Erster Apple-CEO: Michael Scott spricht in Interview über die Jahre 1977 bis 1981

Florian Matthey
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Michael Scott, der erste von insgesamt sechs Apple-CEOs, erzählt in einem Interview über seine Jahre bei Apple. Scott, heute 68 Jahre alt, kam Anfang 1977 in das erst im Vorjahr gegründete Unternehmen, um den Gründern Steve Jobs und Steve Wozniak sowie dem Investor Mike Markkula beim Aufbau der Start-up-Firma zu helfen.

Unterstützer mit Business-Erfahrung

Markkula kannte Scott aus der gemeinsamen Zeit bei Fairchild Semiconductor und holte den erfahreneren Scott zu Apple, da die beiden Gründer keine Erfahrung mit Unternehmensführung hatten. Zu dieser Zeit arbeitete Apple an dem ersten großen Erfolg des Unternehmens, dem Apple II. Zu diesem verrät Scott im Interview mit Business Insider einige Details: Statt mit einem herkömmlichen Transformator habe Apple sich damals für ein Schaltnetzteil entschieden, um das Gewicht des Rechners deutlich zu senken. Allerdings hatte das Unternehmen dann bei den ersten Modellen damit zu kämpfen, dass das Gerät in wärmeren Temperaturen nicht richtig funktionierte – ein Design-Fehler, der damals zunächst ein Geheimnis blieb.

Steve Jobs – damals “vielleicht noch wählerischer”

Auch, wenn der Apple II aus heutiger Sicht wohl keinen Schönheitswettbewerb mehr gewinnen würde, war Apple schon damals die Optik wichtig – beziehungsweise nicht Apple, sondern Steve Jobs: Laut Scott war Jobs schon in den 70er Jahren sehr wählerisch, “vielleicht noch wählerischer” als heute. Jobs habe damals keiner der “tausenden” erhältlichen Beige-Töne für das Gehäuse gefallen, so dass das Unternehmen erst einmal ein “Apple-Beige” erstellen musste. Auch hätten dem heutigen Apple-CEO die Kanten nicht gefallen, weshalb er ein abgerundetes Gehäuse forderte.

Scott betont, dass er nicht weiß, wie Jobs heute als Manager arbeitet. Allerdings kann er von einigen weiteren Eigenheiten des Apple-Mitgründers berichten: Jobs habe schon immer direkt und ungefiltert seine Meinung gesagt, während Steve Wozniak noch sehr still gewesen sei. Seinerzeit habe Scott sich immer auf die Details des Produkts, aber kaum auf die Leute, die ihn umgaben, konzentriert: Für Scott sei es beim Aufbau eines Unternehmens das Wichtigste gewesen, die Mitarbeiter wachsen zu lassen, damit das Unternehmen wachsen kann. In den Jahren mit Scott als CEO durfte Jobs hingegen nie viele direkte Mitarbeiter haben, da er sie sie nicht richtig betreut habe. Es heiße, dass Jobs Mitarbeiter anschreie, manchmal müsse man sie aber auch unterstützen.

Auch mit Scott und Apples Geschäftspartnern sei Jobs damals nicht unbedingt nachsichtig gewesen: Wenn Scott einen Preis mit Zulieferern ausgehandelt habe, habe Jobs sie danach gefragt, ob sie Apple noch einen Cent Nachlass geben könnten. Dies hätten die Geschäftspartner bejaht – so dass Jobs sich dann bei Scott beschwerte, dass dieser seine Arbeit nicht gut genug mache. Scott habe Jobs dann darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Cent dem Unternehmen noch schaden könne, wenn es einmal Lieferschwierigkeiten bei Komponenten geben sollte.

Bill Gates’ Fehler

Scott plaudert im Interview außerdem über Bill Gates, der 1977 den “Fehler” gemacht habe, Apple zu sehr zu stärken: Der Microsoft-Mitgründer habe Apple seinerzeit Microsoft Basic für 25.000 US-Dollar verkauft, Apple habe es dann auf dem Apple II zum Laufen gebracht und weitergeben können.

Scotts Ausstieg nach dem “schwarzen Mittwoch”

1981 verließ Scott Apple. Er kam als fünfter Mitarbeiter ins Unternehmen – obwohl er sich später selbst die Mitarbeiterzahl 7 gab, um sich selbst “Mitarbeiter 007″ nennen zu können. Der Arbeitsaufwand fürs Management sei enorm gewesen: In seinen Jahren im Unternehmen habe sich Apples Größe in Sachen Mitarbeiter und Bürofläche zeitweise alle drei Monate verdoppelt, vom vierten zum fünften Jahr wuchs die Zahl der Angestellten von 500 auf 1500. Als eine seiner letzten Arbeitshandlungen entließ Scott rund 50 Mitarbeiter – laut eigenen Angaben im Interview, um “altes Gerümpel” (“dead wood”) zu entfernen.

Laut Andy Hertzfelds Folklore.org-Website wurde dieser Tag bei Apple später der “schwarze Mittwoch” genannt: Scott habe danach ein Fass Bier geöffnet und erklärt, dass er Apple-CEO bleiben wollte, bis es ihm keinen Spaß mehr mache. Nun habe er seine Meinung geändert – wenn es keinen Spaß mehr macht, werde er Leute feuern, bis es ihm wieder Spaß mache. Diese Anekdote erwähnt Scott nicht – er berichtet nur, dass er mit den beiden Steves und Markkula die Vereinbarung hatte, nur so lange zu bleiben, wie sie ihn unterstützen würden. Die Entlassung der Mitarbeiter habe viel Ärger mit sich gebracht, “das habe ich nicht mehr gebraucht”.

Apples Erfolgsrezept damals und heute: Hard- und Software aus einer Hand

Dennoch scheint Apple für Scott immer noch etwas Besonderes zu sein: Auch heute arbeite er hauptsächlich mit Macs, den Erfolg des Unternehmens sieht er damals wie heute darin, dass sich Apple sowohl um die Hard- als auch die Software kümmere. So erfahre Google auch heute mit dem Mobil-Betriebssystem Android, dass ein Unternehmen ansonsten viel Disziplin für sein Produkt brauche, um das Produkt nicht zu ruinieren. Apple habe immer versucht, etwas richtig zu machen, statt Produkte herzustellen, die nur “gut genug” sind. Letztere Philosophie verfolge wiederum Microsoft.

Bild: Michael Scott, via Business Insider

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