Das neue iPad: Ein Vorbote des Untergangs

Flavio Trillo
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Mit dem gestrigen Event stellte Apple diverse neue Hard- und Softwareprodukte vor. Ein neues iPad etwa, das wider Erwarten nicht iPad 3 heißt, oder einen auf 1080p-Vordermann gebrachten Apple TV. Zwischen den Zeilen soll sich aber auf der Bühne des Yerba Buena Centers der Anfang vom Ende abgespielt haben. Vorhang auf.

Das neue iPad: Ein Vorbote des Untergangs

Mit Argusaugen beobachtete Jolie O‘Dell von Venturebeat die Veranstaltung und will darin Vorboten des Zerfalls entdeckt haben. Ohne Steve Jobs‘ Anwesenheit seien dem Konzern einige böse Schnitzer unterlaufen, die unter der Aufsicht der großen Ikone niemals möglich gewesen wären.

Der Perfektionismus, mit dem Jobs jedes Detail von Technologie über Verpackung bis hin zum Marketing bedachte, sei langsam aber sicher den Nachlässigkeiten einer Geschäftsführung zum Opfer gefallen, die sich einfach nicht genug Gedanken mache.

Für diese These führt sie zunächst die neue Nomenklatur ins Feld. Während sich die eine oder andere, böse Zungen würden sagen „Nerd-Debatte“, um das Thema „iPad 3 oder doch iPad 2S“ drehte, sind solche Diskussionen in Zukunft obsolet. Ebenso wie iMac, MacBook Pro und iPod heißen die Geräte künftig „das neue iPad“ und, daran besteht kaum Zweifel, „das neue iPhone“. Ohne 4S oder sonstige Kennung.

Das sei nun aber O‘Dells Vision zufolge ein erstes Anzeichen für die Art von Fehlern, die Jobs niemals zugelassen hätte. Als essentieller Bestandteil des Hypes, des Kultstatus der Marke Apple dürfe man keinesfalls den zahlreichen Diskussionen über die Namen der neuen Gadgets Schweigen gebieten.

Klein aber hervorstechend seien die Lücken in Apples sonst so lupenreinem Konzept. Hierzu zählt die Autorin auch das bunte Apple-Logo, das ein wenig an die ersten Batik-Versuche eines ungeschickten Hippies erinnert. Ohne Frage, das ist einer der vier Reiter der Apokalypse, steht und fällt Apples Unternehmensglück doch mit der grauen Eintönigkeit des Apfel-Symbols…

Als nächstes nimmt O‘Dell sich den Titel der aktuellen iPad-Startseite vor: „Resolutionary“ — eine Anspielung auf die beiden Worte „Resolution“ (zu deutsch: Auflösung) und „revolutionary“, also „revolutionär“. Ein „wahrlich fürchterliches Wortspiel“. An dieser Stelle kann ich ausnahmsweise einmal nicht anders, als aus vollem Herzen zuzustimmen. Schlimmer ist höchstens die deutsche Version des Titels: „Sehvolutionär“ macht stilistische Magenkrämpfe. In anderen Sprachen ist das Elend ähnlich.

„Keiner kann mit Sicherheit sagen, ob „resolutionary“ unter Steve Jobs durchgegangen wäre“ — so weit, so offensichtlich. Diese Wortspielereien aber als Anzeichen einer nahenden Katastrophe für Aktionäre und Mitarbeiter zu wähnen, scheint kurzsichtig. So lange ist es schließlich noch nicht her, dass Apple den iPod touch mit der undenkbaren Steigerungsform „funnest iPod ever“ bewarb. Man muss nur die Slogans der vergangenen Jahre studieren, um zu wissen, dass Steve einem Augenrollen-induzierenden Wortspiel keinesfalls abgeneigt war.

Jetzt wartet man nach diesen doch eher mäßig dramatischen Aspekten natürlich sehnsüchtig auf den Knaller. Die eklatante Fehlentscheidung, das Missgeschick, den tölpelhaften Schnitzer, der für den Fall Apples im geradezu newtonschen Sinne steht. Doch hier enttäuscht O‘Dell. Das soll es bereits gewesen sein. Eine fehlende Ziffer, ein buntes Logo und ein schlechter Witz. Das sind die drei Vorboten der Hölle.

Mit dem großen Wilhelm Busch möchte man ausrufen: „Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe.“

Ich höre schon die reumütigen Klagen aus Cupertino: „Ach, hätten wir doch damals auf die klugen Ratschläge von Jolie O‘Dell gehört, dann hätten wir jetzt nicht den Ärger mit den vielen Rekord-Quartalen und den mit Milliarden verstopften Konten.“ Doch dann wird es zu spät sein.

Weitere Themen: iPad 3, Tim Cook, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog, Apple Special Event Oktober 2014, iTunes, iTunes für Mac, iOS, App Store, The Swift Programming Language – Handbuch , Apple

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