Elon Musk soll Apple-Chef werden? Dass ich nicht lache! [Kommentar]

Kaan Gürayer
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Apple solle Tesla übernehmen, Tim Cook feuern und Elon Musk zum Chef machen – die Forderung von Karla Lant klingt faszinierend und sorgt aktuell für Furore. In Wahrheit verbirgt sich hinter dem Gedankenspiel aber eine selten dämliche Schnapsidee. 

Elon Musk soll Apple-Chef werden? Dass ich nicht lache! [Kommentar]

Der inhaltsleere Aufmerksamkeits-Journalismus unserer Zeit hat eine neue Königin gefunden: Karla Lant. In den Augen der freien Autorin, die unter anderem für das Onlinemagazin „Futurism“ schreibt, habe Apple dank seiner gigantischen Bargeldreserven zwar keine Geldsorgen, leide aber unter einem akuten Mangel an Innovationen. Bei Tesla sei es hingegen genau umgekehrt: Der Elektroautohersteller sei Paradebeispiel an Innovation, muss sich aber stets um neues Kapital bemühen.

Was läge da also näher, als beide Unternehmen gedanklich zu vermählen, und im selben Atemzug direkt noch den Verwalter Cook durch den charismatischen Innovator Musk zu ersetzen? Gesagt, getan – und um ihre steile These zu unterfüttern, zitiert die gute Ms. Lant haufenweise Nachrichtenartikel, die Apple ebenfalls fehlende Innovation vorwerfen.

Mal abgesehen davon, dass es ziemlich faul ist, sich als Journalistin ausschließlich auf die Vorarbeit anderer Journalisten zu beziehen, stellt sich unweigerlich folgende Frage: Was genau ist denn „Innovation“? Über ihren gesamten Artikel hinweg faselt die Autorin von einem Begriff, ohne zuerst eine genaue Definition dafür geliefert zu haben.

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Innovationen liegen im Auge des Betrachters

Sind die selbstfahrenden Autos von Tesla eine Innovation? Für die Automobilbranche und die Verkehrssicherheit ohne Zweifel. Ob Bus- und Taxifahrer in die Hände klatschen, wenn ihre Jobs von Algorithmen übernommen werden, sei mal dahingestellt. Ergo: Innovation liegt im Auge des Betrachters. Für den durchschnittlichen Apple-Nutzer dürfte auch die bessere Integration von iPhone und Mac eine Innovation sein. Diese Art von „Innovation“ betreibt Apple seit Jahren in konsequenter Feinarbeit – früher mit Steve Jobs, jetzt mit Cook. Dafür bedarf es keinen visionären Mann an der Spitze.

Hier liegt nämlich die Krux. Ob mit Tesla, SpaceX oder OpenAI: Elon Musk versucht mit bewundernswertem Enthusiasmus, die Probleme der Menschheit zu lösen. In Cupertino gibt man sich hingegen mit weniger zufrieden und arbeitet daran, die Probleme von Apple-Nutzern zu lösen. Beides ist legitim, beides hat eine Daseinsberechtigung – nur lassen sich beide Ziele kaum miteinander vereinen.

Apples Selbstverständnis

Die effekthaschende Forderung Karla Lants, Tim Cook durch Elon Musk zu ersetzen, verachtet das Selbstverständnis Apples und geht an der DNA des Konzerns vorbei. Apple war nie ein Unternehmen, das an Innovationen tüftelt, um sich selbstgefällig auf die Schulter zu klopfen. Innovationen sind hier lediglich Mittel zum Zweck und dienen dazu, das Leben von Apple-Nutzern einfacher und bequemer zu gestalten.

Und kein iPhone- oder Mac-Nutzer hat etwas davon, wenn es eine Kolonie auf dem Mars gibt.

Ihr seid anderer Meinung und seht in Elon Musk den perfekten Apple-Chef? Kollege Stefan Bubeck vertritt die gleiche Meinung

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