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Buddy, wo bist du?

Christoph Dernbach

Apple arbeitet unter dem Projektnamen iGroups an einem sozialen Geo-Netzwerk für mobile Internet-Geräte wie das iPhone.

Buddy, wo bist du?

Im Web 2.0 gibt es einen neuen Volkssport: Geoposting. Besitzer eines Smartphones verwandeln damit ihr Handy in eine Art Freunde-Radar. Wenn sie am Gate des Flughafens warten, in der Stadt in ein Restaurant gehen oder sich im Museum eine Ausstellung anschauen, setzen sie ein Fähnchen auf einer virtuellen Landkarte im Web. Dienste wie Foursquare, Gowalla, Whrrl oder Loopt nehmen diese Standortpositionen auf und zeigen an, welche Freunde oder Bekannten sich gerade in der Nähe befinden. Investoren in den USA sind sich sicher, dass diese ortsbezogenen sozialen Netzwerke in absehbarer Zeit den Weg aus der Nische schaffen und sich zu kommerziell extrem erfolgreichen Diensten entwickeln können.

Apples Antwort auf Whrrl & Co

Nun hat auch Apple diese Variante der Social Networks ins Visier genommen und arbeitet an dem Projekt iGroups. Dabei sollen Teilnehmer eines Events leichter zusammenfinden als bisher, beispielsweise bei einer Kulturveranstaltung, einer Messe oder bei privaten Feiern wie einer großen Hochzeit.
Warum die Fans des Geopostings ständig ihre ortsbezogenen Daten veröffentlichen, erschließt sich nicht allen Smartphone-Besitzern auf den ers­ten Blick. „Man muss es ausprobieren“, sagt Unternehmer Ibrahim Evsan in einem Interview. Der 34-Jährige nutzt den Geodienst Foursquare intensiv. Bis zu 20-mal am Tag checkt er in eine Location ein, wie das im Jargon heißt, und veröffentlicht damit seinen Standort. Das Netzwerk mit seinen Ortsinformationen habe das Potenzial, Menschen zusammenzubringen, sagt der Mitbegründer der Online-Videoplattform Seven-load. Als er einmal mit einem Freund essen gehen wollte, sah er, dass zwei seiner Four-square-Kontakte in der Nähe waren. Man ging gemeinsam ins Restaurant – „das war ein richtig netter Abend“. Das Start-up-Unternehmen Foursquare aus New York mit nur sieben Beschäftigten hat inzwischen knapp eine Million Mitglieder und wächst rasant.
Apple will aber nicht nur die Hardware-Plattform für die „sozialen“ Geodienste bereitstellen, sondern selbst ein Social Network mit einer Geo-Funktion betreiben. In dem am 18. März 2010 zugeteilten US-Patent 2010/0070758 („Gruppenbildung durch anonyme Broadcast-Information“) wurden diese Pläne publik. In der Patentschrift erläutert Apple anhand eines Konzert-Szenarios, wie der Dienst funktionieren soll. Die Besucher würden ihre Bluetooth-tauglichen Mobilgeräte in einen „Token-Exchange-Modus“ versetzen, damit diese die Statusmeldungen von benachbarten Geräten empfangen können. Da die Verbindung über Bluetooth erfolgt, könnten auch Mobilgeräte Teil des Ad-hoc-Netzwerks werden, die nicht über eine Mobilfunkverbindung via GPRS, EDGE oder UMTS verfügen. Über dieses Netz könnten die Teilnehmer dann über die Musik diskutieren oder sich für ein Essen nach dem Konzert verabreden.
In einem weiteren Beispiel beschreibt Apple, wie Nutzer von iGroups auf ­einem Event wie der Entwicklerkonferenz WWDC besser zueinanderfinden und Kontakte austauschen. Im Gegensatz zu anderen Diensten müssen die Teilnehmer nicht in Social Networks wie Facebook oder MySpace angemeldet sein.
Damit könnte iGroups auch die Funktion der Gadgets der Schweizer Firma Poken übernehmen. Der „Poken“ hat die Größe eines Schlüsselanhängers und tauscht Kontaktdaten der Besitzer über Nahbereichsfunk aus.
Neben klassischen Informationen einer Visitenkarte enthält ein Poken in der Regel auch Links zu Profilen aus verschiedenen sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder die VZ-Dienste. Außerhalb der Geek-Szene hat sich der Poken aber nicht durchgesetzt. Und selbst bei etlichen Bloggern dürfte er in der Schublade verschwunden sein, weil man im Alltag kaum auf andere Poken-Besitzer trifft.
Für den iGroups-Dienst wird technisch gesehen ein Ad-hoc-Netzwerk aufgebaut. Dabei muss in dem Konzert-Beispiel sichergestellt werden, dass tatsächlich nur die Besucher der Veranstaltung im Netzwerk auftauchen und nicht die Passanten einer benachbarten Straße. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Apple-Entwickler die Funkreichweite des Spontan-Netzwerks stark begrenzt. In dem Szenario ist auch vorgesehen, dass an bestimmten Stellen in der Konzerthalle „Anker“-Funkstationen betrieben werden, um die Ausdehnung des Netzes präzise zu beschreiben.

Sicherheit und Privatsphäre

Die Öffnung eines Mobilgeräts für einen Dienst wie iGroups soll Kommunikation in der Gruppe erlauben, aber natürlich nicht die Sicherheit kompromittieren oder eine Hintertür für ungebetene Hacker und Schnüffler öffnen. Daher setzt Apple bei diesem Dienst auf den Einsatz starker Verschlüsselungsverfahren und einen „vertrauenswürdigen Dienst“ im Hintergrund, über den unterschiedliche Spontan-Netzwerke miteinander verknüpft werden. Man muss nicht viel Fantasie haben, um dem Apple-On­line-Dienst Mobile Me diese Aufgabe zuzuordnen.    Christoph Dernbach/ok

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