Apple vs. Amazon: Die wahren Konkurrenten

Flavio Trillo
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Apple hat eine Reihe von Wettbewerbern. Als erstes denkt man da vielleicht an Google. Oder Samsung. Oder sogar Microsoft. Was das iPad angeht, fällt einem möglicherweise noch Asus ein, aber ob Amazon auf Anhieb dabei wäre?

Apple vs. Amazon: Die wahren Konkurrenten

Früher, erklärt Ron Adner vom Dartmough College in Hanover (im US-Bundesstaat New Hampshire, nur wenige Kilometer von Lebanon entfernt), sei es allein das Produkt gewesen, mit dem die Platzhirsche aller Branchen sich behaupten konnten. Ein toller Trecker oder ein ausgeklügeltes Abwassersystem waren ausreichend, die Gunst der Kunden zu erheischen.

Ökosysteme über Alles

Heute sehe das anders aus. Geräte verhelfen nur zusammen mit Lösungen, Ökosystemen und Partnerschaften zum Erfolg. Durch die Beigabe wertvoller Dienstleistungen und Systeme erhöhe sich der Wert eines Produktes für den Konsumenten.

Praktisches Beispiel: Als Apple das iPhone präsentierte, war das Smartphone nicht als separates, eigenständiges Erzeugnis zu sehen, sondern als zusätzlicher Teil eines bereits bestehenden Systems. iPod und iTunes bildeten die Basis, auf der das iPhone aufsatteln konnte. „Durch die Übertragung von Elementen aus dem iPod-Ökosystem hat Apple dem iPhone einen fliegenden Start verpasst“, so Adner.

Andere Hersteller versteifen sich seiner Meinung nach noch immer zu sehr auf das Angleichen der Hardware-Kapazitäten. Megahertz und Gigabyte sind aber nicht der einzige Maßstab, den der Kunde bei seiner Kaufentscheidung anlegt. Im Gegenteil, bisweilen erreichen sogar vermeintlich „untermotorisierte“ Gerätschaften recht stattliche Verkaufszahlen.

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Amazon Kindle Fire: Feuer unterm iPad-Hintern

So etwa der Amazon Kindle Fire. Vergleichsweise wenig Speicherkapazität, ein durchschnittlich begabter Prozessor, nicht eine einzige Kamera weit und breit — und das soll ein iPad-Konkurrent sein? Auf den ersten Blick scheint es nicht so, als würde auch nur ein einziger Kunde ernsthaft den Kindle Fire in Erwägung ziehen, wenn er die nötigen Mittel für ein iPad parat hat.

Doch das Angebot ist offenbar verlockend: Ein günstiges Tablet, das die Möglichkeit bietet, sämtliche eBook-Einkäufe bei dem Anbieter zu übernehmen. Günstig deswegen, weil Amazon erhebliche Einbußen bei den Umsätzen in Kauf nimmt, um die Verkaufspreise möglichst gering zu halten. Das bekamen auch die Aktionäre zu spüren.

Derartige Investitionen sind das Sprungbrett, das Amazon benötigt, um im Tablet-Markt von Beinahe-Null auf eine iPad-gefährdende Position zu gelangen. Dabei kommen, wie bereits vielfach bemerkt, zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle zum Einsatz.

Amazon spielt auf Zeit

Amazon verlässt sich darauf, über die Lebensdauer des Produkts hinweg die nötigen Umsätze einzufahren. Zusammen mit seinen Content-Partnern aus der Buch-, Musik- und Filmindustrie.

Apple verdient schon in dem Moment, in dem der Kunde seine Kreditkarte durch das Lesegerät im Apple Store zieht. Die beiden Philosophien lassen sich, so Adner, zu folgenden Aussagen stilisieren.

Apple: „Ich verdiene jetzt, Du später… vielleicht“
Amazon: „Wir verdienen zusammen im Laufe der Zeit“.

Alle anderen versuchen weiterhin, wie ein kleines Kind die Konsumenten am Rockzipfel zu ziehen, um ihre fantastischen Produkte vorzuzeigen. Ob ein rein Hardware-basiertes Portfolio dabei mittel- und langfristig wird überzeugen können, bleibt fraglich.

Weitere Themen: iPad 3, Amazon Kindle Fire Tablet , Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , Amazon

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