Aus für iFlow Reader: Apples Provision ruiniert E-Book-Anbieter

Flavio Trillo
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Unter den großen Verlagen gab es einigen Aufruhr, als Apple sein Vertriebsmodell für In-App-Käufe und Abonnements vorstellte: 30 Prozent gehen an den Mac-Hersteller, 70 Prozent verbleiben beim Publisher. Doch mag man sich damit als finanzstarker Verkäufer noch abfinden. Weniger einfach wird es dagegen dank neuer Detail-Regeln für die vielen Entwickler, die eigene Reader im App Store anbieten. iFlow Reader aus der Feder von BeamItDown Software hat es jetzt erwischt – zu Ende des Monats wird das kleine Unternehmen seine Tore schließen müssen.

Wie viele Anbieter finanzierte iFlow* sich durch die Differenz zwischen der Provision, die sie von den Verlegern erhielten und der Kommission, die für jeden Verkauf an Apple fällig wurde. Soweit, so vertretbar, denn häufig bestand zwischen Publisher und App-Entwickler eine Vereinbarung, die letzteren bis zu 50 Prozent Provision sicherte. Nach Abzug der durch Apple veranschlagten Gebühr von 30 Prozent verbleiben 20 Prozent Gewinn pro verkauftem Titel. Damit ließ sich offenbar auskommen.

Zum 1. März dieses Jahres ändert Apple aber die Regeln für den Buch-Verkauf unter iOS. Man entschied sich für ein Agentur-Modell, wonach die Verleger als Verkäufer auftreten und die Anbieter im App Store lediglich “Agenten” sind. Fatal für die Entwickler: Ihre Provision wurde auf 30 Prozent gedeckelt, mehr ist nicht drin. Die Verkaufspreise im App Store werden zudem von den Verlagen bestimmt. Apples Gebühr in Höhe von ebenfalls 30 Prozent bleibt natürlich bestehen.

Aufgrund der Kosten, die den Zwischenhändlern in Form von Schöpfern alternativer E-Book-Reader entstehen, lassen sich daher nicht mehr auffangen – die gesamte Verkaufsprovision pro Titel muss direkt an Apple weitergegeben werden. Ein Todesurteil für BeamItDown Software.

Inzwischen haben die sechs größten Verlagshäuser das neue Agenturmodell umgesetzt, wie die Entwickler in einem Abschiedsbrief an ihre Anwender angeben. Damit werden jetzt ca. 90 Prozent aller E-Books nach Apples neuen Regeln verkauft. Von einer Woche auf die andere zog sich der letzte der “Großen 6″, Randomhouse, aus der Vereinbarung mit iFlow zurück. Das Unternehmen bietet all seine Titel jetzt selbst an – ohne Zwischenhändler, bis diese eine neue Agenturvereinbarung unterzeichnet haben.

Das Agenturmodell habe die Arbeit von 5 Personen über eineinhalb Jahre zunichte gemacht, so die enttäuschten und verbitterten Schöpfer des iFlow Reader. Über 1 Million US-Dollar in Bar habe man in das Projekt gesteckt. Mehr als 6 Millionen Downloads bestätigten sie in ihrer Arbeit und auch eine vorab (im September 2009) an Apple gestellte Anfrage, ob ihr Geschäftsmodell mit Cupertinos Spielregeln vereinbar sei, wurde positiv beantwortet.

Zynisch bemerken die Entwickler, dass man dort damals bereits um die Pläne für iBooks und das Agenturmodell gewusst haben dürfte. Dennoch habe man BeamItDown Software “ins Messer laufen lassen”, um eine nicht jugendfreie, wenn auch wortgetreue Übersetzung von “they screwed us” zu vermeiden.

Den Anwendern und Fans des iFlow Reader danken die Verfasser des Abschiedsbriefes und geben ihnen noch einige Hinweise mit auf den Weg, wie sie sicherstellen, dass ihre gekauften Bücher nicht verloren gehen. Zunächst sollten die Leser all ihre Titel auf ihr iOS-Gerät laden und mit iTunes synchronisieren. Zusätzlich wird geraten, sämtliche Bücher bis zum 31. Mai über die iFlow-Webseite herunterzuladen und mit dem kostenlosen Programm Adobe Digital Editions zu lesen. So sind alle Einkäufe auch unabhängig von einer weiteren Unterstützung der iFlow-App unter künftigen iOS-Versionen verfügbar.

Mit Beginn des Juni werden darüber hinaus alle Server-basierten Funktionen der App fortfallen. Darunter auch die Synchronisation zwischen mehreren iOS-Geräten und die Übertragung von gesetzten Lesezeichen.

Zum Schluss rufen die Entwickler all jene, die mit der neuen Vertriebspolitik Apples nicht einverstanden sind, dazu auf, eine E-Mail an die Verantwortlichen zu schicken. Ob man sich in Cupertino davon jedoch wird beeinflussen lassen, bleibt fraglich.

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