Apples Zeitungskiosk: Frankreichs Presse wehrt sich

Flavio Trillo
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Das Verhältnis zwischen Apple als Verteiler-Plattform und der Medienindustrie als Inhalts-Generator ist von einem Ungleichgewicht geprägt. Musik und Presse haben in ihren traditionellen Vertriebsmodellen einen schlechten Stand und sind auf neue Kanäle wie iTunes angewiesen. Deshalb hat Apple die Oberhand. Doch was, wenn sich Verleger zusammenrotten?

Für die Veröffentlichung von digitalen Zeitungs- und Zeitschriften-Ausgaben im iOS-Zeitungskiosk, der zusammen mit iOS 5 alsbald veröffentlicht werden soll, verlangt Apple die gewohnten 30 Prozent Kommission bei jedem Verkauf. Solche Preise sind die Verlage aber nicht gewohnt und deshalb kam es bereits kurz nach der Vorstellung des ersten iTunes-Abo-Modells zu großer Unruhe. Dies veranlasste Apple, seine Regeln zu lockern und damit die Verleger zu beschwichtigen.

Gemeinsam gegen Apple

Doch einer Gruppe französischer Publikationen genügt das nicht. Sie haben sich organisiert und ein eigenes digitales Web-Kiosk eröffnet, wie Reuters berichtet. Dort bieten sie neben einzelnen Ausgaben auch Abonnements und Rabatte beim gleichzeitigen Bezug mehrerer Publikationen aus der Gruppe. Unter den “Verschwörern” befinden sich unter anderem die Tageszeitungen Le Figaro, Les Echos und L’Equipe sowie das Wochenblatt Le Nouvel Observateur.

Nur gemeinsam verhandeln sie mit Apple um die Konditionen für den Zeitungskiosk. So wollen sie erreichen, dass der Konzern ihnen die Zugeständnisse macht, ohne die sich für sie der digitale Vertriebsweg über iTunes nicht lohnt. Xavier Spender von L’Equipe hat ausgerechnet: “Ich verdiene weniger Geld mit einer digitalen Ausgabe der Zeitung als mit der Print-Ausgabe, die ich am Kiosk verkaufe”.

“Lieber einen Finger abschneiden, als gleich den ganzen Arm”

So soll Apple seinen Anteil von derzeit 30 Prozent verringern sowie, und das ist mindestens ebenso wichtig, umfangreicheren Zugang zu den Kundendaten ermöglichen. Momentan bekommen die Verlage diese Informationen nur, wenn die Leser dies durch einen Klick erlauben. Um diese Ziele zu erreichen haben sich die acht Publikationen, eigentlich scharfe Konkurrenten, alle zwei Wochen zusammengesetzt und ihre Strategie besprochen. Darunter gemeinsame Werbestrategien und ein einheitliches Design des Kiosk.

Mit einem Gremium gehen immer auch Kompromisse einher. Die verschiedenen Mitglieder haben jeweils eigene Geschäftsinteressen und diese lassen sich oft nicht vereinbaren. Aber damit hat man sich offenbar abgefunden. “Wir müssen darauf vorbereitet sein, einige Verkäufe zu opfern, wenn wir uns mit Apple nicht einigen können”, gesteht Pascale Pouquet von Le Figaro. “Doch manchmal ist es besser, sich einen Finger abzuschneiden, als gleich den ganzen Arm”.

Keine guten Aussichten für Gremien

Eine harte Linie, mit der Apple sich auseinandersetzen muss. Im Falle der britischen Financial Times, die im Juni ihr eigenes Web-Angebot für Abonnements und Einzelausgaben auf dem iPad startete, war die Antwort eindeutig: Die FT-App flog aus dem App Store. Doch wenn man dem Branchen-Experten Ken Doctor glauben darf, muss der Mac-Macher möglicherweise nur abwarten, bis sich das französische Konsortium von allein auflöst.

Die divergierenden Interessen der einzelnen Mitglieder würden derartigen Gruppen nämlich oft zum Verhängnis. So geschehen im Falle von Next Issue Media. Gegründet im vergangenen Jahr von fünf der größten Verleger der USA scheiterte das Projekt und seine Mitglieder unterzeichneten jeweils einzelne Vereinbarungen mit Apple über den Vertrieb auf das iPad.

Hierzulande hatte sich die Verlagswelt im Juni 2011 erfreut gezeigt, als Apple seine Regeln für den In-App-Kauf von Abonnements lockerte. Auch wenn man weiter “Gesprächsbedarf beim Thema Kundenbeziehung” sehe, so der Bund Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), erkannte man, dass Apple sich auf die Verleger zubewegt habe.

Auf eine Bitte um Stellungnahme des BDZV zu der Lage in Frankreich erhielt macnews.de bisher keine Antwort.

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