Deutsche Zeitungsverleger kritisieren Apples "diffuse Informationspolitik"

Sebastian Trepesch
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Langsam, aber sicher formiert sich der Widerstand der Verlage gegen Apples App-Politik. Vor der International Newspaper Marketing Association (INMA) hat heute der Expertenkreis E-Publishing des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger eine Dringlichkeitssitzung einberufen, um das Vorgehen gegenüber Apple zu besprechen. Ergebnis: Eine Forderung nach “Transparenz und Planungssicherheit für die Entwicklung ihrer Angebote auf dem iPad.”

Mit dem Rauswurf von Sonys Reader-App wurde deutlich: Apple schlägt eine härtere Gangart bei der Durchsetzung der eigenen Richtlinien ein. In Sonys Anwendung für iPhone, iPod touch und iPad wollte der Entwickler beim Verkauf von E-Books den Nutzer in den Webbrowser schicken, anstatt Apples In-App-Purchase-Schnittstelle zu nutzen. Letztere wickelt den gesamten Kaufprozess direkt in einer Anwendung ab. Apple ließ deshalb die Anwendung für die exklusive Verkaufsplattform, den App Store, nicht zu.

Ein Statement von Apple zu der Angelegenheit machte deutlich, dass Verkäufe über den Webbrowser weiterhin erlaubt sind, aber zumindest zusätzlich eine In-App-Option zur Verfügung gestellt werden müsse.

Die Notwendigkeit der In-App-Verkäufe gilt natürlich auch für Zeitungen und Zeitschriften. Aufgeschreckt von dieser Meldung beriefen die Verleger Dringlichkeitssitzungen ein. Nicht nur, dass die Verleger ungern 30 Prozent von den Einnahmen abgeben (Apple lässt sich die Bereitstellung der Verkaufsplattform mit 30 Prozent der App-Einnahmen vergüten). Sondern es werden auch Abomodelle, die eine Kombination von Print und Digital vorsehen, dadurch erschwert, wenn nicht ganz verhindert.

Heute tagte deshalb der Expertenkreis E-Publishing des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). “Die Zeitungsverlage in Deutschland fordern von Apple Transparenz und Planungssicherheit für die Entwicklung ihrer Angebote auf dem iPad”, formuliert der Verband die zentrale Aussage auf seiner Webseite. BDZV-Sprecher Hans-Joachim Fuhrmann kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa Apples Informationspolitik: “Was uns derzeit von Apple beschert wird, macht uns nicht glücklich”, so Fuhrmann.

Herz der Produktion einer Tageszeitung bleibe die Print-Ausgabe, erklärte Vizepäsident des europäischen Zeitungsverlegerverbands (ENPA) Valdo Lehari jun. den Sachverhalt im Rahmen der Sitzung, doch die Geschäftsmodelle für Online, Mobilfunk und Print seien oftmals miteinander verschränkt.

Die ENPA, die schon gestern in Brüssel tagte, hob neben der Forderung nach freier Verkaufswahl hervor, dass die Verleger ihre Leser kennen müssten, was eine Herausgabe der Nutzerdaten bedinge. Diese Forderung ist jedoch so alt wie das iPad selbst. Die International Newspaper Marketing Association (INMA) hat für 17. Februar einen runden Tisch in London einberufen, die belgische Regierung Prüfungen der Wettbewerbsbehörden angeregt.

Laut BDZV gebe es von Apple demnächst eine Mitteilung zu diesem Thema.

Generell loben die Verleger das “fantastische Potential” des iPads und anderer Tablets für die Entwicklung von Zeitungs-Apps. Erst letzte Woche stellte Apple ein neues Abo-Modell vor, in Verbindung mit der ausschließlich für das iPad konzipierten Zeitung “The Daily“.

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