iPad-Abos: Mit Alternativen Druck auf Apple erzeugen

Sebastian Trepesch
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Seit dem 31. März lässt Apple keine iPad-Anwendungen in den App-Store, wenn sie für Abos und Käufe nicht die dafür vorgesehene Schnittstelle nutzen. Bereits zugelassene Apps genießen noch bis 30. Juni Bestandsschutz. Die Financial Times drohte an, andere Kanäle als Apples iOS-Plattform zu nutzen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) dagegen kennt zu der “attraktiven Plattform” noch keine vergleichbare Alternative.

Rob Grimshaw, Managing Director von ft.com, spricht von einer “großartigen Beziehung” zwischen der Financial Times und dem Elektronikkonzern Apple. Aber: “Wenn sich herausstellt, dass der ein oder andere Kanal nicht für unsere Art des Geschäfts geeignet ist, können wir auf eine große Zahl anderer Kanäle zurückgreifen”, droht Grimshaw laut Reuters. Denn die direkte Beziehung zu den Abonnenten möchte der Verlag nicht aufgeben, es sei das Kerngeschäft des Unternehmens.

Verlage in aller Welt stoßen sich daran, dass Apple ihnen für Veröffentlichungen auf dem iPad die Regeln diktiert. Der Elektronikkonzern hat mit dem App Store ein geschlossenes System installiert, über das Anwendungen für iPad, iPhone und iPod touch bezogen werden können. Die Zugangsbestimmungen hat Apple festgelegt, und zwar auch für Käufe digitaler Güter aus den Apps heraus, sowie für Abonnements. Bei derartigen Angeboten müssen die Entwickler immer auch die vorgesehene In-App-Schnittstelle einbeziehen.

Wenn die Verkäufe über den Apple iTunes-Store laufen, müssen die Verlage jedoch 30 Prozent Provision abtreten und verlieren, wie oben angedeutet, den direkten Kontakt zu ihren Abonnenten. Die Kundendaten sind laut Wolfgang Fürstner, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, eine der wichtigsten Informationen für Verlage überhaupt, sowohl für die Produktentwicklung als auch für das Vertriebs- und das Anzeigengeschäft.

Wenngleich Fürstner in diesem Punkt also mit Grimshaw übereinstimmt, misst er Apples Plattform mehr Bedeutung zu. “Apple hat eine sehr attraktive Plattform, die ein Schlüssel für das ePublishing-Geschäft der Verlage ist und zu der es noch keine vergleichbare Alternative gibt”, sagte Fürstner gegenüber macnews.de. Doch unter der Hand dürfte auch Grimshaw ähnlich sprechen. Denn in den USA ist die Verbreitung des iPads weit höher als in Deutschland. Den Wert Apples Plattform herunterzureden könnte eine Strategie sein. Denn offensichtlich befindet sich das Unternehmen noch in Verhandlungen mit dem Elektronikkonzern.

Dass Apple von seinem geschlossenen System abrücken könnte, ist nicht vorstellbar. Trotzdem dürften alle Seiten ein Interesse haben, die Situation zu entspannen, und sei es nur durch eine Anpassung der Regeln. Grundsätzlich erhöhen die Tablets den Medienkonsum von den klassischen Print-Inhalten, zeigen heute veröffentlichte Ergebnisse des iPad Panels von Axel Springer Media Impact. 52 Prozent der Befragten gaben demnach an, mehr Zeitungen und Zeitschriften (als App oder gedruckt) zu lesen, seit sie das iPad haben. Insbesondere junge Leser – 60 Prozent der unter 30-Jährigen – würden sich wieder stärker für Inhalte von Printmedien begeistern.

Die Verlage setzen verstärkt auf elektronische, kostenpflichtige Ausgaben – zum Teil erfolgreich. ft.com konnte die Zahl der zahlenden Kunden durch die Onlinetätigkeiten Reuters zufolge schon jetzt von 440.000 auf 590.000 steigern. Die New York Times installierte erst vor wenigen Tagen eine “Paywall“, die das kostenlose Aufrufen von Artikeln auf 20 pro Monat beschränkt. Wer unbegrenzt Beiträge auf Desktoprechner, Tablet Computer und Smartphone lesen will, zahlt 15 Euro pro Monat.

Das iPad dagegen muss sich gegenüber immer mehr Konkurrenzprodukten – allen voran Tablets mit Googles Android – behaupten. Der Suchmaschinenriese hat mit One Pass bereits eine Antwort auf das Apple-System.  “Der Vorsprung wird durch die aufgewachten Wettbewerber Apples schmelzen und damit auch die heutige Monopolposition des Konzerns auf diesem Gebiet”, relativiert Fürstner die Bedeutung des iPads.

Von der Aufhebung der Monopolstellung könnten sowohl die Verlage, als auch die iPad-Besitzer profitieren.

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