Blu-ray und Apple: Sie konnten beisammen nicht kommen

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Als Innovator – so kennen und lieben wir Apple. Dem Janus gleich besitzt die Firma dennoch ein zweites Gesicht. Wie ein bockiges Kind entsagen die Obstbauern den Kunden seit Jahren bewährte Technologien: USB 3.0, 3G-Unterstützung in den MacBooks, Blu-ray? Fehlanzeige! Wieso ignoriert man diese Zeichen der Zeit?

Blu-ray und Apple: Sie konnten beisammen nicht kommen

Fallbeispiel: Blu-ray

Denk ich an Apple und Blu-ray in der Nacht, bin ich zwar nicht um den Schlaf gebracht, dennoch kommt mir der Text der alten Volksballade „Es waren zwei Königskinder“ in den Kopf. Auf der einen Seite des Flusses steht Apple – Vorreiter und Trendsetter für den digitalen Alltag, am anderen Ufer wartet Blu-ray. Mittlerweile anerkannter Nachfolger der DVD und aus dem Home-Entertainment-Bereich nicht mehr wegzudenken. Zwischen den Beiden ein tiefer Graben voller Missverständnisse und Zerwürfnisse.

Einst bezeichnete Steve Jobs die Blu-ray als „Bag of Hurt“, die Strukturen der Lizenzgeber als mafiös und überhaupt werde diese Technologie der physischen Datenträger in der Zukunft obsolet. Da verwundert es nicht, dass Apple bis heute sich weigert, Blu-ray anzuerkennen und in die eigene Produktpalette zu integrieren – kein Weg führt zusammen.

Bestandsaufnahme

Halten wir fest: Apple verbaute bis zum heutigen Tage noch kein Blu-ray-Laufwerk – weder im iMac, Mac Pro oder den MacBooks. Im Gegenteil: Der Hersteller wendet sich generell und vermehrt von optischen Laufwerken ab. Das MacBook Air wurde von Anfang an laufwerkslos konzipiert, dem Mac mini nahm man bereits die Möglichkeit und glaubt man den derzeitigen Gerüchten, wird alsbald auch das neue MacBook Pro darauf verzichten und kein SuperDrive mehr an Bord haben.

Gleichfalls spricht natürlich erst einmal nichts gegen den Einsatz externer Laufwerke – LaCie () hat ein solches beispielsweise im Angebot. Als reines Speichermedium funktioniert die Blu-ray in diesem Zusammenhang auch tadellos – immerhin bieten die Silberlinge eine Kapazität von bis zu 50 GB. Ja sogar HD-Videos lassen sich so mit Toast und dem nötigen HD/BD-Plug-in mastern und brennen. Kompliziert wird es erst, möchte man „normale“, kopiergeschützte Blu-rays mit dem Mac wiedergeben.

Von Hause aus ist der Mac dazu nicht in der Lage, ein kompatibler Software-Player nicht vorhanden und die notwendigen Schlüssel zum dekodieren des Kopierschutzes sind nicht im System (Mac OS X) integriert. Einzig bekannte Lösung bisher: Der mac blu-ray player von Macgo. Die Software ist durchaus in der Lage, solche Blu-rays wiederzugeben, beschränkt sich dabei allerdings allein auf den Hauptfilm und benötigt zwangsweise eine Online-Verbindung zur Entschlüsselung des Kopierschutzes – dies findet extern, auf den Servern des Anbieters statt. Für den Anwender mitnichten eine elegante Option.

Was wünscht der Kunde?

Dem Anwender sind taktische Überlegungen von Apple und dem Blu-ray-Konsortium fremd. Er möchte letztlich die Möglichkeit haben, die am Markt erhältlichen Lösungen optimal und miteinander zu nutzen. Sicherlich können Film-Downloads über den iTunes Store eine Option sein, nicht wenige Kunden bevorzugen aber auch noch heute physische Medien. Diese bieten oftmals eine bessere Bildqualität und allerlei Zusatzfeatures, sind so betrachtet attraktiver für den Käufer.

In den USA haben die Content-Anbieter dies schon erkannt und bieten neuerdings digitale Kopien zusammen mit ihren Blu-rays an. So erhält der Kunde zum Silberling, gleich noch die Möglichkeit, sich eine Version kostenfrei fürs Apple TV runterzuladen – clever, oder?

Apropos: Was spricht eigentlich gegen eine Variante des Apple TV mit integriertem Blu-ray-Player – zu sehen in unserem, digitalen Mock-up? Für den Kunden wahrlich eine ideale Möglichkeit das Geräte-Wirrwarr in der Wohnstube zu minimieren.

Fassen wir zusammen: Viele Kunden wünschen sich ein aktive Unterstützung der Blu-ray auf dem Mac, gegen eine Integration ins Apple TV gibt es sicherlich auch keinen Widerstand zu verzeichnen.

Apple: Gründe gegen Blu-ray

Warum weigert sich also der Innovationstreiber aus Kalifornien so vehement, den Nachfolger der DVD ins eigene System zu integrieren? Ist der Grund in der technischen Umsetzung zu suchen, sind es die Lizenz-Modalitäten oder geben allein politisch geprägte Überlegungen den Ausschlag?

Keine Frage: Die Integration des Kopierschutzes erfordert eine weitrechende Integration ins Betriebssystem bis hin zur Hardware. Ist Apple dazu etwa außerstande? Mit Sicherheit nicht, die teuerste Firma am Aktienhimmel sollte genug Ressourcen zur Verfügung haben eine solche Aufgabe vorbildlich zu meistern. Der Rest der PC-Industrie beweist dies seit Jahren, warum sollte demnach ausgerechnet Apple daran scheitern? Kein Grund also, vielmehr eine billige Ausrede.

Schon eher nachvollziehbar: Die bisherigen Lizenz-Modalitäten waren in der Vergangenheit kaum durchschaubar. Zu viele Lizenzinhaber mischten mit – kein Vergnügen für Produzenten. Indes, bereits im letzten Jahr schloss sich die Mehrzahl der Firmen zum Linzenz-Pool One-Blue zusammen, Ende Januar 2012 folgte eine übersichtliche Gebührenstruktur. Demnach müsste Apple für eine passende Playback-Software fortan zwei Dollar Lizenzgebühr pro verkaufter, verteilter Version an das Konsortium zahlen – Peanuts, hätte man in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu gesagt.

Der eigentliche Grund ist demnach wohl politischer Natur. Mit Apple TV und dem iTunes Store besitzt unsere geliebte Obst-Firma ein eigenes Verwertungssystem für die Verteilung von Film-Inhalten. Warum also die physische Konkurrenz unterstützen, wenn man sie doch kurzerhand aussperren kann? Man mag Apple zunächst beipflichten, wenn sie die Zukunft allein im Download und der iCloud sehen, doch vollumfänglich akzeptierte Realität ist dies noch lange nicht.

Quintessenz

Für Apple ist Apple TV noch immer ein Hobby. Warum? Die Preise für Downloads sind in Anbetracht der erbachten Leistung zu hoch, die Filme nicht immer aktuell und überhaupt gibt es kein globales Lizenzsystem – jedes Land kocht sein eigenes Süppchen. Die Umsätze sind daher „überschaubar“. Es wäre allerdings unfair, allein Apple die Schuld zu geben, denn oftmals sind es die Content-Anbieter, die diesen Kurs bestimmen. Dieselben Firmen, die auch am Verkauf von Blu-rays partizipieren. Hinzu kommt noch die starke Fragmentierung des Marktes. Apple TV kämpft nicht allein gegen die silberne Scheibe, sondern ebenso gegen weitere Downloaddienste, Kabelnetzbetreiber, Pay-TV und Telekommunikationsanbieter die alle zusammen den Kuchen verspeisen möchten.

Erwähnenswert: Einen Startvorteil wie einst beim iTunes Music Store hat Apple nicht. Es ist also nicht ausgemacht, dass Apple diesen Markt in absehbarer Zeit dominieren wird können. Vielleicht wäre es für Apple daher besser die Realitäten anzuerkennen, Blu-ray zu unterstützen und nicht nur allein in den „Wolken“ die Zukunft des schnöden Mammons zu suchen. Die Hoffnung stirbt letztlich zum Schluss.

Bilderquellen: Apple, LaCie und Macgo

Weitere Themen: MacBook Air, iMac 2012, Mac mini (2012), Macbook, MacBook Pro, mac-pro, Mac OS X 10.8 Mountain Lion , Mac OS X 10.1 Puma, Mac OS X 10.2 Jaguar, Apple


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