

  • Verwendung von gefährlichen Chemikalien
  • Energieverbrauch der Geräte
  • Produktlebenszyklus
  • Innovation und Marketing

In der Kategorie Notebook schaffte es das Asus UL30A mit 5,59 Punkten auf den ersten Platz, gefolgt von einem nordamerikanischen Panasonic-Laptop (4,72) Punkte. Das Toshiba Portege R700 und das Dell Latitude Z belegen den dritten und vierten Platz. An fünfter Stelle würde erst das MacBook Pro (4,44 Punkte) folgen – offiziell hat es Greenpeace nicht in die Liste aufgenommen.

Das MacBook Pro ist als einziges getestete Notebook PVC-frei, auch im Energieverbrauch ist es gut positioniert. Und hätte Apple alle Informationen eingereicht, hätte das Gerät eine Chance gegen das Asus-Modell gehabt, steht in der Studie geschrieben.

Generell ist noch viel Spielraum nach oben, auch mit den heutigen Technologien. Greenpeace entwarf für jede Kategorie ein “mögliches Produkt”, das die jeweils besten Detailnoten der teilnehmenden Produkte summiert. Dieses noch nicht existierende Notebook würde auf 8,39 von 10 möglichen Punkten kommen.

Insgesamt fällt das Ergebnis allerdings erfreulich aus: Gefährliche Chemikalien haben die Hersteller deutlich reduziert und nahezu alle Produkte entsprechen dem neuesten Energy Star Standard.

Damit ist seit dem letzten Produktranking von 2009 ein “großer Entwicklungssprung” geschafft worden. Zu einem “grünen” Produkt fehlt allerdings ein wichtiger Punkt: “Die Lebensdauer vieler Elektronikgeräte ist oft nur kurz und dadurch entstehen weltweit große Mengen Elektronikschrott”, erklärt Claudia Sprinz, Elektronikexpertin bei Greenpeace. “Nun müssen Geräte entwickelt werden, die langlebig und leicht reparierbar sind.”

Den Anwender würde es freuen.

Umweltschutz ist jedoch nicht nur bei großen Unternehmen ein Thema. Eine Studie der Software-Initiative kam im November 2010 zu dem Ergebnis, dass “Green IT” auch im deutschen Mittelstand bis 2015 in der Prioritätenliste kontinuierlich nach oben klettern wird – allerdings in Abhängigkeit zur Konjunktur. Für knapp ein Viertel der Befragten steht laut Studie die “grüne” Ausgestaltung der Informationstechnologie bereits jetzt ganz oben auf der Agenda. Bei weiteren 45 Prozent ist das Bewusstsein hoch, aber durch die vergangene Wirtschaftskrise sind die Prioritäten noch verschoben. Die Studie “Prognose 2011 – Konsolidierung und Green IT im deutschen Mittelstand” befragte 100 Führungskräfte mit 100 bis 500 Mitarbeitern, ohne Anspruch auf Repräsentativität.

Eine internationale Konferenz im März kann eine Plattform zu dem Thema Umweltschutz und Technik bieten: Die Ecosummit 2011 (ECO11) in Berlin will ein Gipfeltreffen der “Smart Green Economy” sein. Sie dient der Förderung von intelligenter grüner Ökonomie.

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz