Apple-Vize Tribble vor US-Kongress: Erklärungen zu Positionsdaten-Cache und Apples Datenbank

Florian Matthey
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Am gestrigen Dienstag stellte sich Bud Tribble, Apples Vize-Präsident für Software-Technologie ebenso wie Googles Chef-Lobbyist Alan Davidson den Fragen eines Ausschusses des US-Kongresses zu von Smartphones erfassten Positionsdaten. Tribbles Äußerungen gleichen denen, die Apple zuvor über ein offizielles Statement von sich gegeben hatte: Das Unternehmen erfasse nicht die Position seiner Kunden, die auf dem iPhone abgespeicherte Datenbank-Datei diene lediglich als Cache. Zu den technischen Einzelheiten verriet der Jobs-Vertraute allerdings einige weitere Details.

consolidated.db – nur eine Cache-Datei

Der US-Kongress hatte unter anderem auf Bestreben des demokratischen Senators Al Franken eine Anhörung im Unterausschuss für Privatsphäre, Technologie und Recht angesetzt. Tribble, ein langjähriger enger Mitarbeiter von Apple-CEO Steve Jobs, versicherte, dass Apple nie auf die auf iOS-Geräten abgespeicherte Cache-Datei zugegriffen habe – und somit auch nie die Position seiner Kunden verfolgt habe. Auch wenn die Datei consolidated.db nicht verschlüsselt war, konnten auch andere Anwendungen nie auf die mit root-Zugriffsrechten versehene Datei zugreifen. Die einzige Funktion der Datei sei die eines Cache, der dem iPhone dabei helfe, bei Bedarf schon seine ungefähre Position zu “kennen”, ohne erst auf Daten vom GPS-Empfänger warten zu müssen.

Tribble erklärt Funktionsweise von Cache-Datei und Apples Datenbank

Der Senator Franken sieht in dieser Aussage einen Widerspruch zu dem, was Steve Jobs zuvor in einem Interview mit All Things Digital erklärt hatte: Die auf dem iPhone abgespeicherten Daten entstünden über eine von Apple angelegte anonymisierte Datenbank, die Apple durch mehrere Millionen iPhones ermitteln lasse. Sie beträfen nur die Position von WLAN-Hotspots und Handy-Masten, wobei letztere über 100 Meilen entfernt sein könnten. Franken stellte Tribble die Frage, die sich in der Gesamtschau von Apples Aussagen zu consolidated.db aufdrängt: Wie kann es sich um eine Cache-Datei handeln, die dem iPhone dabei hilft, seine Position schneller zu ermitteln, wenn es sich doch nicht um Positionsdaten des iPhone selbst, sondern um Daten aus einer anonymisierten Datenbank handeln soll, die sich aus Daten vieler verschiedener iPhones zusammen setzt?

Tribble erklärte daraufhin, dass es sich bei den in Apples Datenbank abgespeicherten Daten um die Position zahlreicher WLAN-Hotspots und Handy-Masten handle. In dieser Datenbank befänden sich keinerlei Informationen zu einzelnen Kunden, sie sei vollständig anonymisiert. Wenn aber “ein Teil dieser Datenbank auf Ihr Telefon” übertragen werde, erhalte das Telefon Informationen darüber, mit welchen Hotspots und Handy-Masten es aktuell kommunizieren kann. Das iPhone könne also darüber, welche Hotspots und Handy-Masten gerade in seinem Umfeld sind in Verbindung mit Apples Datenbank, die in Teilen in den iPhone-Cache wandert, seine aktuelle Position ermitteln, um bei Bedarf schneller als nur mit dem GPS-Empfänger zu reagieren. Die Daten über Hotspots und Handy-Masten selbst erfasst Apple als Statistik für einen Verkehrs-Dienst, an dem das Unternehmen arbeitet.

Tribble: Apple setzt auf Transparenz

Tribble verwies weiter darauf, dass Apple seinen Kunden viel Transparenz biete: Der Kunde müsse jeder App erst erlauben, auf die Positionsdaten des iPhones zuzugreifen. Wenn eine App auf diese Zugreife, erscheine ein kleines Symbol in der oberen Leiste der Benutzeroberfläche. Auch habe Apple mit der Veröffentlichung des iOS-Updates 4.3.3 schnell auf die Schwachstellen des bisherigen Systems reagiert – nunmehr sei die Cache-Datei kleiner, das iPhone übertrage sie bei einer Synchronisation nicht mehr auf den Computer, beim Ausschalten der Positionserfassung lösche das Betriebssystem die Datei komplett.

Auf Frankens Frage, ob es im App Store klare Privatsphäre-Regeln geben sollte, verwies Tribble erneut darauf, dass es am besten sei, den Benutzer über Meldungen oder Symbole auf dem Bildschirm darüber zu informieren, auf was eine App aktuell zugreife. Privatsphäre-Bestimmungen würden Benutzer ohnehin nicht lesen.

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