Apples Erfolgsgeheimnis: Elfmal ungewöhnlich

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Das US-Magazin Business Insider machte sich vergangene Woche mal wieder Gedanken darüber, weshalb Apple so erfolgreich ist und fand dafür genau elf Gründe.

Partnerschaft mit dem Feind
Laut Business Insider wäre eine Partnerschaft zwischen Coca Cola und Pepsi nicht weniger unwahrscheinlich als eine zwischen Apple und Microsoft. Dennoch gibt es letztere ja bekanntlich, zumindest investierte Redmond 1997 ordentlich in Cupertino (stimmrechtslos übrigens), weil Jobs einfach Geld für sein Unternehmen brauchte: „Die Ära der Konkurrenz zwischen Apple und Microsoft ist Zu Ende, was mich angeht“, so Jobs damals wörtlich.

Die Frage stellt sich nur, ob das heute noch stimmt und sich verallgemeinern lässt? Einerseits ist Apple nun größer als Microsoft und andererseits sind Konzerne wie Google mittlerweile Apples größte Konkurrenten. Und ob Apple jetzt aus seiner Position der Stärke heraus Geld in Microsoft investieren würde? Wohl kaum ...

Packe Sex in Deine Produkte
Steve Jobs habe 1998 während eines Apple-Meetings folgendes gesagt: „Wisst Ihr, was mit diesem Unternehmen nicht stimmt? Die Produkte sind Müll – es ist kein Sex in ihnen.“ Laut Business Insider habe der damalige iCEO dies anschließend geändert, was heute Geräte wie iPad und iMac bewiesen.

Sex ist aber nicht alles. So wurde der sexy Power Mac G4 Cube ebenso wenig ein Erfolg wie Apples sexy Internet-Dienste. Manchmal spielt ganz einfach nämlich auch der Preis eine ausgesprochen große Rolle – und der stimmt bei Apple nicht immer.

Ändere Originalvision und Unternehmensausrichtung
Apple habe als reines Computer-Unternehmen begonnen, Jobs aber gewusst, dass er diesen Ansatz erweitern müsse, was mit Final Cut Pro begonnen habe, vom iPod, mit einem Musikangebot, iPhones und iPads fortgesetzt worden wäre.

Das ist unbestritten richtig. Jobs hat letztlich für den absoluten Siegeszug des von ihm mitgebrachten Produktes gesorgt. Was ehemals NEXTSTEP, später OPENSTEP/Mach und dann Mac OS X hieß, setzt seine Eroberung immer neuer Produktkategorien nun als iOS fort – vor zwanzig Jahren hätte man ihn für solche Visionen vermutlich für unzurechnungsfähig erklärt.

Umgehungslösungen für unüberwindbare Barrieren
Business Insider zufolge wurde Apple im Handel nicht adäquat positioniert und kann nun mit eigenen Ladenflächen einen immensen Erfolg verbuchen.

Stimmt, den Kunden kann dies allerdings teuer zu stehen kommen, denn Apple diktiert fortan alles, von der Herstellung bis zum Vertrieb und Verkauf. Mit einer solchen Strategie hat Apple seine Preisgestaltung felsenfest in der Hand und kann Kritik und Konkurrenz des üblichen Handels fast völlig ausschließen.

Sage dem Kunden, was er will und frage ihn nicht danach
Steve Jobs verlasse sich nicht auf Marktforschung, sondern schaffe selbst Trends. So kaufe man Apple-Produkte, von denen man zuvor noch nicht einmal gewusst habe, dass man sie brauche.

Solange Apple immer noch viel mehr Fans als enttäuschte Anwender hat, wird dies auch weiterhin gutgehen. Machmal allerdings wird aus der Vision auch eine Bevormundung.

Verbinde Punkte miteinander
Apple beherrsche vorbildlich die Verbindung einzelner Produktsegmente miteinander. Laut Steve Jobs wäre „Kreativität nur die Verbindung von Dingen“. Und so harmonierten iPods mit iTunes oder iPads und iPhones mit dem App Store.

Andererseits wäre es natürlich schön, würden diese Punkte drahtlos miteinander verbunden, denn das Zwangskabel beim Verbinden der iDevices zum Datenabgleich mit iTunes nervt in Zeiten von Bluetooth und AirPort. Wenn also schon verbinden, dann bitte komfortabel und zeitgemäß.

Keine Langweiler anstellen
Absolventen traditioneller Unis seien nicht die einzigen Menschen, die ein Unternehmen anführen könnten. Laut Steve Jobs gälte: „Teil dessen, was den Macintosh so großartig gemacht hat, war die Tatsache, dass Musiker, Poeten, Künstler, Zoologen und Historiker, die zu den weltweit besten Computerwissenschaftern zählen, daran arbeiteten.“

Einerseits ist Apple ausgesprochen ungewöhnlich, andererseits scheint es aber keine reine Freude zu sein, dort zu arbeiten. So sucht man sich vielleicht gezielt ungewöhnliche Menschen in Cupertino, verschleißt diese aber auch über Gebühr.

Andersdenkende fördern
Apples „Anders Denken“-Werbekampagne in den Neunzigern war eine der effizientesten überhaupt. Sie habe dazu angeregt, sich selbst neu zu erfinden und den Innovationsgedanken gefördert – alles, worum es laut Apple letztlich ginge.

Apple verfolgt eine recht uniforme, homogene Linie, sowohl bei der Gestaltung als auch bei der Kostenreduktion und ist in Teilbereichen gar radikal, beispielsweise bei der Durchsetzung von Standards oder Preisen. So richtig kunterbunt durchmischt und in alle Richtungen offen klingt dies nicht, was ja nichts schlechtes heißen muss. Ganz sicher handelt es sich bei der „Anders Denken“-Werbekampagne aber nur um eine Werbekampagne und nichts anderes, schließlich ist Apple eine Aktiengesellschaft und kein Debattierclub für eine bessere Welt.

Weniger ist mehr
Laut Jonathan Ive gilt die Devise: „Wir sind vollauf damit beschäftigt, eine wirklich einfache Lösung zu finden, denn als physische Existenzen sind wir in der Lage, Klarheit zu verstehen.“

Gut, iTunes ist dann wohl die regelbestätigende Ausnahme.

Träume verkaufen, keine Produkte
Business Insider meint, dass es nicht die Produkte wären, die verkauft würde, sondern das, was sie darstellten. Menschen dächten vor allem an sich selbst, es gälte also, Produkte zu schaffen, die eine Beziehung zu ihnen herstellten.

Mag alles sein, andererseits sind iPad, iPhone und Mac auch ausgesprochen praktische Dinge. Wären sie nutzlos, würde auch deren traumhafteste Darstellung noch keinen Umsatz provozieren. Ein paar hundert oder gar tausend Euro für einen Traum? Nein, wirklich nicht.

Vertraue auf Dich
In seiner Stanford-Ansprache habe Steve Jobs einst gesagt: „Beweise den Mut, Deinem Herz und Deiner Intuition zu folgen. Manchmal wissen sie schon, was Du eines Tages werden willst.“

Das sind natürlich die Worte eines erfolgreichen Menschen. Ein solch ungewöhnlicher Erfolg lässt sich aber weder auf alle Menschen noch alle Lebensbereiche übertragen. Gewiss verfolgen auch zahlreiche rücksichtslose Menschen die gleiche Strategie, nicht immer aber kommt ein Unternehmen wie Apple dabei heraus.

Fazit
Wie so oft, sind auch die elf ungewöhnlichen Erfolgsgründe von Business Insider zur Hälfte zumindest an den Haaren herbeigezogen. Apples Erfolgsgeheimnis besteht weder aus fünf noch aus zehn oder elf Punkten, kann nicht auf wenige Grundideen reduziert oder auf andere Unternehmen übertragen werden. Das ist bei anderen Konzernen ebenso wenig der Fall, sonst gäbe es schon fünf IKEAs, vier Apples, drei Googles und mindestens zehn Facebooks. Was hinter Apple steckt, das ist vor allem Steve Jobs, eine Menge ihm zuträgliches Personal mit Erfahrung in zahlreichen Bereichen, ein überdimensional positives Image und im Ergebnis zahlreiche ausgezeichnete Produkte, die immer noch jene überschatten, die vielleicht nicht ganz so gut waren.

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