Generisch: Warum Apple das iPhone gegen Samsung verteidigt

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Im Zuge des aktuellen Gerichtsverfahrens gegen Samsung präsentierte Apple dem kalifornisches Gericht bereits zahlreiche bislang geheimgehaltene Designstudien und Prototypen von iPhone und iPad. Man könnte sagen, dass Apple “thermonuklear” gegen Samsung in die Vollen geht. Doch warum eigentlich?

Generisch: Warum Apple das iPhone gegen Samsung verteidigt

Einem aussergewöhnlichen Rechtsstreit haben wir einen beispiellosen Einblick in Apples Entwicklungsarbeit zu verdanken. Wir wussten zwar, dass die Entwicklung einer iPhone-Generation, vom ersten Chip bis zum Ladentisch, zwischen drei und vier Jahre in Anspruch nimmt, doch der eigentliche Weg bzw. die vielen Schritte zum finalen Produkt bzw. Design von iPhone und iPad waren in Apples abgedunkelten Designbüros vor uns verborgen.

So geben Apples Beweismittel und Aussagen vor Gericht preis, dass man am Infinite Loop 1 bereits um 2002 mit der Entwicklung von iPhone bzw. iPad begonnen hatte. Wie Steve Jobs 2010 auf der D8-Konferenz verriet, wanderte das iPad aber zunächst unvollendet in die Schublade. Die Entwicklung des iPhone war wichtiger und rückte in den Vordergrund.

Die Prototypen dieser frühen Entwicklungsjahre zeigen teilweise sehr große Ähnlichkeiten mit den später präsentierten und finalen Produkten. Die Designs, die mit iPhone 3GS und iPhone 4 auf den Markt kamen, lagen bereits zwischen um 2005 bei Apple als Hardware-Mockups auf den Entwicklungstischen.

Alle iPhone- und iPad-Prototypen bauen auf das eine Konzept bzw. die eine Produktphilosophie auf. Ein Konzept, dass Samsung und Co. zwar nachbauen aber nach fünf Jahren anscheinend immer noch nicht verstanden haben.

Ein Edge-to-Edge-Touchscreen, keine Hardware-Tastatur, keine unnötigen Kanten und Spalten, keine klobige Kamera und nur ein “Home”-Button sind nur die offensichtlichsten Pfeiler dieses Konzeptes.

Ein unaufdringliches aber hochwertiges Design, dass die Hardware in den Hintergrund und dadurch die Software bzw. den Content in den Vordergrund rückt, kombiniert mit einer intuitiven, selbsterklärenden, fast unterfordernden Bedienoberfläche. Ein Device das alles darstellen kann und dabei quasi zu dem wird was es darstellt. Es wird zu einem Foto, einem Video, einer Webseite, einer App.

Vor dem iPhone übertrumpften sich Nokia und Co. mit möglichst ausgefallenen Designs gegenseitig. Frei nach dem Motto: Auffallen und Differenzieren um jeden Preis. Man könnte sagen, dass die Designs der damaligen Smartphones im Vergleich zu heute aufdringlich und “mechanisch” waren.

Kurz gesagt herrschte Vielfalt (die sich unter anderem hier einsehen lässt) Mit der Präsentation der ersten iPhone-Generation im Januar 2007 änderte sich das. Es mag etwaig das ein oder andere Smartphone vor dem iPhone gegeben haben, welches dem späteren iPhone entfernt ähnlich sah (Stichwort Samsung SGH-F700 welches aber nicht 2006 sondern erst nach dem iPhone präsentiert wurde), doch erfolgreich waren diese nicht, was natürlich auch mit der damals zum Einsatz kommenden Software zu tun hatte. Der damalige Markt im Ganzen sah alles andere aus als ein iPhone. Touchscreen-Smartphones spielten damals keine große Rolle. Und Smartphones ohne Hardware-Tastatur galten nicht als smart.

Die Vielfalt ist der Eintönigkeit gewichen. Heutzutage orientiert sich jeder Smartphone-Hersteller an Apple und an dem Design- und Bedienkonzept, welches auf der Macworld 2007 präsentiert wurde. Blickt man zurück erkennt man klar und wohl unbestritten die Grenze zwischen “Vor dem iPhone” und “Nach dem iPhone”.

Apples Kampf gegen Samsung ist ein Kampf gegen die Generik des iPhone-Designs. Apple hat über die letzten Jahre viele Designpatente betreffend iPhone und iPad zugesprochen bekommen, die Apple schützen und verteidigen muss, per Gesetz. Tut Apple dies nicht, verfällt der Anspruch darauf.

Apple muss verteidigen und will an Samsung, dem größten Konkurrenten und Nachahmer, ein Exempel statuieren. Das Design des iPhones und iPads ist nicht allgemeingültig, ist kein Standard und nicht selbstverständlich – ist nicht generisch? Wäre dem so, hätte sich die Smartphone-Landschaft nach der Keynote im Januar 2007 nicht so dramatisch verändert, Android wäre ein Open-Source-Pendant zum Blackberry OS und Nokia wohl weiterhin das Maß aller Dinge.

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Weitere Themen: iPhone 4s, iPhone 3GS, iPhone 5, iPad 3, iPad 1, iPad 2, iPhone 3G, iPhone 4, iMac mit 5K Retina Display, Samsung


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