Googles Entertainment-Bestrebungen, ein Dorn in Apples Auge

Tizian Nemeth
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Dienstag, 7. September um 12.30 Uhr wird Google-Chef Eric Schmidt auf der IFA seine Keynote abhalten: Mit Spannung dürfte auch Apple auf die Gesprächsrunde schauen. Möglicherweise präsentiert Schmidt Details zum neuen Online-Musik-Store – der bislang nur als Gerücht durch die Medienlandschaft geistert. Sollte sich dieses Gerücht allerdings bewahrheiten, dann dürften die beiden Unternehmen auch auf diesem Feld die Klingen kreuzen. Nutznießer eines Wettkampfs auf diesem Sektor dürfte vor allem der Anwender sein, der dann aus einem reichhaltigem Medienangebot zu hoffentlich günstigen Preisen Videos, Musik und Spiele kaufen kann.

Während Google und Apple auf dem Smartphone, neuerdings auch dem Tablet-Markt, konkurrieren, ist Apple bislang im Bereich der Multimediainhalte recht ungestört. Den peilt Google nun aber ebenfalls an. Nicht nur das Gerücht um den Online-Musik-Store befeuert da die Phantasie sondern auch die Firmenübernahmen lassen diesen Schluss zu. Glaubt man der Reuters-Meldung, dann startet Google bis Weihnachten einen eigenen Online-Musik-Store. Auch Videos und Spiele werden wohl zum neuen Entertainment-Bereich des Suchmaschinenbetreibers gehören. Das Interesse von Google am Entertainment-Markt offenbart sich, verfolgt man die Übernahmen und Investitionen der vergangenen Monate und Jahre. So hat Google schon vor vier Jahren YouTube übernommen und investiert aktuell verstärkt in unter anderem in den Spiele-Entwickler Zynga.

Den ersten Schritt hin zu Videoinhalten hat Google bereits im Oktober 2006 unternommen, als das Unternehmen das Video-Portal YouTube übernommen hat. Vor rund einer Wochen hat die Financial Times berichtet, dass Google über ein Filmverleih-Modell mit den wichtigsten Film-Studios verhandle. Damit hätte ein Pendant zu Apples Filmverleih im iTunes-Store.

Mit der Übernahme von Simplify Media im Mai dieses Jahres holte sich Google zudem einen Medien-Sharing-Anbieter an Bord. Mit Unterstützung der Mitarbeiter und dem eingekauften Know-how könnte Google Cloud-basierte Streamingangebote entwickeln und anbieten. Anwender könnten auf diese Weise Medieninhalte aus der Claoud heraus auf unterschiedlichste Geräte streamen lassen. Gestreamte Musik könnten mit der entsprechenden App dann auch iPhone- und iPad-Besitzer unterwegs von Google beziehen, auch auf dem Mac könnte schon bald Googles Musikdienst den Ton angeben. Beim Musik-Streaming aus der Cloud wäre Google Apple sogar einen Schritt voraus – bislang bietet Apple nämlich Cloud-basierte Streaming-Technik nur im Bereich des Fimverleihs für das neue AppleTV an.

Mit einem Finanzpolster von 26,5 Milliarden US-Dollar und einer vollen Kriegskasse hat sich Google zuletzt auch in Sachen Cloud-basierter Officelösungen Verstärkung geholt. Zu den aufgekauften Unternehmen gehören unter anderem die Spezialisten für Onlinebildbearbeitung von Picnik, dem Entwickler DocVerse, der eine Microsoft Office Lösung anbietet, mit der mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten können. Ebenfalls hinzugekommen ist für 50 Millionen US-Dollar der Social-Suchdienst Aardvark.

Nun bleibt abzuwarten, ob Google auch auf dem Entertainment-Sektor zu einem Konkurrenten für Apple wird. Den Markt für Medieninhalte hat sich Google zumindest schon geschaffen – mit dem Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-Geräte steht ein riesiger Interessentenkreis bereit. Und dieser ist auf Grund der offenen Plattform deutlich größer, als der von Apple, was auch die 100.000 verkauften Android-Smartphones pro Tag und die Nutzerzahlen beweisen. Und womöglich wird ein gut ausgebautes Entertainment-Angebot auch von zahlreichen iPhone- und iPad-Besitzern dankend angenommen.

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