Apples App Stores: Kopfzerbrechen über kostenpflichtige Upgrades

Holger Eilhard
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Ein Teil der klassischen Welt der Software-Entwicklung lebt davon, dass Kunden für ihre benutzten Anwendungen die Entwickler bezahlen. Gibt es große Weiterentwicklungen an einer bestehenden App, wie es neudeutsch heißt, so wird der Kunde für das Upgrade erneut zur Kasse gebeten. Diesen Weg bietet Apples App Store nicht und sorgt damit für Unmut bei Entwicklern und Kunden.

Anstoß der aktuellen Diskussion war ein Blog-Post von Wil Shipley, in dem der langjährige Apple-Entwickler die Situation anhand seiner Anwendung Delicious Library beschreibt und sich die klassischen bezahlten Upgrades wünscht. Er schildert diverse Probleme, die Apples aktuelle App-Store-Limitierungen mit sich bringen und damit entweder Entwickler oder Kunden unglücklich machen.

Aktuell ist es so, dass ein Entwickler seine Anwendung im App Store anbietet und dann immer wieder kleinere Updates und Bugfixes veröffentlicht. Hier ist es klar, dass weder Entwickler noch Kunde davon ausgehen, dafür gesondert zahlen zu müssen. Wenn es aber um große Versionssprünge geht, in welche die Programmierer viel Zeit und damit Geld investiert haben, ist es im klassischen Software-Modell so, dass dafür Geld verlangt wird.

Käufer gehen nicht davon aus, dass beispielsweise ein Update von Photoshop CS 5 auf Photoshop CS 6 kostenlos ist. Es gibt also unter bestimmten Voraussetzungen Upgrade-Preise. Diese Möglichkeit existiert aber eben nicht in Apples App Stores.

Firmen benötigen diese Einnahmen von bestehenden Kunden, um derartige Upgrades überhaupt veröffentlichen zu können, die nicht nur Bugfixes, sondern möglicherweise viele neue Funktionen beinhalten. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Anwendung so umfangreich und gereift wie Photoshop CS6 ohne kostenpflichtige Upgrades heute an dem Punkt sein könnte, an dem sie ist.

Im iOS App Store wiegt dieses Problem bislang nicht so schwer, da die Apps in der Regel nur wenige Euro kosten und damit sehr günstig sind. Im Mac App Store und den dort angebotenen Anwendungen, die teilweise mehrere hundert Euro kosten, sorgt dieses Problem bei den Entwicklern aber für Kopfschmerzen.

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Alternativen zu kostenpflichtigen Upgrades

Auf der Suche nach einer Alternative für das Fehlen kostenpflichtiger Upgrades, haben Entwickler mittlerweile einige Möglichkeiten gefunden, die aber mitunter alles andere als optimal sind. Ein Weg ist das Veröffentlichen einer neuen App mit angehängter Versionsnummer, wie es etwa Loren Brichter mit seinem Twitter-Client Tweetie und dem Nachfolger Tweetie 2 getan hat.

Dies sorgt bei den Käufern allerdings dafür, dass sie zum einen erneut den vollen Preis zahlen müssen – und sich, wie Promi Alyssa Milano, öffentlich darüber aufregen 3 Dollar auszugeben. Zum anderen sehen potentielle Käufer, die nach einer bestimmten App suchen, eine möglicherweise lange Liste mit verschiedenen gleichnamigen Apps.

 

Die offensichtliche Lösung für dieses Problem: Der Entwickler entfernt die alte App aus dem App Store. Damit verliert er aber die Möglichkeit seine Kunden, die diese Version weiterhin verwenden, im Fall der Fälle mit Bugfixes zu versorgen. Eine weitere Sackgasse, die weder Kunden noch Entwickler wirklich glücklich macht.

Gleichzeitig gibt es aufgrund von Apples Sandbox, die die Einstellungen der Apps umzäunt und diese somit ohne Umwege, wie etwa über Dropbox, von außen nicht zugänglich sind, keine Möglichkeit, einfach von einer alten auf eine neue App upzugraden, wenn die betroffene App kein einfaches Update war.

Manche Unternehmen wie etwa Rovio, das diverse Angry-Birds-Versionen in den App Stores anbietet, haben die Möglichkeit, um das Problem herum zu entwickeln. Für Angry Birds haben sich die Entwickler dazu entschieden, verschiedene Varianten der mehr oder weniger gleichen Spiel-Idee zu veröffentlichen. Die kostenlosen Updates dieser Titel bringen gelegentlich neue Level oder beheben kleinere Probleme.

Die dritte Variante, die Unternehmen nutzen, um von existierenden Kunden zu profitieren und nicht nur auf das Wachstum der Plattform angewiesen zu sein, sind In-App-Käufe und Abos.

Diese Möglichkeit hat etwa Vemedio für die neue Version von Instcast gewählt. Für existierende Käufer ist das Upgrade auf Version 2.0 kostenlos, Neukunden zahlen den nun reduzierten Preis von 79 Cent.

 

 

Um aber auch von den bestehenden Kunden für die neuen Funktionen bezahlt zu werden, haben die Entwickler eine Pro-Version als In-App-Kauf bereit gestellt. Diese beinhaltet einige neue Funktionen, die in der alten Version nicht vorhanden waren. Dies sorgt in den Rezensionen von * derzeit aber für eine Reihe von Beschwerden von alten Besitzern, die sich aufregen erneut zahlen zu müssen – obwohl sie für den Preis von 1,79 Euro eine Reihe neuer Features erhalten. Hier könnte man sich nun die Frage stellen, ob hier auch davon ausgegangen wird, dass ein Golf V kostenlos von Volkswagen gegen einen neuen Golf VI ausgetauscht wird?

Dass Entwickler keine Möglichkeit haben, auf die mitunter fehlerhaften Rezensionen im App Store zu reagieren, ist ein Thema für sich.

Gründe für das Fehlen kostenpflichtige Upgrades

Warum Apple kostenpflichtige Upgrades nicht ermöglicht ist eine der ungeklärten Fragen. Die App Stores existieren mittlerweile so lange, dass es unwahrscheinlich ist, dass man in Cupertino einfach noch keine Zeit gefunden hat, sich darum zu kümmern. Gleiches gilt für die Theorie, dass Apple es “einfach richtig machen will”, wie seiner Zeit, bei Copy und Paste auf dem iPhone.

Einige Beobachter gehen daher davon aus, dass Apple seine App Stores schlichtweg möglichst einfach gestalten möchte und es daher wohl auch in Zukunft keine kostenpflichtigen Upgrades geben wird.

In der Regel ist es eine gute Idee, darauf zu achten, wie Apple sich den hausgemachten Problemen stellt. Bis dato gab es aber noch keine großen Updates von Final Cut Pro oder Aperture. Auch die iWork- oder iLife-Apps geben bisher keine Einblicke, wie Apple dies behandeln wird.

Bis dato muss man also davon ausgehen, dass das Fehlen kostenpflichtiger Upgrades im App Store Absicht ist und Apple als Hardware-Unternehmen die Preise der Software für OS X und iOS möglichst gering halten möchte. Genau dies passiert, da Entwickler ihre Kunden nicht wegen überteuerter Upgrades verlieren möchten, wenn sie einen Weg wählen, der die eigene Existenz sichert.

Geringe Preise für Ergänzungen sorgen dafür, dass die Nachfrage für das eigentliche Produkt steigt. Dieses Prinzip hat Joel Spolsky in seinem Strategy Letter V aus dem Jahr 2002 ausführlich beschrieben. So sind beispielsweise Benzin und Versicherungen eine Ergänzung zu Autos. Automobil-Hersteller würden deutlich mehr Autos verkaufen, wenn die Preise für Benzin oder Versicherungen geringer wären.

Für Entwickler und Kunden, die im App Store unter iOS und OS X einkaufen, bleibt jedoch das Problem bis auf weiteres bestehen. Es wird interessant, wie Apple große und teure Updates eigener Software, wie etwa * oder *, behandeln wird.

Weitere Themen: iTunes für Mac, iOS, App Store, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, Apple