Apple vs. Rest der Welt: Galaxy Tab, PlayBook, Barbie

Flavio Trillo
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Erfolge kann Apple an den unterschiedlichsten Fronten verbuchen. Macs und iOS-Geräte verkaufen sich je nach Region entweder wie geschnitten Brot oder warme Semmeln, die Gier nach Touch Displays macht es der Konkurrenz schwer, den eigenen Bedarf zu decken und die chinesische Mittelschicht prügelt sich um die Produkte in den Stores von Beijing und Shanghai. Dabei versuchen Mobilfunkanbieter alles, iPad-Wettbewerber unter die Leute zu bringen.

Bereits im Januar sahen sich Verizon Wireless und Sprint Nextel in den USA gezwungen, die Preise für das Samsung Galaxy Tab zu senken. Jetzt kostet der Tablet-Rechner in Verbindung mit einem Zweijahres-Vertrag nur noch 199,99 US-Dollar im Vergleich zu 299,99, beziehungsweise 499,99 US-Dollar. Marktführer AT&T bietet das Tab nach einer Preissenkung um 100 US-Dollar zu Beginn des Jahres weiterhin für 549,99 US-Dollar an, berichtet Bloomberg.

Zwar sehen die Analysten durchaus einen fruchtbaren Markt für die subventionierten 3G-Modelle. Allerdings seien WiFi-Tablets nach wie vor günstiger, wenn man die Kosten für den mobilen Internetzugang mit dem Kaufpreis für das Gerät addiert. Im Laufe der Zeit werde zudem die steigende Verbreitung dazu führen, dass der Druck auf die Mobilfunkanbieter steigt, attraktive Tarife zu präsentieren.

Rückschläge müssen auch andere Hersteller hinnehmen, wie etwa im Fall von Research in Motion (RIM) aus Kanada. Der BlackBerry-Hersteller musste

den Start seines iPad-Konkurrenten PlayBook Quellen aus der Touch-Panel-Industrie zufolge unter anderem wegen Apple verschieben. Der Komponenten-hungrige Mac-Macher hat mit seinen Bestellungen angeblich 60 Prozent der weltweiten Kapazitäten für Touch-Displays belegt.

Das PlayBook sollte ursprünglich im Februar erscheinen, Interessenten wurde dann aber in mehreren Schritten auf den 19. April vertröstet. Auch zu diesem Datum sei das RIM-Tablet noch ein “Frühchen“, da es dem Hersteller bis dahin nicht gelingen werde, das eigene E-Mail-Programm zu implementieren.

Apple sichert sich also durch seinen schieren Bedarf an Teilen den Vorteil, früher und schneller an den Kunden zu gelangen. Dieser Bedarf dürfte sich innerhalb der nächsten Jahre erheblich steigern, wenn das Unternehmen den potenten chinesischen Markt weiter erschließt. Apple-Analyst Gene “Der Guru” Munster bescheinigt dem Elektronikkonzern eine rosige Zukunft, falls er es schafft, die immer zahlungskräftigere chinesische Mittelschicht für sich zu gewinnen.

Dabei sei man bereits auf einem guten Weg. Die vier Apple Stores in Beijing und Shanghai sind stets gut gefüllt. Bisweilen nimmt der Enthusiasmus sogar etwas überhand und die Filiale in Sanlitun, Beijing musste kurzzeitig wegen Schlägereien unter den Kunden geschlossen werden. In China sei man nicht an das Service-Niveau gewöhnt, das einem Store-Mitarbeiter und Genius Bar bieten, so James Roy von der China Market Research Group gegenüber MercuryNews.com.

Andere Elektronikmärkte glänzen kaum durch hilfsbereite Angestellte oder gar eine ansprechende Atmosphäre in den Geschäftsräumen. Die Strategie Apples, die bereits in vielen Ländern der Erde erfolgreich zum Einsatz kommt, funktioniert also auch im Land der Mitte. Anderen großen Unternehmen sei diese Übertragung ihrer Konzepte auf den chinesischen Markt nicht so gut gelungen. So mussten die in den USA sehr erfolgreichen Ketten BestBuy und Home Depot ihre Tore schließen, unweit des Apple Store im boomenden Finanzdistrikt von Shanghai.

Ähnlich ging es auch Mattel. Der Spielzeug-Konzern schloss kürzlich seinen örtlichen Barbie-Store. Offenbar wollte die überwiegende Masse der 19 Millionen Einwohner der Metropole keine dürren blonden Puppen kaufen.

Doch auch Apple werde seine Erfolge nicht ganz ohne Anpassungen erreichen, merkt Munster an. Um noch einen größeren Teil der Mittelschicht zu erreichen, bedürfe es einer erweiterten Produktpalette.

Zwar steige die Zahl derjenigen Chinesen, die über überschüssiges Einkommen verfügen, das sie für Unterhaltungselektronik ausgeben können. Viele der

300 Millionen Menschen dieser Kategorie werden jedoch durch die relativ hohen Anschaffungspreise von iPad und iPhone abgeschreckt. Das berüchtigte iPhone nano könnte hier Abhilfe schaffen.

Mit solchen Maßnahmen könnte der chinesische Markt, der aktuell etwa 2 Prozent des gesamten Umsatzes ausmacht, seinen Anteil auf 10 Prozent steigern, so Munster. Diese Werte schließen Taiwan und Hong Kong aus und beziehen sich ausschließlich auf das so genannte “chinesische Festland” (auch wenn Hong Kong nur eine Halbinsel ist). Im vergangenen Quartal machte “Gesamtchina” (inklusive Taiwan und Hong Kong) bereits 2,6 der 26,74 Milliarden US-Dollar Umsatz aus – ein Sprung um das Vierfache im Vergleich zum Vorjahr.

Bilder: Gigaom, MicGadget.

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