Der Alltag bei Apple: Fortune bietet Einblick in Apples Unternehmenskultur

Florian Matthey
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Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune bietet in seiner jüngsten Ausgabe einen Einblick in diverse Apple-Interna. Der Artikel beschreibt die Unternehmenskultur des Mac-, iPod-, iPhone- und iPad-Herstellers, bei dem alle Macht vom “Diktator” Steve Jobs ausgeht. Vor allem eine Anekdote über dessen Reaktion auf die Probleme nach dem Start des Online-Dienstes MobileMe im Jahr 2008 lässt Rückschlüsse auf die Stellung des Apple-CEO im Unternehmen zu.

MobileMe löste im Jahr 2008 den bisherigen Dienst .Mac ab und sollte vor allem für Benutzer von iOS-Geräten eine Lösung für E-Mails, eine Online-Festplatte sowie eine drahtlose Synchronisation von Kalender- und Adressbuchdaten sein. In den ersten Wochen hatte Apple aber mit mehreren Ausfällen und einem extrem langsamen Angebot zu kämpfen – was vor allem angesichts dessen ärgerlich war, dass Apple 79 Euro im Jahr für MobileMe verlangt.

Jobs soll als Reaktion auf die Probleme das gesamte MobileMe-Team zu sich bestellt haben. Er erklärte dem Team, dass sie alle Apples Ansehen beeinträchtigten und sie sich alle gegenseitig dafür hassen sollten, dass sie einander im Stich gelassen hätten. Bei der Standpauke soll Jobs auch Kraftausdrücke benutzt haben. Besonders habe er sich darüber geärgert, dass “unser Freund” Walt Mossberg “nicht mehr Gutes über uns schreibt”. Mossberg ist ein Kolumnist des Wall Street Journal, der sich in der Vergangenheit meist positiv über Apples Produkte äußerte. Im Anschluss an das Treffen habe Jobs sofort neue Verantwortliche für das MobileMe-Team ernannt.

Der von Mac Stories zusammengefasste Fortune-Artikel, der bisher nur als Teil der jüngsten Ausgabe als In-App-Einkauf in der Fortune-iPad-App* erhältlich ist, beschreibt auch, wie Jobs die Zusammenarbeit mit seinen Vizepräsidenten gestaltet: Der Apple-Chef erkläre ihnen, dass es bei einem Hausmeister Gründe dafür geben dürfe, wenn etwas nicht funktioniere. Zwischen der Position des Hausmeisters und des Vorstandsvorsitzenden gebe es eine Grenze, nach dessen Überschreitung Gründe keine Rolle mehr spielen. Die Position des Vizepräsidenten liege jenseits dieser Grenze. Geht etwas im Aufgabenbereich eines Apple-Vize schief, ist dieser also immer verantwortlich, egal, was der Grund für das Problem ist.

Es zeigt sich also erneut, dass sich bei Apple alles um Jobs dreht. Viele Mitarbeiter seien ständig damit beschäftigt, sich selbst oder ihren Vorgesetzten auf ein Meeting mit dem Apple-CEO vorzubereiten. Dieser treffe alle wichtigen Entscheidungen und nehme selbst Einfluss auf kleinere Details wie die Speisekarte der Apple-Cafeteria. Allerdings scheint sich Apple auch bewusst zu sein, dass der gesundheitlich angeschlagene Jobs eines Tages nicht mehr Apple-Chef sein kann: Intern soll es als Teil der “Apple University”, die Mitarbeiter weiterbildet, bereits Kurse gegeben haben, die Apples Angestellte für die Zeit nach Jobs vorbereiten sollen. Dafür habe Jobs auch einst den Dekan der Management-Fakultät der US-Elite-Uni Yale verpflichtet.

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