ARM-Chips für alle: Apple plant angeblich Architekturwechsel

Flavio Trillo
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Einige Analysten meinen, Apple könnte demnächst mit Intel eine Foundry-Partnerschaft zur Fertigung von Mikroprozessoren eingehen. So wolle Cupertino sich von Samsung, gleichzeitig Zulieferer und Konkurrent, unabhängiger machen. Doch angeblich vertrauenswürdige Quellen haben jetzt berichtet, dass Apple sich an ganz anderer Stelle binden möchte: ARM soll demnach künftiger Partner für CPUs aller Geschmacksrichtungen werden – auch für Desktop-Rechner.

Der Architekturwechsel bei iMac, Mac mini und Mac Pro werde “so schnell wie irgend möglich” vollzogen, so die Quelle gegenüber semiaccurate.com. Was das bedeutet? Bis etwa zur Mitte des Jahres 2013, dann erscheine nämlich die erste Generation vollwertiger 64-bit-Prozessoren von ARM. Dies lasse sich wiederum auf Umwegen der Ankündigung NVidias entnehmen, zu diesem Zeitpunkt ihr “Projekt Denver” zu starten, das mit dem ARM-Befehlssatz arbeitet.

Sobald ARM bei 64-bit-Kernen angekommen sei, wäre der Übergang fließend, da bestehender Code beim Wechsel von den x86-basierten Chips aus dem Hause Intel nicht obsolet würde – die Befehle bleiben die gleichen wie bei Intels 64-bit-CPUs. Kaum zufällig dürfte in diesem Zusammenhang die vertrauliche Information aufgetaucht sein, Apple werde zu etwa der gleichen Zeit auch sämtliche seiner Notebooks mit ARM-Prozessoren ausstatten.

Das Ganze kann man sich ruhig noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: Aktuell stellt Samsung für Apple die A4- und A5-CPUs im ARM-Design im Rahmen einer so genannten “Foundry-Kooperation” her. Das heißt soviel wie Auftragsfertigung – Apple gibt Samsung die Vorgaben, wie die Chips gebaut werden sollen und das koreanische Unternehmen stellt die Produktionskapazitäten zur Verfügung. Das Ergebnis kommt dann in iPhone, iPad und iPod touch zum Einsatz. Hier setzt Cupertino auf die Architektur der britischen ARM Holding, die in Form von Cortex-Chips bereits seit Anbeginn der (iPhone-)Zeiten die Herzen ultramobiler Apple-Hardware bilden.

Die beiden Unternehmen passen dabei nicht nur aus rein technischen Gründen denkbar gut zueinander. Immerhin trat Apple im Jahr 1990 neben Acorn Computers und VLSI Technology als eines der Gründungsmitglieder von Advanced RISC Machines (ARM) auf. Produkte des im englischen Cambridge angesiedelten Unternehmens (namentlich der ARM 610 RISC) spielten zudem in der Entwicklung der – relativ glücklosen – Newton-Produkte eine hervorragende Rolle.

Zwar waren auch ARM-Mikroprozessoren ursprünglich einmal für den stationären Markt vorgesehen, inzwischen gilt in der IT-Welt aber die Faustregel: Je mobiler, desto ARM. Mit der Einführung leistungsstarker 64-bit-Chips könnte diese Trennschärfe aber innerhalb der kommenden Jahre aufgeweicht werden.

Den Gegensatz dazu bildet der x86-Befehlssatz, der von Intel entwickelt wurde und heutzutage hauptsächlich in Desktop-Rechnern und einigen Notebooks zu finden ist. Bisher scheitert eine weitere Verbreitung der Intel-Architektur im ultramobilen Segment hauptsächlich an der relativ hohen Komplexität ihres Aufbaus und ihrem steten Streben nach „mehr Power“. Er benötigt mehr Strom und das ist in möglichst kleinen, leichten Geräten, in denen Batterielaufzeit als einer der wichtigsten Maßstäbe gilt, naturgemäß von Nachteil.

Intel versuchte seinerseits, in den verbrauchsbewussten Markt der mobilen Geräte vorzustoßen, etwa mit dem Atom-Prozessor. Doch auch er vermochte die Vormachtstellung von ARM nicht zu brechen.

Nun ist Samsung nicht nur einer der wichtigsten Zulieferer Apples, sondern gleichzeitig einer seiner schärferen Konkurrenten. Galaxy Tab und Galaxy S II sind für Cupertino ein rotes Tuch. Um sich also nicht zu stark von einem Wettbewerber abhängig zu machen, so die Vermutung einiger Beobachter, ist Apple angeblich auf der Suche nach Alternativen und wurde möglicherweise bei der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) bereits fündig.

Auch Intel wittert angeblich die Chance, in Apples Auftrag einige ARM-Prozessoren für den Einsatz in iPhone, iPad und iPod touch zu fertigen. Apple sucht derweil jedoch nach einer Möglichkeit, gleich die gesamte Produktlinie mit ARM-Chips auszustatten. Dabei will man im Idealfall nicht von einem Hersteller, schon gar nicht einem direkten Konkurrenten abhängig sein. Das dürfte Intel ganz und gar nicht gefallen. Insbesondere im Lichte des jüngst als durchaus positiv zu bewertenden Verhältnisses darf mit enttäuschten Mienen in Santa Clara gerechnet werden.

Der Chip-Gigant hatte mit Apple gemeinsam an der Entwicklung der Universal-Schnittstelle LightPeak (später Thunderbolt) gearbeitet und sogar angekündigt, Steve Jobs werde bis zum Jahr 2012 der einzige Computerhersteller sein, der die Technologie einsetzt. Im aktuellen iMac ist zudem ein Chipsatz verbaut, den Intel eigentlich erst am 11. Mai offiziell präsentieren wollte und der nur über Umwege den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat.

Sollten die Seher Recht behalten, wird Intel sein Buhlen um Apples Gunst schnellstens einstellen, sobald sie erfahren, dass die zweifellos überaus lukrativen Aufträge aus Cupertino in zwei bis drei Jahren ausbleiben werden.

Auch wenn der Name “semiaccurate” auf den ersten Blick nicht gerade nach übermäßig präzisen Informationen klingt, versichern die Autoren ihr Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der anonymen Person und nennen diverse Beispiele für deren Treffsicherheit. Sollte man bei Intel nicht sicher sein, dass diese Gerüchte nicht stimmen, wird wohl noch vor dem Wochenende das eine oder andere Meeting angesetzt.

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