Ex-Apple-CEO: John Sculley spricht über Apple

Florian Matthey
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Von allen Apple-CEOs vor Steve Jobs dürfte John Sculley der bekannteste sein: Steve Jobs holte den heute 72-Jährigen im Jahr 1983 ins Unternehmen, nachdem Sculley zuvor Chef des Brauseherstellers Pepsi war. 1985 gewann Sculley einen Machtkampf mit Jobs, 1995 verließ er selbst das Unternehmen. In London hat er sich nun zu seinem früheren Arbeitgeber geäußert.

Von Pepsi zu Apple

1983 wollte sich der damalige Apple-CEO Mark Markkula, der die Rolle als zweiter Vorstandsvorsitzender nach Michael Scott übernahm, aus dem Unternehmen zurückziehen. Der Apple-Investor der ersten Stunde hielt den damals erst 28-jährigen Jobs aufgrund mangelnder Management-Erfahrung aber noch nicht als Nachfolger geeignet. Stattdessen entschied sich Apples Verwaltungsrat für den Pepsi-CEO John Sculley.

Sculley erklärt nun, dass er damals eigentlich nicht die erste Wahl war. Jobs, der auf der Suche nach einem neuen CEO für das von ihm mitgegründete Unternehmen war, hielt Sculley aber für den richtigen Mann – “weil er glaubte, dass Computer sich irgendwann so verkaufen müssten wie abgepackte Ware”, also beispielsweise Pepsi-Dosen.

Apple: Ein Lifestyle-Erlebnis

Der neue CEO wollte mit Apple einen “Lifestyle” verkaufen. Kunden ein entsprechendes Erlebnis zu bieten sei auch das gewesen, was Jobs interessiert habe. So erkläre sich auch der legendäre “1984″-Werbespot, den Apple zuerst am Superbowl-Abend zeigte und dann wochenlang laufen ließ. Laut Sculley habe die Kampagne 45 Millionen Dollar gekostet, innerhalb des Unternehmens war der Spot sehr umstritten, denn: “Es wurde gar kein Computer gezeigt”, so der damalige Apple-Chef. Apples Verwaltungsrat habe den Spot gehasst. Immerhin hatte der Vorstand Sculley zum CEO gewählt, um eine “erwachsene Aufsichtsperson” für die jungen Apple-Mitarbeiter – allen voran Jobs – zu haben. Sculley glaubt aber, dass die Geschichte ihm Recht gibt: “Wenn man sich Apple heute ansieht, dann verkaufen sich alle Produkte wegen des Erlebnisses”.

Großes Lob für Jobs

Für Jobs hat Sculley heute nur lobende Worte: Ebenso wie der Microsoft-Mitgründer Bill Gates habe Jobs das “noble Ziel” gehabt, die Welt zu verändern: Für Jobs sollte der Computer wie ein Fahrrad sein, “das Einfachste, was du jemals benutzt hast”. Daher habe Jobs das komplette Erlebnis kontrollieren und somit aus einer Hand liefern wollen. “Wenn man sich Apple heute ansieht, sind das immer noch dieselben Prinzipien”. Jobs habe immer geglaubt, dass die wichtigsten Entscheidungen nicht diejenigen darüber sein, was man in ein Produkt integriere – sondern darüber, was man auslasse.

Bill Gates sei hingegen immer auf “Landraub” aus gewesen: Er habe das ganze Unternehmen um “eingeschweißte Software” aufgebaut. Noch heute sei Microsoft mächtig und sehr selbstbewusst, “aber das Verständnis ist ein anderes”. Bei Apple drehe sich eben alles um das Design und das “Erlebnis”.

Mit dieser Strategie habe es Jobs als einzelner Mann mit dem iPhone und iPad geschafft, die Welt ins “Mobil-Zeitalter” zu hieven. Die Zeit, in der der Markt die neuen Apple-Produkte angenommen habe, sei unglaublich kurz gewesen. “Die Geschwindigkeit der Annahme in der Mobil-Ära ist etwas, was es so noch nie gegeben hat”, so Sculley.

Sculleys Vermächtnis: Der Newton als erstes Apple-Mobilgerät

Sculley bleibt Apple-Fans bis heute nicht nur deswegen im Gedächtnis, weil sein Machtkampf mit Jobs 1985 zum Weggang des heutigen CEO aus dem Unternehmen führte. 1993 veröffentlichte Apple unter Sculleys Führung mit dem Newton den ersten PDA der Geschichte – rückblickend ein erster Gehversuch im “Mobil-Zeitalter”. Das heute ziemlich klobig anmutende Gerät, das vielen positiv in Erinnerung geblieben ist, konnte sich aber nie durchsetzen. Nach seiner Rückkehr zu Apple im Jahr 1996 stellte Steve Jobs das Newton-Projekt im Jahr 1998 offiziell ein.

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