Das Ende des iPod: Trennt Apple sich vom schwächsten Glied?

Flavio Trillo
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Dem iPhone geht es gut, das iPad verkauft sich schneller, als es produziert werden kann und auch bei den Macs geht der Trend bergauf. Einziger Wermutstropfen in Apples Quartalszahlen sind die seit einiger Zeit stagnierenden Verkaufszahlen des iPod. Wie reagiert man in Cupertino auf diese Entwicklung? Manch einer hält den Beschnitt des krankenden Triebs und den Abschied vom iPod für die richtige Lösung.

Wie man deutlich erkennen kann, hatte der iPod in Apples erstem Quartal 2009 seinen Höhepunkt. Danach ging es, unter Berücksichtigung der zyklischen Zwischen-Hochs zur Feiertagssaison, stetig abwärts. Allerdings scheint es, als würden die Zahlen nur zugunsten der eigenen Produkte sinken, wie iPhone 4 oder iPad 2, nicht aber zum Vorteil der Konkurrenz.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil, den iPods an den mobilen Musik-Playern in der Welt hatten, bei etwa 77 Prozent. Zwar hat der MP3-Liebling schon stärkere Tage gesehen. Doch mit etwas über 80 Prozent Marktanteil kurz nach dem ersten großen Hype im 1. Quartal 2005 lagen diese nicht weit von der aktuellen Situation entfernt.

Warum also sollte Apple einen solchen Selbstläufer einstampfen? Die Antwort, meint Seth Weintraub von 9to5mac.com, könnte in dem neuen “iPhone nano” (wahlweise: iPhone 4S) zu finden sein. Es soll angeblich für unter 300 US-Dollar erhältlich sein, mit Mobilfunkvertrag sogar kostenlos. Da werde der iPod touch schnell überflüssig.

Und die anderen Modelle? Nun, der iPod classic habe ohnehin das Ende seiner Halbwertzeit erreicht. iCloud, kabellose Synchronisation und ähnliche Spielereien bleiben den fortschrittlicheren Kollegen vorbehalten, “Apple verkauft aktuell wahrscheinlich nur noch die Lagerbestände des vergangenen Jahres”, so Weintraub.

Den iPod shuffle versucht er ebenfalls mithilfe des “Gratis-iPhone” wegzuzaubern, selbst der Einstiegspreis von 49 Euro könne nicht gegen das kostenlose “mini-iPhone” anstinken. Weintraub scheint dabei jedoch zu vergessen, dass es sich bei dieser Variante keinesfalls um eine wirkliche Alternative handelt – schließlich gehen mit einem “kostenlosen” Gerät teils erhebliche monatliche Gebühren einher. Wer unterwegs unkompliziert etwas Musik hören will, wird nach wie vor zum iPod shuffle greifen.

“Insbesondere werden Apple-User sowieso bereits ein iPhone haben”, folgert Weintraub. Ein Argument, über das man wohl wortlos den Kopf schütteln darf.

Was die Menschen wirklich wollen, sei ein günstigerer iPod nano. Dieser habe noch erhebliches Entwicklungspotential, schließlich habe man gerade erst den ersten mit Touchscreen und eigenem nano-OS vorgestellt. Doch mit einem Preis zwischen 159 und 189 Euro schrammt er nur knapp an dem vorbei, was der kleinste iPod touch kostet. Wer genau aufgepasst hat, merkt aber, dass es den in Weintraubs Welt ja gar nicht mehr gibt, sondern nur noch das kleine iPhone für 299,99.

Also: Runter mit dem Preis für den iPod nano. Außerdem müsse Apple den Ruf der Verbraucher erhören und ihn endlich als Armbanduhr verkaufen. Dünner, mit größerem Display und Bluetooth solle der zweitkleinste iPod knapp 100 US-Dollar kosten. Name: iWatch. Grandioser Plan. Schließlich ist Apple dafür bekannt, sich in Spielereien zu verlieren und die abstrusen Eigenbauten seiner Kunden in vollwertige Serienprodukte zu verwandeln. Ach nein, Irrtum! Das Gegenteil ist der Fall.

Vielleicht hat das auch Weintraub gemerkt, als er am Ende feststellt, dass er selbst eigentlich gar nicht an das Ende des iPod glaubt. “Meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich” – aber falls doch, dann so. Werter Seth, lass Dir ein Zitat aus der Serie “Hör’ mal, wer da hämmert” angedeihen: Ich glaube nicht, Tim.

Ob der iPod classic dieses Jahr noch überleben wird, darüber darf man spekulieren. Zwar hat er weiterhin seine Fans und auch seine Daseinsberechtigung löst sich nicht allein wegen iCloud und WiFi-Synchronisation in Wohlgefallen auf. Doch er will nicht mehr so recht ins Bild passen. Ein iPod hat heutzutage kaum bewegliche Teile, ist so klein wie möglich und so groß wie nötig. Der iPod classic ist dagegen fast behäbig und antik. Auch das weiße Kunststoff-MacBook musste schließlich nach einer gewissen Übergangsphase das Feld für die blitzenden Unibody-Nachfolger räumen.

Der iPod shuffle wird vorerst der günstigste Einstieg in die Apple-Welt bleiben. Oder aber ein leichtgewichtiges Zusatz-Gerät, zum Beispiel für den Musikgenuss beim Joggen oder Rad fahren. Kein noch so vermeintlich kostenloses “Low-End-iPhone” wird daran etwas ändern.

Und was den iPod nano angeht: Apple hat gerade erst ein neues Design und eine neue Software präsentiert. Da ist in der Tat noch Potential und warum sollte das nicht ausgeschöpft werden? Die Einsatzmöglichkeiten gehen über eine jämmerliche “iWatch” weit hinaus, das weiß man auch in Cupertino. Kaum wird man daher die Fantasie der Nutzer beschneiden, indem man ihnen ein solch einseitiges Produkt vorsetzt. Nein, nano bleibt nano – macht daraus, was immer ihr wollt.

Weitere Themen: iTunes für Mac, iPod

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