Apples Quartalszahlen Q2 aus 2011: Rekorde und kein Ende

Flavio Trillo
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Soeben gab Apple in einer Konferenzschaltung die Ergebnisse des am 26. März 2011 geendeten Quartals bekannt. Es fehlt, wie üblich, nicht an Superlativen: iPhone-Verkaufsrekord, Einnahmen-und-Umsatz-Rekord, Mac-Verkaufsrekord – all das und mehr hat das Unternehmen in den vergangenen drei Monaten erreicht. Die Erwartungen vieler Analysten und auch Apples eigene Schätzungen wurden dabei, ebenfalls wie gewohnt, übertroffen.

Harte Dollars

Peter Oppenheimer konnte in der Telefonkonferenz Einnahmen in Höhe von 24,67 Milliarden US-Dollar vermelden – ein Plus von beachtlichen 82,74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies stellt außerdem das stärkste Wachstum innerhalb eines Jahres dar, das Apple je verzeichnete. Der Grund: Rekordverdächtige iPhone-Verkäufe, “robuste Nachfrage” nach dem iPad und starke Mac-Verkaufszahlen.

Damit liegt Apple noch etwas über den Prophezeiungen der Analysten, die sich auf 23,3 Milliarden US-Dollar geeinigt hatten, während Apple selbst mit 22 Milliarden US-Dollar noch weniger Optimismus zeigte – Absicht, wie man annehmen darf. Doch auch die Gewinne stehen dem in nichts nach. Sie stiegen um über 95 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2010 auf satte 5,99 Milliarden US-Dollar.

Die Marge zählt

Die Brutto-Marge, also die Differenz aus Verkaufserlös und direkten Herstellungskosten (unter anderem ohne Forschung, Entwicklung und Vertriebskosten), lag in diesem Quartal mit 41,4 Prozent geringfügig unterhalb der 41,7 Prozent des vergangenen März-Quartals. Dies begründete Oppenheimer auf Nachfrage mit der aggressiven Preispolitik für das iPad, durch die Apple hofft, seine Vorreiterposition am Tablet-Markt möglichst gewinnbringend einzusetzen. Auch gewachsene iPhone-Lagerbestände seien für diese leicht rückläufige Entwicklung verantwortlich.

Die Experten schwankten vorab zwischen 39,2 und 39,5 Prozent, lagen damit aber immer noch näher an der Wahrheit als die Vorhersagen Apples: 38,5 Prozent hielt man im vergangenen Quartal für möglich.

Mac-Manie

In diesem zweiten Quartal des Finanzjahres 2011 schaffte Apple es zum sage und schreibe zwanzigsten Mal in Folge, mit seinem Wachstum den PC-Markt in seiner Gesamtheit hinter sich zu lassen. Mit 3,76 Millionen Einheiten verkaufte Apple 28 Prozent mehr Macs als im Vorjahr und lag nur knapp über den Analysten-Ahnungen von 3,5 Millionen. Peter Oppenheimer zitierte eine Studie des Marktforschungsinstituts IDC, die dem PC-Sektor insgesamt eine leichte Stagnation um 3 Prozent attestierte.

Schlüsselt man diese Zahlen nach Desktop- und mobilen Rechnern auf, ergibt sich allerdings eine recht hohe Diskrepanz. Zwar konnte Apple sich mit 2,751 Millionen verkauften MacBooks (sowohl Pro als auch Air) um 53,69 Prozent steigern. Nicht zuletzt ist dafür das populäre neue MacBook Air sowie die jüngst aktualisierte Reihe der MacBook Pros verantwortlich.

Die Anzahl verkaufter iMac, Mac mini, Mac Pro und Xserve ging jedoch um 11,49 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2010 zurück. Mögliche Ursachen hierfür sind die Einstellung der Xserve Familie zum 31. Januar dieses Jahres sowie die von Peter Oppenheimer erwähnte gesteigerte Beliebtheit von mobilen Computern, insbesondere außerhalb der USA.

iPod, iPhone, iPad

Ein Blick auf die Statistiken für das iPhone veranlasst erneut dazu, vor Cupertinos bekanntester Adresse den Hut zu ziehen: Stolze 113,14 Prozent mehr Smartphones verkaufte Apple in diesem zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr. Mit 18,65 Millionen Geräten sogar über 2,4 Millionen mehr, als im traditionell starken Feiertagsquartal 1/2011 und nicht fern der höchsten je verzeichneten Werte für den iPod aus dem ersten Quartal 2010 (21 Millionen). Analysten trauten Apple lediglich zwischen 16,25 und 17,2 Millionen Verkäufe zu. Das iPhone generierte einen Umsatz in Höhe von 12,298 Milliarden US-Dollar, womit es beinahe die Hälfte der Gesamteinnahmen des Unternehmens ausmachte.

Auch das iPad wagte sich in neue Höhen vor und wurde 4,69 Millionen Mal ausgeliefert. Hier waren die Vorab-Analysen ausnahmsweise etwas zu optimistisch. Zwischen 6 und 6,29 Millionen Geräte wurden hier erwartet. Mangels eines Vergleichswertes aus dem Vorjahr – das iPad wurde erst am 3. April 2010 erstmalig ausgeliefert – kann diese Zahl nur denjenigen der vergangenen drei Quartale gegenüber gestellt werden. Lässt man das 1. Viertel des Finanzjahres 2011 außen vor, hier verkaufte Apple aufgrund der stets starken Feiertagssaison 7,331 Millionen iPads, ergibt sich eine Zunahme um fast 12 Prozent gegenüber Q4/2010.

Wie sich das Verhältnis zwischen den seit Jahresbeginn bis zum 26. März verkauften iPad-Modellen darstellt, dazu wollte man bei Apple keine Details bekannt geben. “Wir geben diese Informationen absichtlich nicht heraus, da wir der Konkurrenz nicht zu sehr helfen wollen”, sagte Apples COO und interims CEO Tim Cook, “wir hätten uns aber gewünscht, eine ganze Menge mehr iPad 2 produzieren zu können, denn darauf haben viele Menschen gewartet”.

Für die iPods aus der Feder des Mac-Machers sieht es dagegen weniger rosig aus. Mit nur 9,02 Millionen verkauften Geräten liegt dieser Bereich 17,17 Prozent unter Par sowie knapp eine Million unter den Schätzungen der Experten. Einer der Hauptgründe hierfür dürften die enorm gestiegenen Absatzzahlen des iPhone sein, das quasi ein iPod touch im Smartphone-Pelz ist – wer bereits eines besitzt, wird in vielen Fällen keinen iPod mehr brauchen.

Stein und Mörtel

Zu den Kennzahlen der weltweiten Apple Stores hatte Peter Oppenheimer ebenfalls nur Positives zu berichten. Die 323 über den Globus verteilten Filialen generieren im Durchschnitt 9,9 Millionen US-Dollar Umsatz, ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 5,9 Millionen US-Dollar. Beinahe 1 Milliarde Besucher verschafften dem Unternehmen sogar 90 Prozent mehr Gesamtumsatz als im Vorquartal: 3,19 Milliarden US-Dollar wurden so erreicht.

In Kürze steht zudem ein echtes Apple-Jubiläum ins Haus: Der Apple Store wird 10 Jahre alt. Aus diesem Grund sei den Mitarbeitern bereits jetzt mitgeteilt worden, dass sie zwischen dem 20. und dem 22. Mai keine Urlaubstage nehmen dürfen, berichtet Appleinsider. Die ersten Apple Stores wurden am 19. Mai 2001 in der Stadt McLean im US-Bundesstaat Virginia sowie in Glendale, Kalifornien eröffnet.

FAQ und Q&A

Im Anschluss an die Verkündung der Kennzahlen stellten sich Tim Cook und Peter Oppenheimer einigen Fragen der Konferenzteilnehmer. Von großem Interesse war der Einfluss der katastrophalen Ereignisse in Japan auf die Versorgungslage für Apples Produkte und damit auch die Umsätze. Cook merkte hierzu an, dass es zwar geringe Beeinträchtigungen im vergangenen zweiten Quartal gab, diese sich aber nicht erheblich auf die Zahlen ausgewirkt hätten.

In den folgenden drei Monaten erwarte er um bis zu 200 Millionen US-Dollar geringere Umsätze aufgrund der Erdbebenkatastrophe und ihrer weitreichenden Folgen. Vor allem dank des hoch geschätzten und unermüdlichen Einsatzes der Teams vor Ort in den Fertigungsstätten und in Cupertino habe man die wirtschaftlichen Schäden gering halten können, auch wenn Apple aus Japan hunderte von Komponenten beziehe. Darunter LCD-Module, NAND-Flash, optische Laufwerke, sowie Grundbausteine wie Folien, Beschichtungen und Kunstharze.

Dennoch zeigt Cook sich vorsichtig optimistisch – wenn die Lage in dem Land einigermaßen Stabil bleibt, sei man für einiges gewappnet. Auf die Frage, wie es mit der Rüstung für eine weiterhin starke Nachfrage nach dem iPad aussehe, konnte der 50-jährige Cook seine große Zufriedenheit mit den Fortschritten der Hersteller vermelden. Man wolle das iPad 2 nächste Woche in 13 zusätzlichen Ländern anbieten, weitere werden im Verlauf des Quartals folgen.

Zuversichtlich kündigte er an, man werde dafür eine ausreichend große Zahl iPads produzieren können, auch wenn das Interesse an dem Tablet-Computer die Verantwortlichen bis heute in Staunen versetze. Man werde alles daran setzen, die Balance zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen, wie es inzwischen auch beim iPhone und den Macs gelungen sei, wenn auch mit einigen Anlaufschwierigkeiten.

Nach Steve Jobs wurde natürlich ebenfalls gefragt. Wann kommt er wieder? Wie häufig ist er noch in die Entscheidungsprozesse des Vorstandes involviert? “Wir treffen uns noch regelmäßig und er ist nach wie vor in strategisch wichtige Entscheidungen involviert”, heißt es von Tim Cook.

Ausblick

Rundum gute Nachrichten also. Apple bricht erneut Rekord über Rekord und auch die Investoren dürfen zufrieden sein: 6,40 US-Dollar Gewinn je Aktie konnten Peter Oppenheimer und Tim Cook verkünden, was eine Verbesserung um 92,19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal darstellt. Insgesamt ist die Messlatte für die kommenden Monate also einmal mehr hoch angesetzt.

Für das Juni-Quartal erwarte man Einnahmen in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar (Analysten: 23,8 bis 24,1 Milliarden), was einem Plus von 7,3 Milliarden US-Dollar oder 46,5 Prozent entspräche. Die Brutto-Marge sehe man im Bereich von 38 Prozent, 1,1 Prozentpunkte weniger als im 3. Quartal 2010. Doch von diesen Schätzungen wird auch das wahrhaftige Ergebnis in drei Monaten wieder kräftig abweichen.

Dank solch konservativer, ja fast schon schwarzseherischer Zahlen sichert sich Apple gegen Enttäuschungen ab und ist in der Lage, jedes Quartal aufs neue zu verkünden, dass sie “alle Erwartungen weit übertroffen haben”, vor allem die eigenen.

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