Apple: Wohin mit dem ganzen Geld (II)

Ralf Bindel
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Wieder ein Rekordquartal für Apple und wieder kurz vor dem Sprung, Exxon als wertvollstes Unternehmen der Welt zu überholen. Apple ist reich: 97 Milliarden US-Dollar besitzt der Konzern in bar. Doch wohin mit dem ganzen Geld?

Apple: Wohin mit dem ganzen Geld (II)

97,6 Milliarden US-Dollar, das muss man sich mal vorstellen. Apple ist das zweitwertvollste Unternehmen der Welt hinter dem Ölmulti Exxon Mobil, es fehlen nur noch zwei Milliarden. Wer hätte das vor fünf Jahren noch gedacht, als Apple mit einem spärlich ausgestatteten iPhone unter die Smartphone-Hersteller rückte?

Die Zeiten haben sich geändert. Tim Cook geht schon jetzt in die Geschichte als erfolgreichster Apple-CEO aller Zeiten ein. Nie zuvor machte Apple mehr Geld als mit ihm. Vier Monate nach Steve Jobs Tod steht Apple besser da, als je zuvor.

Der Buchhalter-Typ Tim Cook ist zum großen Teil verantwortlich für den kommerziellen Erfolg von Apple. Er organisiert das Unternehmen straff, hält die Produktpalette eng, prägt die Vereinbarungen mit den Zulieferer, sorgt für ausreichende Kapazitäten und bezahlt bar und im voraus.

Erstmals hat Tim Cook nun von den immensen Gewinnen auch offiziell etwas an seine Angestellten weitergegeben: Der Bonus ist ein Gutschein für den um 500 US-Dollar vergünstigten einmaligen Mac-Einkauf im eigenen Haus. Cook selbst wurde im letzten Jahr mit 377 Millionen US-Dollar belohnt. Aktion-Optionen gibt es auch für andere Führungskräfte des Unternehmens. Und erstmals ist auch die Rede davon, dass Apple Aktieninhaber mit einer Dividende am Erfolg beteiligen könnte.

Doch selbst höhere Löhne für die Apple-Angestellten, größere Bonus-Zahlungen und Dividende würden die Barbestände von Apple um höchstens ein paar Milliarden schmälern.

Was also tun mit dem riesigen Vermögen, dass Apple angesammelt hat? Von Apple selbst kommt traditionell dazu nicht mehr als „wir sprechen intensiv über den besten Nutzen.“ Die meisten Beobachter nehmen an, dass dahinter eine Akquisitionsstrategie steckt, doch weder CEO Tim Cook noch Finanzchef Peter Oppenheimer führen das näher aus, außer, dass Apple das Geld in der Vergangenheit „weise“ verwendet hätte und das auch in Zukunft tun würde.

 

Die Übernahmen der letzten Jahre haben das Vermögen kaum geschmälert, aber sich auch für den Nutzer kaum bemerkbar gemacht. Das waren der Karten-Spezialist Placebase, der 3D-Karten-Macher C3 Technologies, der Online-Service LaLa. Von den kürzlichen Akquisitionen Siri und dem Flash-Speicher-Hersteller Anobit haben die Kunden mehr.

Die Vorschläge, die angesichts der jüngsten Quartalszeiten von den US-amerikanischen Magazinen kommen, sind gut gemeint:

Apple könnte Griechenland beim kompletten Schuldenabbau helfen, schlägt Bloomberg vor. Das Vermögen würde ausreichen, um Unternehmen wie Flugzeugbauer Boeing oder Aluminiumgigant Alcoa zu übernehmen. Apple könnte auch 2000 Tonnen Gold kaufen, meint Bloomberg.

Die Financial Times Deutschland nimmt die Barschaft ernst und plädiert für eine Ausschüttung an die Aktieninhaber. Andere wünschen sich eher weitere Investititonen in Forschung und Entwicklung, schließlich könne der Apple-Technologie-Trend auch mal einbrechen, siehe Nokia und RIM.

Im letzten Jahr spekulierten wir noch an gleicher Stelle und unter gleichem Titel, dass Apple auch Facebook und Sony übernehmen könne. Beides hat sich wohl erledigt: Facebook passt einfach nicht zu Apple und Sony hat kaum noch etwas zu bieten, außer Kameras und Playstation, die Gewinne sind gesunken.

Nein, Apple wird wohl weiterhin kleine, innovative Fische fangen, die das technologische Vermögen bereichern können. Das könnten zum Beispiel Fernseh- oder Bildschirm-Experten sein, wie Loewe, Prozessorhersteller wie ARM, an denen Apple aber bereits mit 43 Prozent beteiligt ist, oder ein Glashersteller wie Corning, bekannt durch das Gorilla Glas.

Tatsächlich, wie wäre es mit Corning? 6,6 Milliarden US-Dollar Umsatz ist der Glashersteller schwer, das würde das Portemonnaie etwas leichter machen. Displays, Glasfaser, keramische Katalysatoren und ein paar Spezialgläser, das passt alles auch zu Apple. Apple würde an der Verbreitung von Gorilla Glas auch in anderen Smartphones, Samsung-Smart-Windows und gläsernen Bushaltestellen oder zukünftigen Photovoltaikfenstern mitverdienen.

Klar, Apple könnte auch eine Apple-University einrichten und die besten Kräfte der Welt dort für ebensolche Lösungen finanzieren. Apple könnte auch in den post-revolutionären arabischen Ländern ein Zeichen setzen und dort Fabriken aufbauen. Die ganze Barschaft würde sogar reichen, um Foxconn (Umsatz 60 Milliarden US-Dollar 2008) zu übernehmen. Und schon ein nur kleiner Teil würde ausreichen, um dort und anderswo die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Was meint Ihr, wie Apple mit seinem Vermögen umgehen sollte?

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