Apples Anti-Plagiats-Team: Viagra-Fahnder im Auftrag Cupertinos

Flavio Trillo
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In China boomt das Geschäft mit Nachbildungen beliebter Unterhaltungselektronik. Allen voran stehen Apple iPad und iPhone. Die Behörden interessiert das scheinbar wenig, sie verfolgen Verstöße gegen Urheberrechte zumeist nur gefühlt und erst nach mehrfachen Anstößen. Schon 2008 hat Apple daher die “SOKO Plagiate” gegründet und beschäftigt darin ehemalige FBI-Agenten.

Dokumenten von WikiLeaks zufolge gab es in der US-amerikanischen Botschaft in Beijing Informationen über verstärkte Bemühungen Apples, den Plagiaten auf die Schliche zu kommen und Kopisten den Garaus zu machen. Zu diesem Zweck stellte das Unternehmen ein spezielles Ermittlungsteam zusammen, dessen Mitglieder unter anderem vom Pharmakonzern Pfizer kommen.

Viagra-erprobte Ermittler: Von Pfizer abgeworben

Wie CNN berichtet, ist John Thierault der Chef der Gruppe. Er war bereits für Pfizer im Einsatz und spürte in Asien Hersteller von Viagra-Generika ohne Lizenz auf – die Gegend ist ihm also nicht fremd. Davor war er als Agent der US-Bundespolizei FBI tätig. Ein ehemaliger Kollege von Thierault, Don Shruran, arbeitet jetzt ebenfalls für Apple und zwar in Hong Kong.

Er habe sich kritisch über die Menge der in China produzierten Kopien von Apple-Geräten geäußert. Außerdem fürchte er die mangelnde Erfahrung, die Apples Anwälte im Umgang mit chinesischen Behörden hätten, so das von WikiLeaks veröffentlichte Botschafts-Memorandum. Besonders in der Gegend um Guangdong floriere der Handel mit gefälschten iPhones, iPads und iPods.

Industrie-Spionage: Nachbauten als eingebautes Risiko

Hier ist das Problem nicht die Eröffnung falscher “Apple Stores” ohne offizielle Erlaubnis. Vielmehr entwenden Mitarbeiter der in der Provinz ansässigen Foxconn-Fabriken wertvolle Einzelteile, die sie anschließend nachbauen lassen um die Resultate als “Echt-Original-iPhone” oder ähnliches zu verkaufen. Dieses Risiko gehen die Hersteller aus dem Westen ein, wenn sie ihre Produkte in Asien fertigen lassen, meint Lilach Nachum, Wirtschaftsprofessor am Baruch College in New York.

“Das gehört einfach dazu. Nicht nach China zu gehen, kommt nicht in Frage”, so Nachum weiter. “Niemand könnte sich das leisten”. Shruhan habe im Kampf gegen die Kopisten bewährte Methoden eingesetzt, die bereits für Pfizer zu einigen Erfolgen geführt hätten. Zunächst konzentrierte man sich auf die Straßenverkäufer. Anschließend arbeitete man mit der Polizei zusammen um die Produzenten lahm zu legen. Zuletzt wurden die Online-Händler ins Visier genommen.

Lahmende Strategien: Bei den Behörden hakt es

Besonders das Aufgreifen von Händlern in den Straßen chinesischer Großstädte sei für Apple ratsam, so der Sicherheitsexperte, da es kaum Aufmerksamkeit errege. Allerdings mangele es an Effektivität, nicht zuletzt auch wegen fehlender Kooperation der chinesischen Behörden. Als es um gefälschte und potenziell lebensgefährliche Medikamente ging, habe man verständlicherweise mehr Unterstützung erfahren. Eine nachgebauter iPod ist weniger brisant.

Apple habe also versucht, die Regierung mit ähnlichen Argumenten zu überzeugen, wie es zuvor bereits Pfizer und anderen gelungen war. Batterien von MacBook-Imitationen könnten explodieren und Menschen verletzen, so die Begründung für ein möglichst schnelles Eingreifen zur Schließung einer Fertigungsstätte. Doch die Behörden lag der örtliche Arbeitsmarkt stärker am Herzen als Apples Interesse an der Verfolgung von Plagiaten. Anderswo sei man auf Granit gestoßen, da die offiziellen Stellen befürchteten, die Durchsuchungen könnten potentielle Kunden abschrecken.

Kleine Erfolge: Wenig Action, wenig Publicity

Keine Razzien, keine Unterstützung, statt dessen Trägheit und Opportunismus seitens der chinesischen Regierung und ihrer Exekutive. In diesem Licht scheinen die jüngsten Meldungen über geschlossene “Apple Stores” besonders bemerkenswert. Hier waren sogar die Mitarbeiter davon überzeugt, für den Hersteller höchstpersönlich zu arbeiten.

FBI und Viagra-Fahnder konnten also möglicherweise nach drei Jahren die ersten Erfolge vorweisen. Doch statt abenteuerlichen, gefährlichen und Action-reichen Jagden nach iPod-Dealern scheint die Arbeit der Sicherheitsexperten in Asien sich auf ein ermüdendes, zähes Verhandeln mit örtlichen Behörden und der Regierung zu beschränken.

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