Apple vs. Android: Wo geht die Reise hin?

Flavio Trillo
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All die Rechtsstreitigkeiten zwischen Apple und diversen Herstellern von Android-Smartphones und -Tablets haben eins gemeinsam: Sie lassen ahnen, was mit dem mobilen Google-OS passieren könnte, sollten die Gerichte dem Mac-Hersteller Recht geben. Android wird nicht etwa teurer, sondern verschwindet einfach.

Wer die Rechte an einem Patent besitzt, kann anderen Produzenten erlauben, die geschützte Technologie zu verwenden, oft gegen eine Lizenzgebühr. Er muss es aber nicht. Sollte sich herausstellen, dass Apple über Patente an zentralen Android-Technologien verfügt, könnte es für Google bald düster aussehen.

Betrachtet man die Entwicklung der Anteile am Mobil-OS Markt innerhalb der letzten Monate, zeigt sich ein deutlich wahrnehmbarer Trend. Android wird stärker, hierzulande zwar nicht so stark wie in den USA, aber Wachstum ist nahezu überall feststellbar. Auch wenn einige Beobachter davon ausgehen, dass die Kurve bald ihren Hochpunkt erreicht hat: Samsungs Galaxy S2, sein Vorgänger das S1 sowie HTCs Desire-Modelle verkaufen sich sehr gut und Android gewinnt an Boden.

Ebendiesen trachtet Apple nun aber, ihm wieder unter den Füßen wegzuziehen. Im Prozess gegen HTC hat das Unternehmen aus Cupertino bereits erste Erfolge verbuchen können. Die Richter der ITC bestätigten Patentverletzungen des Herstellers aus Taiwan. Dessen Verhandlungsposition schien zunächst gestärkt durch Apples Verletzungen diverser Rechte von S3 Graphics, die jetzt HTC gehören. Allerdings dürften die Verletzungen einfach zu beseitigen und die Patente zu schwach sein um erneute Verhandlungen mit Apple zu erzwingen.

Das Ergebnis wird allem Anschein nach also folgendes sein: Die Gerichte bestätigen Apples Position, Inhaber von Patenten zu sein, die HTC mit seinem Smartphones widerrechtlich verletzt hat. Daraufhin gibt es zwei Handlungsalternativen für Cupertino. Man könnte HTC erlauben, die Produktion und den Verkauf der Geräte gegen eine Lizenzgebühr fortzuführen. Ganz ähnlich könnte es im Streit mit Samsung enden, wenn Apple einmal erfolgreich gegen HTC vorgegangen ist.

Doch das ist eigentlich nicht Apples Geschäftsmodell. “Wir sind innovativ. Wir schaffen Neues.” So wird Steve Jobs zitiert und seine Haltung dürfte auch in dieser Sache ausschlaggebend sein. Warum sollte Apple anderen erlauben, Konkurrenzprodukte auf den Markt zu bringen, wenn es die Möglichkeit hat, dies zu verhindern? Die Einnahmen aus Lizenzgebühren wären möglicherweise enorm hoch.

Fragte man die Entscheider bei HTC und Samsung, was sie geben würden um Apple zu besänftigen – sicher würden hübsche Sümmchen zusammen kommen. Nichts aber, was Apple angesichts seiner üppigen Reserven sowie stets rekordverdächtiger Bilanzen interessieren muss. Geld braucht Steve Jobs wirklich nicht.

Also wird er von seinem Recht Gebrauch machen, die Verwendung geschützter Technologien schlicht zu verbieten. Klappe zu, Affe tot, sozusagen. Damit wären die beiden profitabelsten Android-Hersteller von einem Tag auf den anderen erheblich eingeschränkt. Ende der Fahnenstange? Nicht ganz, denn der “Endgegner” ist bisher noch nicht einmal direkt anvisiert.

Google selbst wird sich früher oder später darauf einstellen müssen, ebenfalls Ziel der Anwälte mit dem Apfellogo auf ihren Aktentaschen zu werden. Viele der umstrittenen Patente befassen sich mit Methoden oder Technologien, die tief im Kern des Android-Systems stecken und die von Geräte-Herstellern nicht so leicht durch eigene, unverfängliche Systeme ersetzt werden können.

Warum ist Apple nicht von vorn herein direkt gegen Google vorgegangen? Jeden Hersteller einzeln ausschalten, einem nach dem anderen von den Gerichten ein Import-Verbot auferlegen zu lassen, das ist sehr viel wirksamer. Würde Apple gegen Google vorgehen, könnten die Produzenten reagieren und sich zusammenschließen um den Untergang ihres Erfolgsgaranten Android zu verhindern. So kämpft jeder für sich selbst und hofft, möglichst ungeschoren aus dem Scharmützel mit Cupertino davon zu kommen.

Google wird sich kaum mit bewährten Mitteln verteidigen können, da es selbst nur über etwa 600 Patente verfügt. Zwar mangelt es auch in Mountain View nicht an Geld, die Prozesse könnten also bezahlt werden. Nur hilft der schnöde Mammon nicht gegen einen Rechteinhaber, der seine Patente nicht lizenzieren möchte.

Im Interesse eines für alle Beteiligten spannenden Wettbewerbs ist das alles andere als wünschenswert. Ganz unabhängig davon, welches System man nun vorzieht – wer Androids Untergang als Utopie herbeisehnt, wird überrascht sein, wie gesund Konkurrenz wirklich fürs Geschäft ist. “Die ich rief, die Geister.”

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