Apples neuer Retail-Chef: Warum ein Waschmaschinenverkäufer die richtige Wahl sein könnte

Florian Matthey
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Seit gestern ist bekannt, dass Apple einen Nachfolger für den früheren Retail-Chef Ron Johnson gefunden hat: Der Brite John Browett soll sich in Zukunft um den Geschäftsbereich kümmern. Die Wahl des bisherigen Chefs des gewöhnlichen Elektronik-Händlers Dixons, der auch Geräte wie Waschmaschinen verkauft, überrascht – könnte aber genau die richtige gewesen sein.

Apples neuer Retail-Chef: Warum ein Waschmaschinenverkäufer die richtige Wahl sein könnte

Ende letzten Jahres fragten sich viele Beobachter, wer überhaupt als Nachfolger für Ron Johnson in Frage käme. Johnson hatte Apples Retail-Sparte groß gemacht, nun musste Apple jemanden finden, der die Sparte internationalisieren und ihr vor allem zu einem Durchbruch in Schwellenländern verhelfen sollte. Experten für Talentsuche erklärten seinerzeit, dass nicht viele Kandidaten in Frage kämen: Es gebe lediglich 64 Unternehmen, die sich als “globale Einzelhändler” einordnen lassen, in der Größenordnung der Apple-Stores gebe es in Sachen Umsatz lediglich fünf.

Deshalb könnte sich Apple auch für einen der bisher unter Johnson arbeitenden Manager, also für eine interne Lösung entscheiden. Der Partner einer Retail-Beratungsfirma glaubte seinerzeit hingegen, dass für eine externe Lösung nur der Retail-Manager eines “Lifestyle”-Unternehmens wie Nike oder Coach in Frage käme; ein Manager aus dem IT-Bereich würde nicht passen.

Angesichts dieser Vorhersagen kommt die Entscheidung für John Browett wirklich überraschend. Und so schreibt auch die Financial Times, dass Apples Schachzug “entweder verrückt oder genial” ist. Denn Dixons ist keine “Lifestyle-Marke” und ist weit davon entfernt, umsatztechnisch die Größenordnung von Apple-Stores zu erreichen. Die meisten Dixons-Stores befinden sich in Großbritannien.

Allerdings habe es Browett geschafft, Dixons Verluste unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen deutlich zu senken. Dafür habe Browett auf ein System gesetzt, das Kunden mit Hilfe von Entscheidungsbäumen genau die Produkte kaufen lasse, die zu ihnen passten. Browetts Vorbild sei die Figur Mrs Slocombe aus der britischen Sitcom “Are You Being Served?” gewesen, deren Lebensmission es war, Kunden das passende Produkt zu verkaufen.

Ein Beweggrund des Apple-CEO Tim Cook bei der Entscheidung für Browett könnte daher, so die Financial Times weiter, folgende Überlegung gewesen sein: Wenn Browett schon gut darin war, Kunden “langweilige” Produkte zu verkaufen, wie gut müsste er dann selbst bei Apple-Produkten sein, die die Kunden ohnehin schon liebten?

Und immerhin ist der Kauf einer Waschmaschine nicht für jeden trivial. Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs soll einst wochenlang Abendessen-Debatten mit seiner Familie geführt haben, damit sie sich darauf einigen konnten, welche die beste Waschmaschine für den eigenen Haushalt sei. Letztendlich entschieden sie sich für ein europäisches Modell: Es soll ein Gerät von Miele gewesen sein, und Jobs war angeblich begeistert.

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