Apples Abo-Modell: Bundeskartellamt verzichtet auf genaue Prüfung

Flavio Trillo
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Die Ablehnung der Sony Reader App machte zu Beginn des Monats deutlich, dass Apple im App Store keine Anwendungen mehr duldet, die für Abo-Angebote nicht den In-App-Kauf nutzen. Daraufhin bereiteten die Verlage sich auf eine Offensive vor und Apple lenkte ein. Doch nur zum Teil, denn wie Steve Jobs erläutert, ist die In-App-Funktion weiterhin Pflicht. Allerdings dürfen die Anbieter parallel auf ihre eigenen Webseiten verweisen. Diese Politik stößt den Kartellbehörden in den USA sauer auf und auch die europäische Kommission beobachtet Apple genau. Das Bundeskartellamt sieht dagegen keine Veranlassung für eine verstärkte Kontrolle dieser Geschäftspraxis.

Von Quellen, die mit den Interna der Federal Trade Commission (US-Kartellamt) vertraut seien, will das Wall Street Journal von einer genauen Beobachtung Apples durch die FTC erfahren haben. Gemeinsam mit dem Justizministerium interessiere man sich insbesondere für das neue Abonnement-Modell über den App Store, mit dem Steve Jobs die Verlage kürzlich in ungestüme Aufregung versetzte. Wie gewohnt trachtet Apple nach einer möglichst umfassenden Kontrolle über alles, was auf iOS Geräten vor sich geht. Ob dieses Streben gegen kartellrechtliche Vorschriften verstößt, bleibt auf verschiedenen Ebenen zu prüfen.

Auch die europäische Kommission beäuge die Richtlinien und deren Anwendung durch Apple bereits kritisch, wie eine Sprecherin gegenüber dem Wall Street Journal mitteilte. Schon wegen der fehlenden Unterstützung von Flash-Inhalten war das Unternehmen im Sommer des vergangenen Jahres ins Visier der Wettbewerbskommissarin geraten. Insgesamt ist man in Brüssel über die restriktive Natur des iOS-Ökosystems offenbar nicht gerade begeistert.

Das gilt neben der europäischen Kommission außerdem für die belgische Regierung, die kürzlich ihre Wettbewerbsaufsichtsbehörde mit einer Untersuchung beauftragte. Man wolle, angeregt durch den belgischen Wirtschaftsminister prüfen, ob Apples Richtlinien gegen geltendes Recht verstoßen.

Abgesehen von der Prüfung durch europäische, belgische und US-amerikanische Behörden könnte Steve Jobs auch eine Untersuchung durch das deutsche Bundeskartellamt ins Haus stehen. Nach Angaben eines Sprechers gegenüber macnews.de gibt man sich dort jedoch aktuell mit der routinemäßigen Marktbeobachtung zufrieden. Förmliche Verfahren gegen Apple seien nicht eingeleitet, auch von einer besonders kritischen Beobachtung, wie sie offenbar durch die europäische Kommission erfolgt, könne keine Rede sein.

Derweil konterte Google bereits mit einem betont offenen System namens One Pass. Bei diesem Modell ist es möglich, digitale sowie Print-Abonnements unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig wird den Verlagen nicht vorgeschrieben, auf welchem Weg sie ihre Kunden gewinnen. So geht Google einem der wichtigsten Kritikpunkte der Medienvertreter gegen Apple geschickt aus dem Weg.

Ob das genügt um die Verlage nach Mountain View zu locken, hängt stark von dem Wachstum des Marktanteils von Android-Tablets ab. Dieser schoss jüngst dank diverser Neuvorstellungen im Tablet-Bereich von 2,3 auf 21,6 Prozent im vierten Quartal 2010. Sollte das nächste Quartal ähnliche Wachstumsschübe bringen, könnte sich die Lage für Apple erheblich entschärfen. In diesem Fall bestünde für die Verlage nämlich keinerlei Veranlassung mehr, in iOS das einzige Heilmittel für ihre kriselnden Branche zu sehen.

Es sieht also nach einem harten Frühling für Apple aus. Das für die kommenden Wochen erwartete, sagenumwobene iPad 2 könnte genau der warme Übergangsmantel sein, den das Unternehmen für eine erfolgreiche Bewältigung dieser kritischen Phase dringend braucht.

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